Skisport: Unterschätzte Risiken und Gefahren

5. Februar 2014, 14:38
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Sportmediziner der MedUni Wien nennt Selbstüberschätzung, schlechte Vorbereitung und Freizeitstress als primäre Gefahrenquellen beim Skiurlaub

Wien - Am kommenden Freitag werden in Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet. Nur zwei Tage später geht es im Olympia-Ressort in der Herren-Abfahrt um erste alpine Medaillen. "Motiviert von den Top-Athleten wird es viele Hobby-Skiläufer in der zweiten Semesterferienwoche in die Berge ziehen - und viele werden glauben, sie sind selbst Rennfahrer und gefährden sich und andere", warnt der Sportmediziner Piero Lercher von der MedUni Wien.

Ein Faktor, der die Selbstüberschätzung heutzutage fördert, ist laut Lercher einerseits die "Over-Protection" durch Helm oder Rückenschutz und andererseits das perfekte Material: "Das Material, insbesondere die Skier, sind so gut, dass sie Geschwindigkeiten ermöglichen, die nicht nur Hobbyskiläufer an ihre körperlichen Grenzen bringen", sagt Lercher. So sei laut dem Experten durch die Carving-Ski-Technik in den vergangenen Jahren etwa die Anzahl der schweren Knieverletzungen bei Frauen stark gestiegen.

Das optimale Material verleite auch dazu, so Lercher, sich unvorbereitet auf Skier zu stellen. "Früher sind Ungeübte mangels Gleichgewichtsgefühl gleich im Schnee gelegen, das Top-Material der Neuzeit und die komfortablen Liftanlagen treiben auch Anfänger und Untrainierte immer weiter rauf auf den Berg - aber runter müssen sie ja dann auch noch." Ganz klassisch rät der Kärntner etwa zur vorbereitenden Skigymnastik über mehrere Wochen.

Faktor Freizeitstress

Der Mediziner warnt auch vor Freizeitstress am Skitag: "Skifahren ist ein kostspieliger Sport, aber es bringt nichts, deshalb die Liftkarte voll ausnützen zu wollen und von in der Früh bis am Abend durchzufahren. Man sollte nicht erst pausieren, wenn’s weh tut", sagt Lercher. Skifahren, so der Experte, ist ein prädestinierter Familiensport, der ein "gemeinsamer Genuss" von Bewegung und Natur sein sollte. "Es bringt nichts, die Kinder mit Drill durch einen Skitag zu peitschen, dann verlieren sie die Freude. Ruhig öfter mal auf einer Hütte Station machen und die Bergluft genießen. Aber natürlich Vorsicht vor Alkoholkonsum - der hat auf der Piste nichts zu suchen!", so Lercher.

Apropos Kinder: Seit 1979 hat sich die Zahl der Schulskikurse in Österreich halbiert. "Ein aus vielerlei Hinsicht gefährlicher Trend", meint Lercher. "Die Kinder lernen nicht mehr frühzeitig und spielerisch Skifahren, es gehen Talente für den Spitzensport verloren und besonders den Stadtkindern fehlt jeglicher Bezug zu den Bergen und der tollen Atmosphäre."

Die Kenntnis der Pistenregeln sei dem Sportmediziner zufolge ein weiterer Faktor, der helfe Risiken und Gefahren zu reduzieren: "Viele haben davon überhaupt keine Ahnung, damit gefährden sie sich und andere leichtfertig." (red, derStandard.at, 5.2.2014)

Die wichtigsten Pistenregeln (laut internationalem Skiverband FIS): 

  • Generelle Rücksichtnahme auf andere Skifahrer und Snowboarder.
  • Beherrschung der Geschwindigkeit und der jeweiligen Fahrweise.
  • Wahl der Fahrspur: Spur so wählen, dass der vor ihm fahrende Sportler nicht gefährdet wird.
  • Beim Überholen auf den nötigen Abstand zum Überholten achten.
  • Beim Einfahren, Anfahren und hangaufwärts Fahren, sich nach oben und unten vergewissern. dass man dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
  • Anhalten: Nie ohne Not an unübersichtlichen Stellen stehen bleiben.
  • Bei einem Auf- oder Abstieg zu Fuß immer den Rand der Piste verwenden.
  • Beachten der Markierungen und Signale auf der Piste.
  • Bei Unfällen ist jede/r SkifahrerIn/SnowboarderIn zur Hilfeleistung verpflichtet.
  • Bei Unfällen herrscht generelle Ausweispflicht für Beteiligte, aber auch ZeugInnen.
  • "Früher sind Ungeübte mangels Gleichgewichtsgefühl gleich im Schnee gelegen, das Top-Material der Neuzeit und die komfortablen Liftanlagen treiben auch Anfänger und Untrainierte immer weiter rauf auf den Berg - aber runter müssen sie ja dann auch noch", gibt Sportmediziner Piero Lercher von der MedUni Wien zu bedenken.
    foto: apa/georg hochmuth

    "Früher sind Ungeübte mangels Gleichgewichtsgefühl gleich im Schnee gelegen, das Top-Material der Neuzeit und die komfortablen Liftanlagen treiben auch Anfänger und Untrainierte immer weiter rauf auf den Berg - aber runter müssen sie ja dann auch noch", gibt Sportmediziner Piero Lercher von der MedUni Wien zu bedenken.

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