Rüstungsbericht: Westen dominant, aber bedrängt

5. Februar 2014, 15:35
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China und Russland rüsten auf, der "Rest der Welt" erhält zunehmend Zugang zu innovativen Waffen. Ein neuer Bericht des Londoner Forschungsinstituts IISS sieht die USA und Europa angesichts sinkender Wehrbudgets vor großen Herausforderungen

London/Wien - Während in Europa und den USA die Wehrbudgets sinken, rüsten China und Russland weiter auf. Wie aus einem am Mittwoch präsentierten Bericht des Londoner Instituts für Strategische Studien (IISS) zum "Internationalen militärischen Gleichgewicht" hervorgeht, liegen die USA dennoch bei Militärausgaben unangefochten an der Spitze.

Mit rund 600 Milliarden Dollar (etwa 444 Milliarden Euro) lassen sich die USA ihre Landesverteidigung immer noch mehr kosten als die in der Top-Ten-Liste des IISS folgenden neun Staaten zusammengenommen (515 Milliarden Dollar). Auf Platz zwei liegt - wie schon seit Jahren - China mit Aufwendungen in Höhe von 112,2 Milliarden Dollar; dahinter folgen Russland, Saudi-Arabien und - an erster Stelle der europäischen Staaten - Großbritannien (57 Milliarden US-Dollar).

Der Bericht hebt vor allem Chinas Investitionen in seine Marine hervor. Auch Indien und Chinas Rivale Japan hätten in diesem Sektor in neue Ausrüstung investiert.

Zwar seien die steigenden Militärausgaben in Asien nicht nur durch die Spannungen im Südchinesischen Meer zu erklären, sondern auch durch die gestiegene politische und wirtschaftliche Wichtigkeit der Region. Die Konfrontation im Meer habe allerdings das wohl größte Potenzial dafür, unbeabsichtigt aus dem Ruder zu laufen - das IISS regt daher die Aufnahme von Konsultationen zwischen den chinesischen und japanischen Streitkräften an.

Auch bei den Luftstreitkräften gebe es viele Neuanschaffungen: Japan, Singapur und Südkorea seien im Begriff, F-35 Joint Strike Fighter von den USA zu erwerben, und Russland kollaboriere bei seinem Sukhoi-T-50-Jets mit Indien.

NSA-Enthüllung als Antrieb

Auffällig sei vor allem, dass in Asien an Technologien gearbeitet werde, die bisher nur die traditionellen Großmächte beherrscht hatten - die Wahrscheinlichkeit, dass Chinas Rüstungsschmieden bald auch wirklich innovatives Kriegsgerät entwickeln könnten, steige. Im Bereich der Cyber-Kriegsführung hätten die Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden die Anreize zu größeren Investitionen verstärkt.

Auch der Rest der Welt sei zunehmend gut mit ausgeklügelter Wehrtechnik versorgt - Grund sei neben höheren Budgets und gesunkenen technischen Hürden auch ein größerer Wille westlicher Staaten, ihre Technologie etwa nach Lateinamerika oder Afrika zu verkaufen. Mit der Verbreitung von Drohnen - auch an finanzschwache Länder, Unternehmen und Private - sollten aber auch rechtliche und ethische Fragen ihres Einsatzes stärker beleuchtet werden, mahnt der Bericht.

Große Herausforderungen sehen die Forscher für Europa: Angesichts sinkender Budgets und des graduellen Rückzugs der USA müsse man sich auf gestiegene Anforderungen gefasst machen. Diese Aufgabe werde durch fehlende Weiterentwicklungen aber erschwert. Vor dem Hintergrund des Afghanistan-Abzuges Ende 2014 müsse ein anderer Weg gefunden werden, die europäische Zusammenarbeit beizubehalten. Dass eine Bündelung der Kräfte möglich sei, habe der Einsatz in Mali gezeigt. (Manuel Escher, DER STANDARD, 6.2.2014)

  • Das Modell einer indischen Drohne wird beim 101. indischen Wissenschaftskongress begutachtet.
    foto: ap/channi anand

    Das Modell einer indischen Drohne wird beim 101. indischen Wissenschaftskongress begutachtet.

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    grafik: apa
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