Neue Frosch-Familie mit Fangzähnen im afrikanischen Regenwald entdeckt

4. Februar 2014, 11:35
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Stromschnellenfrösche jagen mit untypischen langen und spitzen Zähnen vermutlich andere Froscharten

Zahlreiche schnellfließenden Flüsse und Wasserfälle in Afrikas Regenwäldern beherbergen eine Gruppe von Froscharten, deren Vertreter einander äußerlich sehr ähnliche sehen: die Stromschnellenfrösche. Die Verwandtschaftsverhältnisse dieser artenreichen Frösche sind jedoch in weiten Teilen ungeklärt. Nun haben Biologen des Museums für Naturkunde in Berlin gemeinsam mit Schweizer Kollegen eine aufregende Entdeckung gemacht: Die westafrikanischen Arten stellten sich bei näherer Betrachtung als mit den anderen Stromschnellenfröschen nicht näher verwandt heraus. Tatsächlich repräsentieren sie sogar eine eigene Familie die sich bereits in der Kreidezeit, zu Zeiten der Dinosaurier, von anderen Froschfamilien abgespalten hat.

Jedes Jahr werden immer noch 100 bis 200 neue Froscharten entdeckt und beschrieben. Meist ist über die Biologie und die Verwandtschaft dieser Arten wenig bekannt. Die Verbreitung und Verwandtschaft von Arten kann Wissenschaftern aber wertvolle Erkenntnisse über die Vergangenheit unseres Planeten liefern. Aus diesem Grund wollten Forscher des Museums für Naturkunde in Berlin im Rahmen einer internationalen Kooperation die Verwandtschaftsverhältnisse einer Gruppe von Fröschen aufklären die sich auf schnellfließende Regenwaldbäche und Wasserfälle spezialisiert haben.

Die äußerlich sehr ähnlichen Arten der Stromschnellenfrösche waren aus Regenwäldern West, Zentral- und Ostafrikas bekannt. In ihren Untersuchungen verglichen die Forscher die molekulargenetischen und anatomischen Merkmale der bekannten Arten. Zu ihrem großen Erstaunen erwiesen sich die Frösche Westafrikas als mit den anderen untersuchten Arten nicht näher verwandt. Für Michael Barej, dem Erstautor der Studie, war die Entdeckung seine wissenschaftliche Sensation.

Tatsächlich konnten die Wissenschafter zeigen, dass sich die westafrikanischen Stromschnellenfrösche bereits in der Kreidezeit, also zu Zeiten der Dinosaurier, von anderen Froschgruppen abgespalten haben müssen. Neben genetischen Unterschieden fanden die Forscher, unter Einsatz von computertomographischen Methoden, auch diverse anatomische Besonderheiten. Als Konsequenz dieser Entdeckung schufen Michael Barej und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Frontiers in Zoology" eine neue Familie für diese Tiere, die Odontobatrachidae.

Beeindruckendes Gebiss

Der wissenschaftliche Name der neuen Froschfamilie, abgeleitet aus den griechischen Wörtern für Zahn und Frosch, verweist auf eine weitere, anatomische Überraschung: völlig froschuntypische, lange, spitze und nach hinten gebogene Zähne im Oberkiefer und massive Fangzähne im Unterkiefer. Wofür die Frösche diese Zähne brauchen ist noch unklar, möglicherweise jagen und fressen sie andere Frösche, wie computertomografische Aufnahmen eines kleinen Froschskelettes im Magen eines der Tiere nahelegen.

Die Entdeckung einer neuen Froschfamilie ist auch für den Naturschutz von Bedeutung. Die Zahnfrösche leben nur in wenigen Regenwaldresten der westafrikanischen Länder Guinea, Sierra Leone, Liberia und Elfenbeinküste. Dass ausgerechnet diese Wälder, eine nur auf sie beschränkte Wirbeltierfamilie beherbergt, unterstreicht deren bekannte Bedeutung als Hotspot der Biodiversität noch weiter. (red, derStandard.at, 4.2.2014)

  • Odontobatrachus natator ist Angehöriger der neu entdeckten Froschfamilie.
    foto: mark-oliver rödel

    Odontobatrachus natator ist Angehöriger der neu entdeckten Froschfamilie.

  • Ein computertomografischer Scan des Schädels in Seitenansicht zeigt die außergewöhnlichen Zähne im Ober- und Unterkiefer.
    foto: michael f. barej

    Ein computertomografischer Scan des Schädels in Seitenansicht zeigt die außergewöhnlichen Zähne im Ober- und Unterkiefer.

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