Polnische Gewerkschaft ruft zu Lidl-Boykott auf

6. Februar 2014, 06:59
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Solidarnosc behauptet, die Handelskette schikaniere Mitglieder, Lidl Polen dementiert

Warschau - Die polnische Gewerkschaft Solidarnosc hat zum Boykott der Geschäfte der Supermarktkette Lidl aufgerufen. Grund sei die Gewerkschaftspitze bei Lidl, die behauptet, entlassen worden zu sein, weil sie bessere Arbeitsbedingungen gefordert hatte, erklärte die Gewerkschaft. Lidl Polen zeigte sich überzeugt, dass die Entlassungen rechtmäßig seien.

Der Boykott, der den ganzen Februar dauern soll, ist die erste Etappe einer langfristigen Aktion der Gewerkschaft gegen die Arbeitsverhältnisse bei Lidl. Solidarnosc-Sprecher Marek Lewandowski erklärte gegenüber Journalisten, die Entlassungen vor Gericht anzufechten. Die Gewerkschaft überlegt auch eine Klage gegen Lidl bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Schikanen?

Die betriebliche Gewerkschaftorganisation wurde bei Lidl vor einem Jahr gegründet. Laut Lewandowski hat der Vorstand der Handelskette von Anfang an die in der Gewerkschaft engagierten Mitarbeiter schikaniert. Im Dezember seien dann die Lidl-Gewerkschaftschefin und ihr Stellvertreter entlassen worden mit der Begründung, an illegalen Protestaktionen beteiligt gewesen zu sein.

Lewandowski wirft Lidl vor, die Gewerkschaftorganisation loswerden zu wollen. Die Gewerkschafter hatten mehr Personal in den Filialen verlangt, laut Solidarnosc müssen die Lidl-Mitarbeiter bis zu zwölf Stunden pro Tag arbeiten.

Kündigung wegen "illegaler Protestaktionen"

Der Pressesprecher der Handelskette, Patrycja Kaminska, versicherte der Zeitung "Gazeta Wyborcza", dass die Entlassungen rechtmäßig seien, weil die beiden Personen "gefälschte Unterschriften" eingereicht und "mehrere illegale Protestaktionen" organisiert hätten.

Es ist nicht das erste Mal in Polen, dass Gewerkschaften Unternehmen öffentlich kritisieren, um Druck auf die Chefetagen auszuüben. Anstatt Reifen zu verbrennen oder auf die Straße zu gehen, nutzen die Gewerkschafter immer öfter Boykottaufrufe, um möglichst schnell bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Erfolge bei anderen Diskontern

Die Diskont-Supermarktkette Biedronka etwa versucht mittlerweile nach einigen verlorenen Gerichtsprozessen wegen Ausbeutung ein Image als mitarbeiterfreundliche Firma aufzubauen. Das Unternehmen zahlt nun mindestens 2.000 Zloty (475 Euro) monatlich - 300 Zloty mehr als der gesetzliche Mindestlohn.

Auch bei Kaufland haben die Gewerkschaften nach einer Serie von Blockaden der Geschäfte unbefristete Arbeitsverträge für alle Beschäftigten in Polen erkämpft. Kaufland gehört wie Lidl zur deutschen Schwarz-Gruppe, die mit beiden Ketten auch in Österreich vertreten ist. (APA, 6.2.2014)

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