Auf der Suche nach einer Plaudertasche

5. Februar 2014, 17:24
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Während US-Präsident Obama mit Sicherheitsexperten über Lage in Sotschi berät, sind Österreichs Innenministerium und das ÖOC auf Suche nach Informationsleck

Sotschi/Wien - Am Tag nach dem Bekanntwerden des Drohbriefes gegen zwei österreichische Olympiasportlerinnen hat es fast den Anschein, dass intensiver nach dem Informanten der Krone als nach dem Verfasser des Schreibens geforscht wird. Ein Grund dafür ist die deutliche Schuldzuweisung von Peter Mennel. Für den Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) stand fest, dass das diesbezügliche Leck im Innenministerium zu suchen sei. Im ÖOC seien nur vier Personen über den Brief informiert gewesen, für die legten Mennel und ÖOC-Präsident Karl Stoss natürlich nur sinnbildlich je eine Hand ins Feuer.

Die Verwechslung der Schild-Schwestern - auch vom ÖOC war zuerst Marlies statt Bernadette genannt worden - sei einem Missverständnis entsprungen, sagte Mennel. Der Vorarlberger hatte die Sportlerinnen erst lange nach dem Ministerium informiert. "Der erste Schritt war für das Innenministerium zu klären, was hinter dem Brief steckt. Wir können die Sportlerinnen nicht mit einem Jux-Brief narrisch machen."

Brief ging durch viele Hände

Für das Innenministerium wies Sprecher Karl-Heinz Grundböck Mennels Aussagen zurück. Man habe von Anfang an keine Details und keine Namen der betroffenen Personen weitergegeben. Der Frage, wie Informationen über den Brief an die Öffentlichkeit gelangt seien, werde nachgegangen. "Einseitige, unbegründete Schuldzuweisungen sind zu entbehren. Der Brief ging durch mehrere Hände und Institutionen, bevor er zu uns gelangte." Zu den Ermittlungen gegen den Verfasser werden aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details bekanntgegeben.

Dass US-Präsident Barack Obama am Dienstag mit seinem Nationalen Sicherheitsrat über die Bedrohungslage in Sotschi beraten hat, stand nicht mit der Drohung gegen die Österreicherinnen im Zusammenhang. Obama wurde versichert, dass alle angemessenen Schritte zum Schutz der Amerikaner getroffen worden sein, die die Winterspiele besuchen. Die USA hatten Russland Hilfe im Antiterrorkampf angeboten. Erst jüngst trafen zwei US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer ein. An Bord seien 600 Angehörige der Marineinfanterie. (APA, lü, DER STANDARD, 6.2.2014)

  • USS Mount Whitney, das Flaggschiff der 6. US-Flotte, kreuzt im Schwarzen Meer und erhöht so das Sicherheitsempfinden der US-Bürger in Sotschi.
    foto: apa

    USS Mount Whitney, das Flaggschiff der 6. US-Flotte, kreuzt im Schwarzen Meer und erhöht so das Sicherheitsempfinden der US-Bürger in Sotschi.

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