Schneeblindheit: Sonnenbrand in den Augen

4. Februar 2014, 11:04
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Mit der Höhe steigt die UV-Belastung, Schnee reflektiert das Licht zusätzlich - Wer ohne Sonnenbrille unterwegs ist, riskiert Schneeblindheit mit Spätfolgen

Pistenspaß oder Skitouren in der bereits wieder höher stehenden Februar- oder Märzsonne können höchst schmerzhafte Folgen haben: "Das ist, wie wenn du Sand, wie wenn du Schleifpapier in den Augen hast", berichten jene, die bereits einmal schneeblind waren. Keratitis solaris heißt die Augenverletzung, und diese ist im Prinzip nichts anderes als "ein Sonnenbrand in den Augen", sagt Gerald Schmidinger, Augenarzt und Assistenzprofessor an der Medizinischen Universität Wien.

Keratitis solaris entsteht, wenn das Auge längere Zeit ungeschützt starker UV-Strahlung aussetzt ist. Vor allem die Wellenlänge unter 300 Nanometern sei gefährlich, sagt Schmidinger. Die Strahlung werde von der Hornhaut absorbiert und zerstöre die oberste Zellschicht, die dann mit dem Lidschlag abgeschliffen werde. Die Folge: das äußerst schmerzhafte Fremdkörpergefühl.

Viel zu hell

Die umgangssprachliche Bezeichnung Schneeblindheit ist nicht zufällig entstanden: Pro 1000 Metern Seehöhe nimmt die UVB-Strahlung um circa 20 Prozent zu. Unverschmutzter, trockener Neuschnee beispielsweise reflektiert zudem das Sonnenlicht fast vollständig. Im schneebedeckten Gelände ist die Strahlung bis zu 16-mal höher als im aperen Zustand.

Besonders trügerisch ist die Nebelsonne. Die Lichtintensität wird von Skifahrern oft unterschätzt. Trotz des vermeintlich schlechten Wetters ist die Strahlungsstärke in der Höhe nur unwesentlich geringer als bei blauem Himmel. Dazu kommt noch die Streuung durch die feinen Wassertropfen in der Luft.

Grauer Star und Melanome

Langfristige Schäden am Auge sind durch eine permanente Überdosis von UV-Strahlung nicht ausgeschlossen. Chronisch trockene Augen gehören hier ebenso dazu wie das sogenannte Flügelfell, auch Pterygium genannt. Es ist eine Wucherung der Bindehaut, die bis über die Pupille wachsen kann und chirurgisch entfernt werden muss. Besonders häufig sei sie bei Seefahrern oder Skilehrern anzutreffen, sagt Schmidinger. Krebs ist ebenfalls ein Thema. Die Zunahme von Bindehauptmelanomen dürfte auch auf die UV-Belastung zurückzuführen sein.

Neben der kurzwelligen Strahlung sei für die Augen auch langwelliges Licht über 300 Nanometern gefährlich, warnt Schmidinger. Dieses werde in der Linse absorbiert und induziere längerfristig den Grauen Star.

In die Notambulanzen der Spitäler kommen freilich nicht nur Skifahrer. Auch Hobbyschweißer, die am Wochenende an ihren Autos herumbasteln, seien auf der Tagesordnung, berichtet Schmidinger. Ursache, Wirkung und Therapie seien die gleichen wie bei unvorsichtigen Skifahrern.

In den allermeisten Fällen verläuft die Schneeblindheit schmerzhaft, aber undramatisch. Die Symptome treten meist erst einige Stunden nach der Sonnenexposition auf. Der Heilungsprozess jedoch ist vergleichsweise schnell: Nach 24 Stunden ist das Schlimmste überstanden.

Salben und Antibiotika

Wer mit einem Sonnenbrand im Auge zum Arzt geht, dem wird mit Vitamin-A-Salben und einer antibiotischen Salbe, um Sekundärinfektionen vorzubeugen, geholfen. Dazu empfiehlt Schmidinger Schmerzmittel, "um das auszuhalten". Lokale Betäubungen hingegen seien nicht sinnvoll, weil diese den Wundheilungsprozess stören.

Der einzige wirkliche Schutz ist und bleibt eine Sonnen- und Skibrille in entsprechender Qualität. Weiche Kontaktlinsen hätten zwar meist einen UV-Blocker integriert, sie schützten aber die Bindehaut nicht, warnt Schmidinger. Dunkle Billigbrillen mit geringem oder keinem UV-Schutz sind hochgefährlich. Das Auge wird so nämlich getäuscht, öffnet sich weit und bekommt noch mehr von der Strahlung ab. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 4.2.2014)

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    foto: eva-maria griese
  • Es blendet: Die UV-Strahlung ist in den verschneiten Bergen besonders stark.

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