Archaische Moral

Ansichtssache4. Februar 2014, 17:49
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Ein Beispiel von Volkes Stimme eröffnete: Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätten Pussy Riot nicht zwei Jahre bekommen, sondern 22. Oder 322. Und an den Nordpol hätte sie sie geschickt. "Und die Homos gleich dazu." Die russische Greißlerin schäumte in "Pussy Riot und andere Sünden". Am Ende vertraue sie aber auf den Herrn, der werde die Gottlosen schon richten.

foto: zdf/srf/artem demenok

"Pussy Riot und andere Sünden" war der zweite Film eines Themenschwerpunkts auf 3sat am Montagabend, "Der steile Weg nach Sotschi" der erste. Darin wurde anhand dreier Menschen die Vorbereitungsarbeit für die Olympischen Winterspiele am Kaukasus illustriert: einer russischen Rennrodlerin, eines Bauarbeiters und eines Schweizer Lawinenexperten.

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foto: zdf/srf

Eine Melange aus organisatorischem Irrsinn, patriotischer Pflicht ("Es wird erwartet, dass wir für Russland siegen") und Skepsis, denn der Lawinenexperte ist zwar froh, beraten zu können, froher macht ihn aber der Umstand, keine Verantwortung zu tragen. Eine Zahl blieb hängen: Bis zu 50 Prozent der von Russland in die Spiele investierten 50 Milliarden Dollar sollen in der Korruption versickern. Kein Wunder, dass es heißt, dabei zu sein, sei alles.

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foto: zdf/srf/artem demenok

Die Pussy-Riot-Doku porträtierte Russland als äußerlich moderne Gesellschaft, in deren Innerem aber archaische Moral herrscht, die in Putin gipfelt.

Der versuche, Zar und moderner Staatsmann in einer Person zu sein und setze gleichzeitig den Geheimdienst gegen das eigene Volk ein. Und gegen alles, was man nicht verstehe, weshalb die Kunst besonders gern angegriffen werde, vor allem die visuelle, denn, so sagte der Galerist Marat Gelman: „Die Dunkelmänner im Kreml lesen keine Bücher, das dauert ihnen zu lange." (Karl Fluch, DER STANDARD, 5.2.2014)

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