Fracking und Konjunktur machen BP zu schaffen

4. Februar 2014, 12:41
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Der Quartalsgewinn sackt um 28 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar ab. Die Ölpestkosten für die Katastrophe im Golf von Mexiko steigen immer noch

London - Die flaue Weltkonjunktur und der Schiefergasboom in den USA setzen auch dem britischen Ölmulti BP zu. Vor allem die branchenweite Schwäche bei der Weiterverarbeitung von Erdöl bekommt BP dabei zu spüren. Schwere Einbußen im sogenannten Raffineriegeschäft ließen den um Sonderposten bereinigten Gewinn im 4. Quartal binnen Jahresfrist um 28 Prozent auf 2,8 Mrd. Dollar (2,1 Mrd. Euro) einbrechen.

Damit konnte sich der Kozern nicht den Problemen entziehen, die auch den drei anderen westlichen Ölgiganten Exxon Mobil, Chevron und Shell zu schaffen machen. Die Gewinne sprudeln zwar noch, doch im Vergleich zu den Vorjahren längst nicht mehr so kräftig.

Denn die schwächelnde Weltkonjunktur drückt auf den Ölpreis und auf die Nachfrage im Raffineriegeschäft, auch weil die USA wegen des dortigen Frackingbooms viel Öl und Gas aus Schiefergestein fördern und weniger von dem Rohstoff importieren. Die Anlagen, in denen Erdöl etwa zu Benzin, Diesel, Heiz- oder Schmieröl veredelt wird, leiden daher unter Überkapazitäten, was auf die Margen drückt und zu einem Preiskampf mit russischen und asiatischen Rivalen führt. Zugleich steigen die Kosten, neue Vorkommen zu finden und zu erschließen.

Beim US-Marktführer Exxon war der Quartalsgewinn überraschend kräftig um 16 Prozent auf 8,4 Mrd. Dollar gefallen, beim heimischen Rivalen Chevron um 32 Prozent auf 4,9 Mrd. Dollar. Der europäischen Konkurrenz setzt die Entwicklung noch stärker zu. Beim britisch-niederländische Rivalen Shell halbierte sich der Überschuss fast auf 2,9 Mrd. Dollar. Während Shell nun auf einen Sparkurs schwenkt und den Verkauf von Geschäftsteilen vorantreiben will, setzt Exxon verstärkt auf die Erschließung neuer Vorkommen, um die versiegenden Quellen zu ersetzen.

BP konnte einen Teil der Einbußen mit höheren Einnahmen aus einer Kooperation mit dem russischen Ölriesen Rosneft ausgleichen. Diese Beteiligung steuerte 1,1 Mrd. Dollar zum Konzerngewinn bei. Dieser übertraf damit knapp die Prognosen von Branchenexperten, die einen noch stärkeren Einbruch befürchtet hatten. Allerdings bekommt BP noch immer die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor knapp drei Jahren zu spüren, bei der elf Menschen starben und weite Teile der US-Küste verschmutzt wurden. Die Kosten der Ölpest summieren sich inzwischen auf 42,7 Mrd. Dollar, 200 Mio. Dollar mehr als vor einem Jahr. (APA/Reuters, 4.2.2014)

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    foto: ap/alastair grant
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