Der Bürger an der Waffe: Mexikos Volkswehren bestehen im Kartellkrieg

Ansichtssache5. Februar 2014, 14:00
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Im Bundesstaat Michoacan gehen private Selbstverteidigungstrupps gegen die kriminelle Vereinigung der "Tempelritter" vor

Das offizielle Mexiko pflegt ein ambivalentes Verhältnis zu den Bürgerwehren, die sich im Bundesstaat Michoacan nicht länger vom Drogenkartell "Los Caballeros Templarios" (Die Tempelritter) drangsalieren lassen wollen: Einerseits ist der Staat bisher vergeblich gegen das mächtige Syndikat angetreten und kann die Unterstützung aus dem Volk nur schwerlich ablehnen; andererseits erwächst den Sicherheitsbehörden neben dem Kartell ein zusätzlicher bewaffneter Konkurrent, wenn sie Teile des staatlichen Gewaltmonopols aus den Händen geben. Dass viele lokale Polizisten im Sold der Tempelritter stehen, macht die Sache nicht weniger vertrackt.

Dementsprechend zwiespältig war auch die Strategie der mexikanischen Verwaltung in den vergangenen Tagen. Nachdem die selbsternannte Exekutive Mitte Jänner Nueva Italia und Apatzingan, bisher Hochburgen der Templer, in ihre Gewalt gebracht hatten, ließ der Staat die Bürgerwehren kurzerhand entwaffnen - nur um sie Anfang Februar nach einem Legalisierungsabkommen unter staatlicher Obhut erneut in den Kampf zu schicken.

Enrique Plancarte Solís ist weiter nicht gefasst

Nach rasch einberufenen Musterungsterminen wurden die Selbstverteidigungskräfte mit nun registrierten Waffen, Fahrzeugen und Telekommunikationsgeräten ausgestattet. Die Männer patrouillierten mit Sturmgewehren und kugelsicheren Westen auf Pick-ups und drangen immer weiter in das von den Tempelrittern beherrschte Gebiet im Westen Mexikos vor. Augenzeugen berichteten örtlich von bürgerkriegsähnlichen Zuständen, mehrere Tote und hunderte Festnahmen wurden vermeldet. Auch Dionisio Loya Plancarte alias "El Tío", der Onkel des Kartellchefs Enrique Plancarte Solís, wurde gefasst.

Solís, auf dessen Kopf eine Prämie von 30 Millionen Pesos (etwa 1,7 Millionen Euro) ausgesetzt ist, befindet sich freilich noch immer im Untergrund. Dennoch gab Innenminister Miguel Angel Osorio Chongam Dienstagabend einen erfolgreichen Abschluss der Zusammenarbeit mit den Bürgerwehren bekannt: "Es ist uns gelungen, das Gebiet zurückzuerobern." 

"Die Macht des organisierten Verbrechens ist ein für alle Mal gebrochen", sagte auch der Sonderbeauftragte für die Sicherheit in Michoacan, Alfredo Castillo Cervantes. Die Mitglieder der Privatmilizen können nun unter gewissen Voraussetzungen in das reguläre Polizeikorps übertreten. Und Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto kündigte an, in der befriedeten Region soziale Projekte anschieben zu wollen. Ob die Auseinandersetzungen nachhaltig beendet sind, steht freilich auf einem anderen Blatt. Der Kampf gegen die Kartelle kostete seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts jährlich mehr als 10.000 Menschen das Leben. (mcmt, derStandard.at, 5.2.2014)

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