Ein ökonomisches Muss

Kommentar5. Februar 2014, 13:45
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Qualifikation von Zuwanderern: Minister Kurz muss den Worten Taten folgen lassen

In Kanada kursiert seit Jahren ein sehr böser Witz: "Wenn du schon einen Herzinfarkt bekommen musst, bekomme ihn im Taxi. Nirgendwo kannst du dir sicherer sein, dass dir sofort geholfen wird. Der Taxifahrer kann vielleicht nicht gut Englisch, aber er ist bestimmt Arzt."

Der Scherz spielt darauf an, dass selbst das sonst so hoch gelobte Integrationsvorbild Kanada mit der Tatsache kämpft, dass Einwanderer weit unter ihrer Qualifikation ihr Dasein fristen. In Österreich kennt man das Problem ebenfalls schon lange, und es wird auch in schöner Regelmäßigkeit kritisiert. Integrationsminister Sebastian Kurz ist grundsätzlich dafür zu loben, dass er die Sache nun offenbar ernsthaft angehen will: Er kündigte an, ein Gesetz für die schnellere Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen zu schaffen. Es ist auch höchste Zeit.

Seit Jahren monieren Experten, dass Migranten in Österreich weit unter ihrem Wert geschlagen werden. Die Arbeiterkammer stellte 2012 in einer großangelegten Studie ein starkes Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt fest. Migranten sind auf diesem stark benachteiligt, sie verdienen weniger als ihre österreichischen Kollegen und sind exponentiell stärker von Kündigung bedroht.

Einer der Hauptgründe: Ein Drittel der in Österreich lebenden und arbeitenden Migranten sind unter ihrem Ausbildungsniveau beschäftigt. Es ist ökonomisch höchst unvernünftig, ausgebildete Ärzte als Taxifahrer oder Ingenieurinnen als Reinigungskräfte arbeiten zu lassen. Doch weniger als ein Fünftel der Zuwanderer mit Bildungsabschluss im Ausland beantragen die Nostrifikation ihrer Ausbildung in Österreich – weil das kompliziert und teuer ist und zudem völlig unübersichtlich geregelt.

Bleibt zu hoffen, dass Kurz nun endlich Ernst macht. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass er ankündigt, die Nostrifikationen erleichtern zu wollen. Das war schon sein Credo bei seinem Amtsantritt als Integrationsstaatssekretär in der vorigen Regierung, er ließ kaum eine Interview-Möglichkeit aus, um das zu fordern – passiert ist bisher freilich nichts. Wenn Kurz das Thema nun von sich aus erneut aufgreift, sollte er bald Taten folgen lassen. Wie gesagt, es ist höchst an der Zeit – nicht nur aus humanistischen Erwägungen, sondern aus handfesten volkswirtschaftlichen Gründen. (Petra Stuiber, derStandard.at, 5.2.2014)

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