Die ambitionierte Mrs. Jones

4. Februar 2014, 18:16
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Sie zählt zu den besten Hürdensprinterinnen der Welt, in Sotschi versucht sich Lolo Jones als Bob-Anschieberin

Sotschi - Lolo Jones versteht es, sich in Szene zu setzen. Regelmäßig postet sie für 278.000 Facebook-Freunde und 378.000 Twitter-Follower Fotos und Videos. Jones ist jetzt Bob-Anschieberin. Das klingt nicht so sexy. Jones macht es sexy. Die US-Amerikanerin ist eigentlich Hürdensprinterin - eine ziemlich gute sogar. Zweimal wurde sie Hallenweltmeisterin, bei den Olympischen Spielen in London 2012 wurde sie Vierte, vier Jahre davor strauchelte sie als Favoritin in Führung liegend in Peking an der letzten Hürde.

In Sotschi 2014 ist die 31-Jährige jedenfalls Medaillenkandidatin. Im Jänner in Winterberg verpasste sie als Bremserin der erfahrenen Elana Meyers nur um eine Hundertstelsekunde ihren ersten Weltcupsieg. Hinter ihrer Olympia-Nominierung vermuteten manche eher marketingrelevante als sportliche Gründe. "Ich hätte härter daran arbeiten sollen, mehr Twitter-Follower zu bekommen als Muskeln", hatte Emily Azevedo der Zeitung USA Today gesagt. Und Katie Eberling hatte "das Gefühl, dass dahinter eine ganz bestimmte Absicht steckte". Beide hatten bei der Olympia-Nominierung gegenüber Jones den Kürzeren gezogen.

Nachsicht

Auch dem TV-Sender NBC, der die US-Übertragungsrechte für Sotschi hat, wurde unterstellt, Einfluss genommen zu haben. Schließlich war ihm in der verletzten Skifahrerin Lindsey Vonn das Gesicht der Spiele abhandengekommen. "Absolut lächerlich", schmetterte NBC-Produktionsleiter Jim Bell ab. Und Darrin Steele, Generaldirektor des US-Bobverbandes, sagte, Jones sei schlichtweg "die bessere Anschieberin für Olympia". Da ist man schon einmal nachsichtig, etwa nachdem Jones im Sommer angeblich in eine Barschlägerei verwickelt war. Oder als sie im Vorjahr ein Video postete, indem sie einen Scheck über 741,84 Dollar zeigt - eine Art Entschädigung für ihre erste Saison als Bremserin. Jones monierte: "Das für eine Saison im Bob? Für eine gesamte Saison? Das ist alles?"

Ansonsten gibt sich Jones gerne weniger kritisch. Einmal postete sie ein Video, indem sie den Reißverschluss ihres Anzuges keck rauf- und runterzieht. Ein anderes Mal hält sie ihr Hinterteil nicht weniger keck in die Kamera. Und noch ein anderes Mal verlautbart sie, dass sie noch Jungfrau sei. Lolo Jones versteht sich in Szene zu setzen. (rie, sid, DER STANDARD, 5.2.2014)

  • Lolo Jones versteht sich zu vermarkten. Die US-Amerikanerin gibt in Sotschi ihr Debüt bei Olympischen Winterspielen. 
 
    foto: reuters/jackson

    Lolo Jones versteht sich zu vermarkten. Die US-Amerikanerin gibt in Sotschi ihr Debüt bei Olympischen Winterspielen.

     

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