Verner Panton: Im Bauch des Froschs

5. Februar 2014, 14:19
11 Postings

Das Vitra-Design-Museum zeigt die abgefahrenen Wohnwelten des Verner Panton

Es ist jammerschade. Da kam einer vor langer Zeit daher, entwarf Wohnlandschaften, so ausgeflippt und lebendig, dass einem schwindlig werden konnte, und was passierte? Nicht viel. Hand aufs Herz: Wer war schon einmal bei jemandem zu Besuch, bei dem es aussah wie bei den Barbapapas oder den Teletubbies, in Räumen, die das Reziproke zur Altdeutschen Stube darstellen? Doch wäre es ein Unrecht, den Designer Verner Panton (1926-1998) auf infantile, abgespacte Interieurs festzuzurren, die auf den Einfluss von bewusstseinserweiternden Substanzen bei der Entwurfsarbeit schließen lassen könnten.

Der Däne Verner Panton war ein Visionär, vielleicht sogar der Visionär, auch wenn es seine Ideen in erster Linie in Form seines Panton Chairs in die realen Wohnwelten schafften. Wer den bärtigen Utopisten besser verstehen lernen will, sollte sich eine Reise nach Weil am Rhein überlegen. Dort zeigt das Museum des Hauses Vitra, mit welchem der Name Panton bis heute eng verbandelt ist, unter anderem sein höhlenartiges Wohnkonzept Visiona 2, eine begehbare Rekonstruktion von Pantons Phantasy Landscape, die dieser im Jahr 1970 im Auftrag der Bayer AG entwarf.

Was Panton mit seinen mitunter psychedelischen Entwürfen erreichen wollte, erklärte dieser so: "Der Hauptzweck meiner Arbeit ist es, die Leute anzutreiben, ihre eigene Vorstellungskraft zu nutzen." Und das ganz abseits vom Modell: Tisch, Stuhl und Bett. (Michael Hausenblas, Rondo, DER STANDARD, 7.2.2014)

Die Ausstellung "Visiona 1970 - Revisiting the Future"
ist von 7. 2. bis 1. 6. in der Vitra Design Museum Gallery
in Weil am Rhein zu sehen.
www.design-museum.de

  • Wandelelemente aus dem Jahr 1969.
    foto: panton design, basel

    Wandelelemente aus dem Jahr 1969.

Share if you care.