Rätsel um mysteriöse Unterwasserkreise vor Dänemarks Küste gelöst

3. Februar 2014, 16:37
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Sulfide im Meeresboden dürften die bemerkenswerte Anordnung von Seegras vor der Insel Møn verursachen

Kopenhagen - Das Rätsel begann 2008 mit touristischen Fotoaufnahmen: Die Bilder zeigten mehrere dunkle Kreise im Wasser vor der Küste der dänische Insel Møn. Später waren sie wieder verschwunden. Als die Formationen im Jahr 2011 erneut zu beobachten waren, häuften sich die Erklärungsversuche für deren Ursprung - und blieben nicht immer wissenschaftlich.

Bereits damals entdeckten Wissenschafter, dass es sich bei den Kreisen um Anordnungen von Seegras (Zostera marina L.) handelt - auf den ersten Blick ähnlich den sogenannten "Hexenringen", die von zahlreichen Pilzarten bekannt sind. In Wäldern und auf Wiesen entstehen die kreisförmigen Anordnungen dadurch, dass das Myzel eines Pilzes in alle Richtungen gleich schnell wächst. Am Ende der Myzelfäden bilden sich die sichtbaren Fruchtkörper und bilden einen Kreis - in der Regel handelt es sich dabei um einen einzigen Organismus. Durch die dem Boden entzogenen Nährstoffe stirbt das Myzel ab, übrig bleibt eine ringförmige Struktur, die Verfärbungen im Boden verursachen kann.

Toxische Bedingungen

Eine solche Erklärung ist aber für die normalerweise rasenbildenden Seegräser auszuschließen. Nun entdeckten Forscher der Universität Kopenhagen und der Syddansk Universitet große Sulfidmengen im Schlamm rund um jene Stellen, an denen das Seegras ringförmig wuchs. Wie sie aktuell im Fachmagazin "Marine Biology" berichten, dürfte es sich dabei um die Lösung des Rätsels handeln: Der für das Seegras giftige Schwefelwasserstoff und weitere Sulfide, die vermutlich im kalkhältigen Meeresboden entstanden sind, beeinflussen die Ausbreitung der Pflanzen.

Der Großteil des belasteten Schlamms wird durch die Strömung normalerweise relativ gleichmäßig über den Meeresboden verteilt, wodurch die Konzentration der schädlichen Sulfide gering bleibt und die Pflanzen wachsen können. In den wachsenden Seegras-Matten verfängt sich aber mit der Zeit immer mehr Schlamm und lagert sich ab, wodurch die Schadstoffkonzentration steigt. Nur ausgewachsene, kräftige Pflanzen können dieser Belastung standhalten.

Während die Jungpflanzen bei der Ausbreitung nach außen absterben und die älteren Pflanzen in der Mitte des Unterwasserrasens zusehends degenerieren, überlebt nur ein Ring aus gesunden, mittelalten größeren Pflanzen die toxischen Bedingungen. Eine schlüssige Lösung - sehr zum Ärger der Unterwasser-Kornkreis-Theoretiker. (dare, derStandard.at, 3.2.2014)

  • Toxische Bedingungen im Schlamm verhinderten die weitere Ausbreitung von Zostera marina L.
    foto: jacob t. johansen

    Toxische Bedingungen im Schlamm verhinderten die weitere Ausbreitung von Zostera marina L.

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