Morgensterns Suche nach der Perfektion

Video5. Februar 2014, 15:25
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Der dreifache Olympiasieger Thomas Morgenstern, der im heurigen Winter schon schwer geprüft worden war, ist frohgemut nach Sotschi geflogen, um seine dritten Winterspiele zu genießen. Naturgemäß will der Kärntner auch etwas mit nach Hause nehmen

Wann, fragt man Thomas Morgenstern im Flieger nach Sotschi, ist es für ihn eigentlich Gewissheit geworden, dass er, Morgenstern, tatsächlich im Flieger nach Sotschi sitzen werde? "Der Wunsch war gleich da nach dem Sturz. Ich habe ja ein Ziel gebraucht, um wieder positive Energie zu kriegen. Dazu hab ich die Sicherheit vom Trainerteam bekommen, dass mein Platz frei ist, wenn ich fit werde. Das war schön. Doch verhundertprozentigt hat sich das Ziel erst zum Nennschluss am 27. Jänner."

Der Sturz passierte am 10. Jänner im Training beim Skifliegen am Kulm, Morgenstern erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Lungenquetschung, lag drei Tage auf der Intensivstation und insgesamt zwei Wochen im Krankenhaus. Vor knapp einer Woche frönte er in Oberstdorf wieder dem Skispringen.

Happy

"Die Vorbereitung", sagt der Kärntner, "ist den Umständen entsprechend sehr gut verlaufen. Lieber wäre ich natürlich mit einem Selbstvertrauen von vielen Wettkämpfen am Buckel nach Sotschi geflogen. Ich würde mich auch körperlich gern auf einem anderen Level sehen. Klar ist Kraftpotenzial verlorengegangen. Aber ich bin happy."

Die Sprünge in Oberstdorf seien nach Plan verlaufen. "So wie ich mir das erträumt habe. Beim ersten Sprung war Unsicherheit da, aber keine Angst. Das hat mir getaugt, da ist mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen."

Vor dem Unfall beendete Morgenstern die Vierschanzentournee, die er 2011 gewonnen hatte, als Zweiter hinter dem Newcomer Thomas Diethart. Und zuvor, im Dezember 2013, war Morgenstern in Titisee-Neustadt schwer gestürzt, zog sich Prellungen und Blutergüsse zu und brach sich den kleinen Finger.

Ein kurzer Gedanke

Ob er nach dem zweiten Sturz nicht daran gedacht habe, das Skispringen bleiben zu lassen? "Die Gedanken waren schon da, das will ich auch nicht abstreiten. Ich bin jetzt 27, bin die elfte Saison dabei, habe im Prinzip alles erreicht. Ich brauche ja nicht irgendetwas nachlaufen, niemandem etwas beweisen. Aber mir geht es einfach um die Passion, um die Leidenschaft, um die Freude, Ski springen zu können und es in Perfektion zu beherrschen."

Die Spiele trugen naturgemäß erheblich zur Motivation bei. "Olympische Spiele sind immer etwas Großes. Ich darf das zum dritten Mal erleben und weiß, wie toll es ist. Deshalb war auch der Wille so stark, wieder zurückzukommen. Darauf bin ich stolz", sagt Morgenstern. Und ihm gehe es nun nicht allein ums Dabeisein. Schließlich weiß er, wie man gewinnt. Zweimal holte er den Gesamtweltcup, 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin gewann er Gold auf der Großschanze und mit der Mannschaft, 2010 in Vancouver trug er ebenfalls zu Teamgold bei.

Außer Konkurrenz zur Zuversicht

Das Einspringen für Sotschi fand auf einer 90-Meter-Schanze in Oberstdorf statt, über die Morgenstern zuvor noch nie gesprungen war. Konkurrenten waren nicht zugegen, doch das Wissen, wie weit andere aus dieser oder jener Luke bei diversen Bedingungen gekommen sind, verschaffte ihm Zuversicht.

Zudem weist die Normalschanze in Sotschi, auf der es am Sonntag um Medaillen geht, Ähnlichkeiten zu jener in Oberstdorf auf. "Das Profil der Anfahrt ist genau dasselbe, die Eisplastikspur auch. Die Flugkurve ist ein bisserl höher, der Aufsprunghang ein bisserl flacher. Es wird um Noten gehen, viel auf den Telemark ankommen. Viele können gewinnen. Das wird eine spannende Angelegenheit."

Das Weltcupspringen Anfang 2012 auf der kleinen Schanze in Sotschi hatte Kollege Gregor Schlierenzauer gewonnen. Der ist medaillenmäßig auch nicht gerade ein geheimer Tipp. (Benno Zelsacher aus Sotschi, DER STANDARD, 6.2.2014)

  • Thomas Morgenstern ist gut gelaunt in Sotschi eingetroffen. "Mir geht es einfach um die Passion, um die Leidenschaft."
    foto: apa/ hochmuth

    Thomas Morgenstern ist gut gelaunt in Sotschi eingetroffen. "Mir geht es einfach um die Passion, um die Leidenschaft."

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