Lehrstellenmarkt: Die Wurzel des Problems

Kommentar3. Februar 2014, 18:09
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Wenn immer weniger Unternehmen Lehrlinge einstellen, wird das System der Lehre in seiner bisherigen Form ad absurdum geführt

Die Entwicklung ist beunruhigend: 3000 junge Menschen in Österreich finden derzeit keinen betrieblichen Lehrstellenplatz, Tendenz stark steigend. Zwar springt der Staat mit geförderten Ausbildungsplätzen ein, sodass niemand auf der Straße stehen muss. Doch Sinn der dualen Ausbildung ist es, Jugendlichen schulisches Grundwissen und betriebliche Fachkenntnis zu vermitteln. Fällt die betriebliche Komponente weg, weil immer weniger Unternehmen Lehrlinge einstellen, wird das System in seiner bisherigen Form ad absurdum geführt.

Politik und Arbeitsmarktservice haben bereits viel getan, doch die Unternehmer beklagen noch immer, kaum geeignete Jugendliche für freie Lehrstellen zu finden. Zu unzuverlässig, vor allem aber schlecht ausgebildet und oft der Grundrechnungsarten nicht mächtig seien die Teenager. Womit klar ist, dass das Grundproblem in der Schule liegt.

Insbesondere in größeren Städten, allen voran Wien, versagt die Hauptschule, aus der ein großer Teil der Lehrlinge in spe hervorgeht. Dort ist man nicht in der Lage, den Heranwachsenden schulisches Grundwissen zu vermitteln. Über die Gründe - soziale Probleme, Sprachbarrieren - ließe sich streiten, am Ergebnis wird das nichts ändern. Wer das duale Ausbildungssystem in Österreich stärken will, muss bei der Schule für die Zehn- bis 14-Jährigen ansetzen, und da führt an der Gesamtschule, ohne soziale Exklusion, kein Weg vorbei. (András Szigetvari, DER STANDARD, 4.2.2014)

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