Graffiti-Künstler Puber drohen fünf Jahre Haft

7. März 2014, 12:51
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Sprayer am Donnnerstag in Wien festgenommen - Bei Geschäftstreibenden sorgte er für blanke Nerven

Fuchs, Hirschkalb, Biber und Hase in schwarz und weiß zieren seit Juni die großflächige Wand des Amerling-Gymnasiums in der Schadekgasse gegenüber des Haus des Meeres. Ihre Darstellung ist anatomisch präzise. Elisabeth K. bleibt davor stehen und bewundert die Arbeit: "Gerade auf einer Betonwand wie dieser sieht so ein Graffiti super aus." Das Werk stammt von dem belgischen Street-Art-Künstler Roa. Er arbeitet mit Genehmigung der Behörden und hat schon mehrere Wiener Häuserfassaden mit Abbildungen aus dem Tierreich geschmückt.

Das Graffiti von Roa in der Schadekgasse.

"Es gibt halt einen Unterschied zwischen Schmierereien und Graffiti", sagt Anrainerin K. Sie hat einige Jahre in New York gelebt, wo "wirklich alles bemalt" sei. Dort seien die Häuser aber nicht so schön renoviert wie in Wien. Auf frisch gestrichene Hauswände etwas hinzuschmieren findet K. "nervig". Auch in ihrem Wohnhaus sei die Eingangstür erst vor Kurzem "vollgeschmiert" worden. K. ist nicht die Einzige, der es so geht.

Bis zu fünf Jahre Haft

Gerade in Bezirken, wie dem sechsten oder siebten, in denen die Kreativszene beheimatet ist, gibt es kaum einen Straßenzug oder einen Hauseingang, die von "Tags" - wie Namenszüge von Sprayern genannt werden - und anderen Kritzeleien verschont geblieben sind. Ein Name, der besonders häufig auftaucht, ist der des aus der Schweiz stammenden Sprayers Puber, der am Donnerstag festgenommen wurde. Auf Postkästen, Bänken, Fassaden und Rollläden: Puber hinterlässt seine Spuren überall. Puber wird nun schwere Sachbeschädigung vorgeworfen. Nach seiner Festnahme drohen Renato S. - so heißt Puber mit bürgerlichem Namen - nach Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

Denn im Strafgesetzbuch ist im § 126 geregelt: "Wer durch die Tat an der Sache einen 50.000 Euro übersteigenden Schaden herbeiführt, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen." Der 29-jährige Schweizer aus dem Kanton Zürich soll mit seinen Sprayaktionen weit über 50.000 Euro an Schäden verursacht haben. In ersten Einvernahmen zeigte er sich laut Polizei schweigsam.

Puber ist überall.

"Ich will einfach überall meinen Namen sehen. Es geht nicht um das Künstlerische - und auch nicht um den Adrenalinschub. Das, was ich mache, ist Anti-Style! Sprayen und ficken, das ist das Geilste", wurde Puber in einem Interview mit dem Züricher Tagesanzeiger im Jahr 2010 zitiert. Damit beruft sich Puber auf die New Yorker Graffiti-Tradition "All City" der 1970er-Jahre. Das meint, überall namentlich in der Stadt präsent zu sein. Auch die Arbeit von Roa in der Schadekgasse hat Puber nicht verschont und übermalt.

"Sollen sich am Donaukanal austoben"

Als gar nicht geil werden solche "Schmierereien" von Geschäftsleuten wie Wolfgang Huber, Chef des Werkzeugladens Petzolt in der Burggasse, empfunden. "Reinigen hat keinen Sinn. Ich weiß keine Lösung. Ich glaube, es gibt auch keine", so Huber. Zumindest scheinen "keine obszönen Dinge" an den großzügig besprühten Mauern seines Geschäfts auf. Das Einfahrtstor habe man in Eigenregie schon mehrmals übermalt, doch alle Bemühungen seien zwecklos. Auch das Tor gegenüber soll bereits einen Tag nach Einbau besprüht worden sein. Gegen die "Malereien am Donaukanal" habe er nichts einzuwenden, diese wären "gar nicht einmal so schlecht. Dort sollen sie sich austoben!"

Der Werkzeugladen Petzolt in der Burggasse.

Gegenüber des Werkzeuggeschäfts erstrahlt die Fassade des Fotografen Michael Weinwurm in auffällig grellem Blau, frei von jeglichen Werken streitbarer Straßenkunst. Seit Sommer hat er keine Probleme mehr mit Sprayern. Ein spezieller Schutzanstrich, der die Farbe der Sprayer verrinnen lässt, macht’s möglich. Ein paar Häuser weiter reagiert Frau Margarete Kreidl, Geschäftsführerin des Reformhauses Buchmüller in der Neubaugasse, sichtlich genervt. Fragen zu den auch auf ihre Geschäftsfassade gesprühten Schriftzüge treffen einen wunden Punkt.

Grenzenlose Spielwiese Stadt

Sie stößt sich an der "provokanten Schmiererei". "Wenn wir es wegputzen, ist die Fassade nach spätestens drei Tagen wieder beschmiert." Weniger dramatisch sieht das eine Angestellte in dem Bioladen: "Mich stört das nicht, es kommen sogar Leute vorbei, die Fotos davon machen."

Kunst polarisiert, ebenso Sprühaktionen in der schier grenzenlosen Spielwiese Stadt. "Das ist die reinste Katastrophe, die Umgangsformen sind in den Keller gefahren. Sie haben keinen Respekt vor gar nichts mehr. Außerdem wird überall hinuriniert", sagt ein weißhaariger Passant in der Mariahilfer Straße, ehe er von seinem Hund, dem es nun zu bunt wird, weitergezogen wird. (Thomas Hirner, Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 7.3.2014)

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