Der verschenkte Quotenplatz

4. Februar 2014, 18:59
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Auch Sportgericht CAS verweigert qualifizierter Freestylerin Daniela Bauer Olympia

Sotschi - Die österreichische Ski-Freestylerin Daniela Bauer wird die Spiele in Sotschi definitiv nicht schmücken. Die für den Salzburger Landesverband startende Niederösterreicherin hatte nach ihrer Nichtnominierung durch den Österreichischen Skiverband (ÖSV) und in weiterer Folge durch das Österreichische Olympische Comité vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) um ihren Startplatz gekämpft. Ein aus drei Personen bestehendes Tribunal des CAS lehnte Bauers Einspruch am Dienstagvormittag in Sotschi ab.

Bauer war schwer enttäuscht. "Ich habe fünf Jahre lang hart gearbeitet, um mir diesen Lebenstraum zu erfüllen", sagte die 27-Jährige, die ihrer Meinung nach sämtliche vom ÖSV geforderte Limits erbracht hat. "Leider hat der ÖSV, der mich nur zweimal in vier Jahren Ski fahren gesehen hat, meinen hart erarbeiteten Quotenplatz einer anderen Nation geschenkt." Bauer vermutet persönliche Gründe hinter dieser Entscheidung.

Trotz erreichtem Limit verwehrt

Tatsächlich war für die Teilnahme an der Olympia-Premiere des Halfpipe-Bewerbs für Ski-Freestyler ein Top-17-Platz im Weltcup gefordert gewesen. Bauer war bereits im August 2012 in Cardrona, Neuseeland, einmal Weltcup-17. gewesen - unter 27 Starterinnen. Vor einem Monat und in Calgary belegte sie unter 22 Starterinnen den 16. Rang. Die Sportlerin behauptet, dass ihr ÖSV-Chefcoach Christian Rijavec den Olympia-Start schriftlich zugesagt habe.

Der dreimalige Olympia-Starter und zehnfache Weltcupsieger im Aerials hat sich aber nach einer "sportlichen Einschätzung" gegen Bauer entschieden. Unterstützung fand er bei ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ("Wir wollen keine Touristen") und ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel.

Spitzenplatz außer Reichweite

Bauer ist ebenso chancenlos, einen Spitzenplatz zu erreichen, wie etliche andere Athleten des 130-köpfigen Aufgebots. Mennel hatte vor den Sommerspielen 2012 versichert, dass alle Sportler, die einen internationalen Quotenplatz erreicht haben, auch entsandt werden. Möglicherweise hat der großartige Erfolg in London - genau keine Medaille - hier zu einem Umdenken geführt.

Der CAS riet dem ÖOC am Dienstag jedenfalls, in Zukunft nicht falsche Athleten-Hoffnungen zu wecken. Die Qualifikationskriterien sollten transparenter und vor allem schriftlich festgehalten werden. (APA; lü, DER STANDARD, 5.2.2014)

WISSEN: Internationales Sportgericht

Ausgerechnet Juan Antonio Samaranch, der siebente Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Vorreiter jener Entwicklung, die in Auswüchsen wie den Spielen von Sotschi gipfelt, rief 1984 den Court of Arbitration for Sport (CAS) ins Leben. Der Katalane reagierte damit vor allem auf lästige Forderungen, im Sinne der Transparenz den Sport einer ordentlichen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen.

Ganz in Samaranchs Sinn richtete da der Sport zunächst weiter über sich selbst, der in Lausanne ansässige Gerichtshof setzte sich aus 60 Mitgliedern zusammen, die ausschließlich von der IOC-Exekutive, den internationalen Verbänden, den Nationalen Olympischen Komitees und dem Präsidenten selbst bestimmt wurden.

1994, nach Anerkennung des CAS durch das Schweizer Bundesgericht, wurde die Finanzierung durch Gründung einer Stiftung auf neue Beine gestellt. 2002 erkannte auch der Weltfußballverband (Fifa) den CAS an, der Einfluss des IOC ist seitdem beschränkt. Urteile des CAS, dem zuletzt mehr als 300 Richter aus 87 Nationen angehörten, können allerdings vor dem Schweizer Bundesgericht angefochten werden. Sie besitzen auch zivil- und strafrechtlich keine Wirkung.

Bei Großevents wie Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften richtet der CAS vor Ort nichtpermanente Tribunale ein, die wie im Fall der österreichischen Ski-Freestylerin Daniela Bauer möglichst schnell und unbürokratisch entscheiden sollen. (lü, DER STANDARD, 5.2.2014)

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