Fahrplan gegen Homophobie: 40.000 Protest-Mails an Lunacek

5. Februar 2014, 13:05
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Bericht der Europaabgeordneten war am Dienstag vom EU-Parlament angenommen worden

Das EU-Parlament hat am Dienstag mit deutlicher Mehrheit einen Bericht der grünen Europaabgeordneten Ulrike Lunacek angenommen, in dem die EU-Kommission aufgefordert wird, einen Fahrplan gegen Homophobie vorzulegen. Im Vorfeld war Lunacek dafür heftig kritisiert worden. Innerhalb einer Woche habe sie 40.000 E-Mails zu diesem Thema erhalten, auch ihre Website sei gehackt worden, sagte die Politikerin.

Gegen Diskriminierung im Alltag

In dem Bericht wird eine umfassende Politik zum Schutz der Grundrechte von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Personen (LGBTI) gefordert. Trotz Gesetzen seien diese Menschen nach wie vor massiver Benachteiligung, Mobbing und Gewalt in Schulen, am Arbeitsplatz und in ihrem alltäglichen Lebensumfeld ausgesetzt, beanstandete Lunacek.

Falschinformationen

Dabei würden keine besonderen Privilegien gefordert, der Bericht sei "kein Neuland, keine Revolution". Laut Lunacek würden massive Falschinformationen kursieren, dass der Bericht die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe verlange. Die meisten Protest-E-Mails seien aus Spanien und Frankreich gekommen, aber auch aus der Slowakei, Tschechien und Rumänien. 

"Nicht damit gerechnet"

Auch auf Twitter wird die Europaabgeordneten mit teils heftigen Anfeindungen konfrontiert. "Solch einen Widerstand gegen einen Bericht, der von dem Recht der Menschen handelt, ohne Angst so zu leben und zu lieben wie sie wollen, ist etwas, das ich nicht erwartet hatte", sagte Lunacek gegenüber der "Huffington Post". Ihre Website war auch am Mittwoch noch nicht erreichbar.

Gewalt gegen Homosexuelle in Russland

Die Annahme des Berichts kommt nur wenige Tage vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi. Die Anfeindungen und Gewalt, die Homosexuellen in Russland entgegenschlägt, war in den vergangenen Wochen immer wieder Thema. So wurde auch eine russische Dating-App für Homosexuelle gehackt. Über 72.000 Konten, alle nahe Olympia-Austragungsort Sotschi registriert, wurden deaktiviert. Human Rights Watch hat ein Video veröffentlicht, das Übergriffe auf LGBT-Personen zeigt. (br/APA, derStandard.at, 5.2.2014)

  • Ulrike Lunacek hat ihren Fahrplan gegen Homophobie im EU-Parlament durchgebracht.
    foto: apa

    Ulrike Lunacek hat ihren Fahrplan gegen Homophobie im EU-Parlament durchgebracht.

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