Kretschmers Teilgeständnis

3. Februar 2014, 17:20
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Osterfestspiel-Prozess: Technischer Direktor sagte aus

Salzburg - Im schwarzen Anzug und auf zwei Stöcken gestützt betrat Klaus Kretschmer am Montag den Gerichtssaal. Seinen letzten Gerichtsauftritt im September beging er in Jogginghose. Damals erklärte der erstangeklagte ehemalige Technische Direktor der Salzburger Festspiele, er könne dem Verfahren nicht folgen, und wurde vorläufig aus dem Prozess rund um die Osterfestspiel-Affäre ausgeschlossen. Nun sehe er sich wieder in der Lage, sich dem Prozess zu stellen, erklärte Gutachterin Gabriele Wörgetter, die ihm Verhandlungsfähigkeit attestierte. Kretschmer ist seit einem Suizidversuch im Februar 2010 in psychiatrischer Behandlung.

"Mein Mandant bekennt sich teilweise schuldig", erklärte Kretschmers Anwalt, Leopold Hirsch, vor dem Schöffensenat. Kretschmer wird Untreue und schwerer Betrug vorgeworfen. Er soll die Salzburger Festspiele um 1,5 Millionen Euro geschädigt haben. Schuldig bekenne sich Kretschmer für zwei falsche Rechnungen für Bühnentechnik, die an eine Zulieferfirma ausbezahlt wurden, ohne dass je geliefert wurde. Der drittangeklagte Zulieferer wurde dafür bereits zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt.

Anders sehe das bei den restlichen Vorwürfen aus. Die Zahlungen für technische Beratung der Osterfestspiele seien zu Recht erfolgt, sagte Hirsch. Laut Staatsanwaltschaft hätte Kretschmer die insgesamt mehr als 800.000 Euro nicht verrechnen dürfen, da es einen Kooperationsvertrag gab. "In meinen Dienstvertrag stand nicht, dass sich meine Tätigkeit auch auf die Osterfestspiele erstreckt," entkräftete Kretschmer den Vorwurf. Er habe die Aufgaben bei den Osterfestspielen in seiner Freizeit durchgeführt, Nebentätigkeiten seien auch erlaubt gewesen.

Ebenfalls außer Streit steht für Hirsch der Vorwurf, Kretschmer hätte unrechtmäßig 300.000 Euro Provision für die Spende der Vidayev-Stiftung kassiert. Zu diesem Faktum gibt es schon ein rechtskräftiges Zivilrechtsurteil vom Landesgericht Salzburg, wonach die Provision rechtmäßig gewesen sei. (ruep, DER STANDARD, 4.2.2014)

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