Wie Musikensembles auf wenige Millisekunden synchron spielen

8. Februar 2014, 20:43
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Wiener Wissenschafterteam analysiert musikalisches Zusammenspiel mithilfe von Computermodell

Wien - Musikensembles bringen erstaunliche kognitive Leistungen zustande: Die Künstler schaffen es, Tonfolgen bis auf wenige Millisekunden synchron zu spielen. Dem dahinter steckenden Mechanismen ist nun ein Wiener Forschungsteam auf Grundlage von Analysen der Spielweise von Musikern auf der Spur. Mit einem Computermodell wollen die Wissenschafter testen, wie sich Menschen an veränderte Bedingungen anpassen.

"Ich war selbst immer fasziniert vom Musikmachen gemeinsam mit Menschen", erklärte Projektleiter Werner Goebl vom Institut für Wiener Klangstil der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (mdw). Tatsächlich sei das Solomusizieren eine Ausnahme, so der Musikforscher, der auch einen Abschluss in Klavierkammermusik hat.

Bei musikalischen Ausdrucksstudien haben die Wissenschafter festgestellt, "dass Tempo und Lautstärkeentwicklung ganz stark variieren. Wenn mehrere Menschen zusammen spielen, haben sie auch diese starken Variationen - das machen sie aber alles unisono", so Goebl. Es gehe also nicht nur um die Synchronisation der Bewegungen, sondern auch des Ausdrucks auf extrem hohem Niveau. Die Frage sei nun, wie Menschen das schaffen und wie sie diese Fähigkeiten erlernen.

Um das zu analysieren, machen die Forscher sehr genaue akustische Aufnahmen von Ensembles. "Dann versuchen wir, auch noch Körperbewegungen aufzuzeichnen", erklärte Goebl. Mithilfe von Computerwissenschaftern soll es möglich werden, die Kopfposition und die Orientierung der Köpfe aus den Aufnahmen der Bewegungskameras zu extrahieren.

Mysteriöse Synchronisation

Interessant sei vor allem, wie sich die Fähigkeit zum Zusammenspiel mit zunehmendem musikalischen Können verbessert. "Da wissen wir noch gar nicht so genau, was eigentlich die Bestandteile der Synchronisation sind", so der Forscher. Wenn zwei Menschen beispielsweise einen einfachen Takt klopfen und einer diesen leicht verändert, dann reagiert der andere darauf, indem er sein Verhalten an die neuen Begebenheiten anpasst. Wie dieser simple Vorgang ablaufen könnte, sei Inhalt einer gut etablierten Theorie, "aber damit erklärt man die musikalische Synchronisation noch gar nicht".

Hier komme etwa dazu, dass Musiker im Vorhinein komplexe Vorstellungen von ihrem Tun entwickeln, was wiederum das Spiel auf mannigfaltige Weise beeinflusst und leitet. Dazu kommen auch noch Fragen, wie Musiker ihre Aufmerksamkeit auf das eigene Tun und das der anderen verteilen.

Computermodell simuliert Spielarten menschlichen Musizierens

Alle Daten, die im Rahmen des am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence (OFAI) in Wien durchgeführten Projekt gesammelt werden, fließen momentan ebenda in ein Computermodell ein, das die Spielarten des menschlichen Musizierens nachstellen kann. "Der Computer übernimmt dann einen Part und der Mensch den anderen", so der Forscher, der selbst sechs Jahre am OFAI tätig war.

Da das Modell auf Knopfdruck sein Spiel verändern kann, eröffnet sich für die Wissenschafter die Möglichkeit, sozusagen durchzutesten, wie sich Menschen einerseits anpassen und andererseits welchen Einfluss die im Vorhinein gefassten Vorstellungen auf die Synchronisation haben. "Wir können quasi an diesen Parameterschrauben drehen und sehen dann, wie gut sich die Menschen mit dem Computermodell verbinden und wie sie sich dabei fühlen", erklärt Goebl. In dem 2012 gestarteten und noch bis 2015 laufenden vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt habe man nun die technischen Grundlagen für das System geschaffen. (APA/red, derStandard.at, 8.2.2014)

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