EU für "Nulltoleranz"

5. Februar 2014, 10:40
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Opferzahl wird in EU auf 500.000 geschätzt - Verstümmelung in Afrika, Asien, Nahost und Europa praktiziert

Wien/Brüssel - Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ist laut einer Mitteilung der EU-Kommission vom November 2013 mit rund 500.000 bereits Opfern auch ein Problem in Europa. Die EU will sich für eine weltweite "Nulltoleranz" einsetzen. Die Kommission forderte die EU-Staaten auf, gegen die Praxis vorzugehen, jungen Mädchen die Klitoris zu beschneiden. Am Donnerstag ist der Internationale Tag gegen FGM.

Erhebungen zufolge lebten im Jahr 2007 rund 65.790 beschnittene Frauen in Großbritannien, rund 61.000 in Frankreich und rund 19.000 in Deutschland. Die Zahl der von FGM Bedrohten zu schätzen, sei schwierig. Aus einigen europäischen Ländern fehlten jegliche Daten. Genitalverstümmelung wird in Afrika, Asien, Nahost und Europa praktiziert.

Maßnahmen zur Strafverfolgung

Die Kommission unterstütze mit der Mitteilung zum Thema "Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung" weitreichende Maßnahmen zur Aufklärungsarbeit in den betroffenen Gemeinschaften, sowie umfassende Fortbildungen zur Prävention und Sensibilisierung für Angehörige von Gesundheitsberufen. Fälle von FGM (Female Genital Mutilation) müssten gemeldet werden, forderte die Kommission.

Zudem will sich die EU-Kommission für Maßnahmen zur wirksameren Strafverfolgung einsetzen. Bisher seien Strafverfahren bei FGM-Fällen europaweit noch sehr selten: In Großbritannien und Deutschland habe es bis zum Jahr 2007 kein einziges gegeben, in Frankreich lediglich 29. Zur Bekämpfung von FGM förderte die Kommission Projekte im vergangenen Jahr mit insgesamt 2,3 Millionen Euro.

Dass die Verstümmelung der Genitalien junger Mädchen nicht nur in Drittländern, sondern auch in EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt werde, sei bekannt. Detaillierte Informationen zur Praxis innerhalb der EU fehlten jedoch ebenso. Zunehmend besorgniserregend sei die "von Angehörigen der Gesundheitsberufe praktizierte FGM" weltweit.

Sozialer Druck

Bei der Beschneidung werden die äußeren weiblichen Genitalien abgeschnitten. Dies werde vor allem aufgrund sozialen Drucks durchgeführt. Kontrolle der weiblichen Sexualität, Ängste und Überzeugungen seien mit FGM verbunden. Dazu zähle auch die Ansicht, dass FGM "von Vorteil" für die Frauen und Mädchen sei.

Betroffen sind laut EU-Kommission vor allem Migrantinnen, die während eines Besuchs in ihren Heimatländern beschnitten würden. Die Opfer sind der Weltgesundheitsorganisation zufolge hauptsächlich Mädchen und junge Frauen im Alter bis zu 15 Jahren. Die große Mehrheit lebe in afrikanischen Ländern. FGM sei aber auch in Asien, im Nahen Osten und in Europa verbreitet. Laut Unicef sind weltweit mehr als 125 Millionen Frauen betroffen. (APA, 5.2.2014)

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