Entführung von Janine Flock und Bernadette Schild in Brief angedroht

4. Februar 2014, 17:05
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Das Österreichische Olympische Komitee geht nicht von einer akuten Bedrohung aus

Sotschi/Wien - Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) hat am Montag beunruhigende Post bekommen. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel bestätigte am Tag danach eine kurze Meldung auf krone.at, wonach die Skeleton-Europameisterin Janine Flock und Marlies Schild, die Weltcup-Rekordsiegerin in Slalom, in einem Brief mit Entführung bedroht worden seien. Später am Tag stellte sich heraus, dass nicht Marlies, sondern deren jüngere Schwester Bernadette bedroht wird. Der Brief sei umgehend an das Innenministerium weitergeleitet worden, sagte Mennel vor dem Abflug einer mit zahlreichen österreichischen Sportlern besetzten Chartermaschine nach Russland.

Auch Flock befand sich in der Maschine. Die Tirolerin blieb gelassen. Marlies Schild, die wurde telefonisch von Hans Pum von der (schließlich doch nicht gegen sie gerichteten) Drohung informiert. Der Sportdirektor des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) ist bereits in Sotschi und war von Mennel kontaktiert worden.

"Nicht lustig, nicht okay"

Schild fand es "etwas eigenartig, davon aus den Medien zu erfahren. Das ist nicht lustig und eigentlich gar nicht okay, dass man nicht zuerst mich informiert hat", sagte die Salzburgerin.

Mennel zeigte sich bei seiner Ankunft in Sotschi ebenfalls empört darüber, dass Namen überhaupt und so flott an die Öffentlichkeit dringen konnten. Eine undichte Stelle im ÖOC schloss der Vorarlberger aus, die Krone, Medienpartner des ÖSV, muss demnach von anderer Seite vorab informiert worden sein.

Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, gab sich betont diplomatisch: Dass die Krone die bedrohten Athletinnen namentlich genannt und im Bild gezeigt habe, werde wohl die Gefährdungslage für die Betroffenen "im aktuellen Fall nicht erhöhen". Das Innenministerium selbst nenne in solchen Fällen nie Namen - "aus ermittlungstaktischen Gründen". Dann sagte Grundböck aber doch zum Standard: "Es war nicht zwingend im Interesse des Innenministeriums, dass die Angelegenheit jetzt auf diese Weise medienöffentlich wird."

Österreichische Beamte vor Ort

Für die Sicherheit der Athletinnen und Athleten seien die russischen Polizeibehörden zuständig - das Innenministerium hat selbst vier Beamte vor Ort, die in Sotschi aber als "Kommunikationsschnittstelle" agieren sollen. Heißt übersetzt: Die Österreicher besprechen mit den Russen, ob die beiden Sportlerinnen eines erhöhten Schutzes bedürfen - und die Russen müssen sie dann eben besser schützen. Zwei Beamte gehören jedoch dem Einsatzkommando Cobra an, die auch zur Sicherheitsberatung im "Austria Tirol House" stationiert sind. Besucher werden eine Sicherheitsschleuse passieren müssen, wenn sie das Gebäude betreten wollen.

Was den Brief selbst betrifft, gab sich der Ministeriumssprecher Grundböck verschlossen: "Es wird ermittelt." Zu erfahren ist lediglich, dass der Brief auf Deutsch verfasst ist und dass darin nur die Entführung der beiden Frauen angedroht wird. Grundböck stellte lediglich klar: "Es hat deshalb keine Krisensitzung hier bei uns, mit mehreren Ministern, gegeben. Es gab überhaupt keine Sitzung."

In Sotschi grübelte Mennel über den Grund der Drohung, "die wir natürlich ernst nehmen". Er konnte sie nur mit dem Versuch erklären, die beiden Athletinnen oder Österreichs Team insgesamt zu verunsichern. Von einer akuten Bedrohung geht Mennel allerdings nicht aus.

"Fake-Mail" im Jänner

Gleich mehrere nationale olympische Komitees, darunter auch das ÖOC, hatten übrigens bereits im Jänner eine E-Mail mit Drohungen erhalten. Demnach sei in Sotschi mit Anschlägen gedroht worden. Das ÖOC sprach von einer "Fake-Mail von einem Absender aus Israel, der bereits seit einigen Jahren mit diversen Drohungen aktiv ist". (APA, bez, lü, stui, DER STANDARD, 5.2.2014)

  • Entspannt in den Flieger: Skeleton-Athletin Janine Flock.
    foto: apa/hochmuth

    Entspannt in den Flieger: Skeleton-Athletin Janine Flock.

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