Philip Seymour Hoffmans Tod macht Heroinproblem in den USA sichtbar

4. Februar 2014, 07:42
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Leichnam wird obduziert - 4,2 Millionen US-Bürger haben schon einmal Heroin konsumiert

New York - Nach dem Tod des Oscar-Preisträgers Philip Seymour Hoffman haben die Ermittler den Fund von Heroin in der Wohnung des Schauspielers bestätigt. "Vorläufige Testergebnisse deuten darauf hin, dass es sich bei den Drogen um Heroin handelt", sagte ein Ermittler.

Medienberichten zufolge wurden in dem New Yorker Apartment des Schauspielers über 50 Umschläge mit dem Rauschmittel entdeckt. Hoffman war am Sonntag mit einer Spritze im Arm auf dem Boden seines Badezimmers gefunden worden, er starb offenbar an einer Überdosis. Am Montag begann die Obduktion der Leiche. Mit Ergebnissen sei aber nicht vor Dienstag zu rechnen, sagte eine Sprecherin der Gerichtsmedizin in New York.

"Der Tod eines Ausnahmetalents"

Während Hoffmans Tod die breite Öffentlichkeit aufgeschreckt hat, ist er für Kenner der Szene nur die öffentlichkeitswirksamste Folge einer neuen Heroinwelle in den USA. Laut US-Drogenstatistik konsumierten im Jahr 2007 insgesamt 373.000 Bürger Heroin, 2012 waren es schon 669.000. Die Antidrogenbehörde DEA geht davon aus, dass 4,2 Millionen US-Amerikaner schon einmal Heroin konsumiert haben, etwa jeder vierte wird demnach abhängig.

"Heroin ist eine sich ausbreitende Epidemie. Und Heroin führt unweigerlich zum Tod", warnt DEA-Sprecher Joseph Moses. "Traurigerweise werden sich die Menschen erst nach dem Tod eines Ausnahmetalents wie Hoffman der Gefahr bewusst." Drei Tage vor dem Tod Hoffmans waren in der Bronx 13 Kilogramm Heroin beschlagnahmt worden, zum Marktwert von acht Millionen Dollar (knapp sechs Millionen Euro). Innnerhalb von nur zwei Wochen starben in Pennsylvania 22 Menschen an einer Überdosis Heroin.

Rückfall nach Jahrzehnten

Der 46-jährige Schauspieler hinterlässt drei Kinder und seine langjährige Partnerin Mimi O'Donnell. Hoffman hatte in der Vergangenheit offen über seine Drogen- und Alkoholprobleme gesprochen. In einem Interview im Jahr 2011 sagte der Schauspieler, er habe als junger Mann alles genommen, "was ich in meine Hände kriegen konnte". Mehr als 20 Jahre hatte er seine Sucht dann im Griff, ehe er im vergangenen Jahr offenbar einen Rückfall erlitt. Laut dem Promimagazin "TMZ" ging Hoffman in eine Entzugsklinik, weil er verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen und Heroin geschnupft habe.

Fans und Kollegen reagierten schockiert auf den Tod von Hoffman, der als eines der größten Talente in Hollywood galt. Für seine Rolle als Schriftsteller Truman Capote in dem biografischen Film "Capote" erhielt er 2006 einen Golden Globe und den Oscar als bester Schauspieler. (APA/red, derStandard.at, 4.2.2014)

  • Andenken an einen wandlungsfähigen Schauspieler.
    foto: epa/andrew gombert

    Andenken an einen wandlungsfähigen Schauspieler.

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