Irland rollt Megapleite der Anglo Irish auf

5. Februar 2014, 17:57
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Mammutverfahren in Dublin: Drei Spitzenmanager verantworten sich vor Gericht. Dem Trio werden betrügerische Finanztransaktionen sowie Dokumentenfälschung vorgeworfen

Dublin - Zum ersten Mal stellt ein Land der Eurozone die Spitzenmanager einer Pleitebank vor Gericht. Nach der Auswahl der fünfzehn Geschworenen begann am Mittwoch im Saal 19 des zentralen Kriminalgerichts Dublin der Prozess gegen drei ehemalige Hauptverantwortliche der Anglo Irish Bank.

Dem Trio werden betrügerische Finanztransaktionen sowie Dokumentenfälschung vorgeworfen; dadurch sei 2008 der Börsenkurs des Unternehmens manipuliert und der Ernst der Lage verschleiert werden. Die spätere Finanzspritze von 30 Milliarden Euro für die mittlerweile liquidierte Bank brachte den irischen Staat an den Rand des Bankrotts.

Sechs Monate Verhandlungsdauer, 24 Millionen Dokumente, 800 Zeugen - schon vorab stellt das Verfahren neue Rekorde auf. Auf der grünen Insel gab es seit dem Finanzcrash im Herbst 2008 immer wieder Unmut darüber, dass keiner der Beteiligten zur Rechenschaft gezogen wurde. Doch jetzt, da es endlich so weit ist, wirkten viele Iren ziemlich desinteressiert, wundert sich der Dubliner Ökonom Edgar Morgenroth: "Da redet bisher keiner darüber."

Kreditfinanzierte Aktienkäufe

Den Immobilienboom zwischen 2000 und 2007 hatte Anglo Irish in vorderster Front finanziert. Als das Geld auf den Finanzmärkten knapp wurde, griffen der nun angeklagte Chairman Seán FitzPatrick und seine Manager William McAteer und Pat Whelan laut Anklage im Sommer 2008 zu kriminellen Mitteln. Mit Millionenkrediten der Bank ermöglichten sie Freunden und Familienmitgliedern Aktienkäufe, um den wahren Zustand des Unternehmens zu verbergen. FitzPatrick hat inzwischen Privatkonkurs angemeldet.

Der frühere Chef der Anglo Irish, CEO David Drumm, lebt in Boston und verweigert die Rückkehr nach Irland, um einer möglichen Strafverfolgung zu entgehen. Telefonmitschnitte aus dem Herbst 2008 legen nahe, dass Drumm und andere Anglo-Manager den Aufsichtsbehörden wissentlich falsche Angaben machten, um Staatsgelder für ihr mit Immobilien-Giftmüll vollgestopftes Institut loszueisen.

Die Spuren der Krise

Auf den Bank-internen Mitschnitten, die dem "Independent" zugespielt wurden, macht sich der damalige Bank-CEO David Drumm über Bedenken der EU-Partner lustig. "Wir wollen nicht zu krass sein, aber Hauptsache, wir kriegen das verfluchte Geld" sagt Drumm und kichert, während sein Abteilungsleiter John Bowe die deutsche Hymne singt - eine Anspielung darauf, dass nach der Bankengarantie die Gelder deutscher Anleger nach Irland flossen.

Die irische Wirtschaft wächst inzwischen zwar wieder, ist als Folge der Krise um 15 Prozent geschrumpft, die Arbeitslosigkeit liegt bei 13 Prozent. Ein Viertel aller Iren unter 25 findet keinen Job, in Scharen verlassen Junge das Land. Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Rentner erhalten um bis zu 20 Prozent weniger als vor dem Crash, die Einkommen der Beamten fielen um 14 Prozent. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 6.2.2014)

  • Angeklagt: Ex-Aufsichtsratschef FitzPatrick.
    foto: epa/crawley

    Angeklagt: Ex-Aufsichtsratschef FitzPatrick.

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