Der Tanz der Arten

4. Februar 2014, 20:13
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Hildegard Uecker berechnet die evolutionäre Anpassung im Modell

Das Evolutionsmodell der Biomathematikerin Hildegard Uecker kommt ganz ohne die Rote Liste gefährdeter Tier- oder Pflanzenarten aus. Um aber Strategien gegen das Aussterben von gefährdeten Arten wie dem Paarhufer Okapi zu entwickeln, kommt es darauf an, "zu erkennen, auf welche Faktoren wir besonders achten sollten", erklärt Uecker. Mathematische Modelle können Klarheit schaffen und helfen, diese Faktoren und ihr Zusammenspiel zu verstehen.

Ihr Modell bildet den einfachsten Fall evolutionärer Anpassung ab, wenn sich in einer Population der ursprüngliche Wildtyp, der aussterben wird, und die mutierte Form, die in der neuen Umwelt bestehen kann, nur durch eine einzelne Mutation unterscheiden. Variablen des Modells sind die Migrationswahrscheinlichkeit der Individuen, wie harsch die Verschlechterung des Lebensraums ist und wie schnell sie voranschreitet sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Gruppe vor der Umweltänderung.

Die 31-Jährige studierte in Göttingen und Caen und promovierte an der Universität Wien. Mit einem "For Women in Science"-Stipendium" (vergeben von L'Oréal, Wissenschaftsministerium, Österreichischer Akademie der Wissenschaften und der Unesco-Kommission) plant sie ihre weitere wissenschaftliche Karriere. Das kommende Jahr will sie nutzen, um das passende wissenschaftliche Umfeld und eine Förderung für ihren Postdoc zu finden.

In der Gruppe von Nick Barton am IST Austria in Maria Gugging möchte sie zunächst ihre Forschungsidee weiterentwickeln und die genetische Basis für evolutionäre Anpassung und das Migrationsverhalten realistischer modellieren. Sie überlegt, Modelle für Situationen zu entwickeln, in denen das Aussterben der Population gewollt ist, wie etwa bei resistenten Krankheitserregern. Herauskommen soll letztlich ein "maßgeschneidertes theoretisches Modell, das in Kombination mit Experimenten genutzt wird, sodass wir die Vorteile beider Zugän- ge nutzen", erläutert Hildegard Uecker.

Biomathematik ist für sie auch deshalb so reizvoll, weil noch viele grundlegende Fragen offen sind: "Ich trage gerne mathematische Fragestellungen mit mir herum, besonders wenn ich kurz vor der Lösung stehe und das Problem mich nicht mehr loslässt."

Das Berufsbild Forscherin hat sich bei ihr Stück für Stück - aus Freude an neuen Erkenntnissen - entwickelt. Ein Vorbild ist die Evolutionsbiologin Sarah Otto von der University of British Columbia, wo sie während ihres Doktorats einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt verbrachte. An ihrem Fach Mathematik gefällt ihr die Logik und an der naturwissenschaftlichen Komponente ihrer Arbeit das welterklärende Element.

In Hildegard Ueckers Freizeit spielt Musik die Hauptrolle. Als Geigerin war sie seit ihrer Kindheit Mitglied in diversen Orchestern. Zurzeit kommt das Instrument allerdings zu kurz. Ablenkung garantiert dafür nun die Ballsaison, denn in Wien hat die Würzburgerin Walzer, Cha-Cha-Cha und Foxtrott als Hobby und Ausgleich zur Arbeit am Computer entdeckt. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 5.2.2014)


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  • Hildegard Uecker entwickelt biomathematische Modelle.
    foto: privat

    Hildegard Uecker entwickelt biomathematische Modelle.

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