Nachweis gelungen: Auch Chlamydien besitzen eine Peptid-Zellwandschicht

5. Februar 2014, 13:28
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Medizinisch relevante Entdeckung: Forscher identifizierten Peptidoglykane in der Zellwandschicht der Bakterien

Wien - Lange war strittig, ob Chlamydien - pathogene Bakterienarten aus der Familie der Chlamydiaceae - von einer Schicht aus Peptidoglykanen geschützt werden oder nicht. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wiener Wissenschaftern konnte nun zeigen, dass sie eine solche Schutzwand besitzen. Diese aus Zuckern und Aminosäuren zusammengesetzten Makromoleküle kommen auch in den Zellwänden anderer Bakterien vor. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlicht.

Chlamydien können eine Vielzahl von Lebewesen infizieren, auch den Menschen. Die verursachten Erkrankungen betreffen vor allem die Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich. "Chlamydien sind der häufigste Grund für Erblindung in Entwicklungsländern und die am häufigsten sexuell übertragenen Krankheitserreger", sagt Karin Aistleitner vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien. Außerdem könnten sie Lungenentzündungen verursachen.

D-Alanin nachgewiesen

Dennoch sind die Bakterien noch nicht vollständig erforscht. Vieles deutete in der Vergangenheit bereits darauf hin, dass auch Chlamydien Peptidoglykane beinhalten. So werden sie etwa von bakteriziden Antibiotika angegriffen, die die Zellwand-Synthese hemmen. Dennoch war bisher kein Nachweis gelungen.

Als die Forscher nun in Stickstoff schockgefrorene Chlamydien mit einem Elektronenmikroskop untersuchten und ihre dreidimensionale Form rekonstruierten, konnten sie nun erstmals eine Zellwandschicht zwischen den beiden Membranen identifizieren, die die Bakterien vor der Außenwelt abschirmen. Es gelang ihnen, diese Schicht zu isolieren und darin Peptidoglykane nachzuweisen.

Außerdem konnten die Forscher zeigen, dass die Chlamydien einen Eiweißstoff einbauen, der nur in Peptidoglykan-Schichten vorkommt (D-Alanin), berichtet Aistleitner. Beinahe zeitgleich gelang auch einem amerikanischen Forscherteam der Nachweis von Peptidoglykanen bei einer weiteren Chlamydien-Art. "Die beiden Arbeiten lassen bisherige Beobachtungen in einem völlig neuen Licht erscheinen", so der Mikrobiologe Matthias Horn, der die Studie an der Uni Wien leitete. So könne man nun unter anderem erklären, warum bestimmte Antibiotika bei Chlamydien wirken. (APA/red, 5.2.2014)

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