Magazin von FPÖ-Kandidat Mölzer mit NS-Verharmlosung

4. Februar 2014, 12:15
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Zeitschrift vergleicht Anti-Akademikerball-Proteste mit Novemberpogrom

In der Nacht von 9. Auf 10. November 1938 verwüsteten Nationalsozialisten in Österreich Tausende Geschäfte, fast alle Synagogen und Bethäuser wurden zerstört und mehrere Tausend jüdische Österreicher in Lager verschleppt. Die Gewaltexzesse, die heute unter dem Namen Novemberpogrom bekannt sind, wurden damals von der NS-Herrschaft als "Reichskristallnacht" bezeichnet. Auf diesen Begriff nimmt nun das Magazin "Zur Zeit" Bezug – und stellt die Anti-Akademikerball-Proteste, bei denen mehrere Schaufensterscheiben zu Bruch gingen, auf dieselbe Stufe, indem er den Abend des 24. Jänner in einer Karikatur als "Kristallnacht 2014" bezeichnet. Das Magazin wird von niemand geringerem herausgegeben als vom Spitzenkandidaten der FPÖ bei der Europawahl, Andreas Mölzer.

Schon FPÖ-Bundesobmann Heinz-Christian Strache hatte sich vor zwei Jahren eines ähnlichen Vergleichs bedient - allerdings in einem informellen Gespräch. Am WKR-Ball 2012 hatte er zu Ballgästen gesagt, Burschenschafts-Sympathisanten seien "die neuen Juden", die Farbbeutel-Angriffe auf Burschenschafter-Buden im Vorfeld des Balls seien "wie die Reichskristallnacht gewesen".

Roma als "fremde Kultur"

Mölzers Magazin bedient sich in der aktuellen Ausgabe zudem romafeindlicher Bilder. So "warnt" es beispielsweise auf seinem Cover: "Die Zigeuner kommen". In einem längeren Bericht werden Roma und Sinti als "dem Europäer fremde Kultur" bezeichnet. Zur Information: In Europa leben übrigens bis zu 12 Millionen Roma und Sinti.

Positive Worte hat das Magazin nur für den Herausgeber selbst: Mölzer habe sich in einem seiner jüngsten TV-Auftritte "souverän wie gewohnt" gezeigt, heißt es. 

"Nächster Skandal"

Als "nächsten Skandal in der FPÖ" wertet SPÖ-Abgeordnete Petra Bayr den Vergleich der Proteste gegen den Akademikerball mit der sogenannten "Reichskristallnacht". Bayr sieht darin einen "unerträglichen und abstoßenden Vergleich, der deutlich macht, wes Geistes Kind die FPÖ ist".

Für Bayr ist es "alles andere als ein Zufall", dass die FPÖ im Jahr 2014 nach wie vor den Begriff "Kristallnacht" verwendet. Die SPÖ-Abgeordnete erinnerte daran, dass der Ausdruck "Kristallnacht" ein zynischer Begriff sei, der von der NS-Propaganda erfunden wurde, um die Grausamkeiten der Novemberpogrome zu verharmlosen. (red, derStandard.at, 4.2.2014)

  • "Kristallnacht".
    screenshot: zurzeit

    "Kristallnacht".

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