Beschäftigt, gebildet - und benachteiligt

5. Februar 2014, 17:41
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Gut ausgebildete Frauen haben öfter Jobs unter ihrem Qualifikationsniveau als Männer

Wien - Es klingt nach einer feministischen Erfolgsgeschichte: Frauen haben in den letzten 30 Jahren in Sachen Bildung mächtig aufgeholt. Der Anteil der Maturantinnen und Hochschulabsolventinnen ist mittlerweile sogar höher als jener bei den Männern.

Allerdings würden Zeit, Mühen und Mittel, die Frauen in Bildung investieren, im Berufsleben nicht gebührend honoriert, sagt Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske und stützt sich auf eine neue Langzeitstudie aus seinem Haus. Demnach haben Frauen mit Maturaniveau und darüber häufiger Jobs unter ihrem Qualifikationslevel als Männer - was sich auch in der Bezahlung niederschlägt.

Von etwa vier Millionen Erwerbspersonen sind in Österreich laut Studie 22 Prozent unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt, bei Migranten beträgt die Quote sogar 33 Prozent. Insgesamt ist dieses Phänomen bei beiden Geschlechtern gleich weit verbreitet, aufgedröselt nach Bildungsabschluss offenbaren sich aber große Unterschiede. So werden 58 Prozent der weiblichen, aber "nur" 48 Prozent der männlichen AHS-Maturanten unter Wert geschlagen, bei BHS-Absolventen steht es sogar 57 zu 30 Prozent.

Auch unter den Akademikern steigen Frauen mit 35 Prozent Überqualifizierten schlechter aus als die Männer (26 Prozent). In dieser Gruppe, sagt Studien-Mitautorin Petra Völkerer, sei die Einkommenskluft mit einem Viertel besonders groß.

Seltener als männlichen Kollegen müssen hingegen Absolventinnen einer berufsbildenden Mittelschule oder Lehre unter Niveau arbeiten, was aber nicht höheren Lohn bedeute. Schließlich seien die immer noch typischen Frauenjobs schlecht dotiert: Eine Einzelhandelskauffrau verdiene mit 9,50 Euro brutto pro Stunde weniger als ein un- oder angelernter Hilfsarbeiter mit 10,30 Euro.

Die stereotype Berufswahl hält Kaske für einen von vielen Gründen für die skizzierten Benachteiligungen. Dabei liegen fünf Millionen in einem Topf bereit, um das Gegenteil zu fördern, doch nur 113.000 Euro holten Firmen im Vorjahr ab. Kaske fordert leichteren Zugang zu den Mitteln - und mehr Einsatz der Wirtschaft. (jo, DER STANDARD, 6.2.2014)

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