Polyarthritis: Biologika nur bei Bedarf

3. Februar 2014, 14:49
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Ziel ist die Aufrechterhaltung eines Zustands mit geringer Krankheitsaktivität

Wien/London - Moderne Biotech-Medikamente, sogenannte Biologika wie die monoklonalen Antikörper, haben die Therapie schwerer chronischer Polyarthritis (rheumatoide Arthritis, Anm.Red.) revolutioniert. Eine an 161 Zentren weltweit durchgeführte Studie unter der Federführung von Wiener Rheumatologen zeigt jedoch, dass diese Arzneimittel nur bei echtem Bedarf angewendet werden müssen. Bei Erfolg kann man sie auch wieder absetzen.

"Eine Behandlung, welche die Krankheitsaktivität bis auf ein geringes Maß reduzierte, brachte bessere Resultate im klinischen Erscheinungsbild sowie bei den funktionalen und strukturellen Folgen mit sich (...)", schreiben Erstautor Josef Smolen, von der Universitätsklinik für Innere Medizin III im AKH) und die Co-Autoren aktuell im "Lancet". Die primär reduzierte Krankheitsaktivität ist offenbar entscheidend für den Erfolg der Polyarthritis-Behandlung. Bei Fortschreiten der Gelenksentzündung drohen nämlich irreparable Schäden.

Stabiler Zustand

Insgesamt wurden 1.032 Patienten mit chronischer Polyarthritis zunächst ein halbes Jahr lang entweder mit dem Zytostatikum Methotrexat und einem Placebo oder zusätzlich mit dem monoklonalen Antikörper behandelt worden. 466 Patienten in der Kombinationsgruppe (anfänglich 515 Erkrankte) waren nach einem halben Jahr noch in der Studie, von ihnen bekam dann die Hälfte weiterhin das Biotech-Medikament, die andere Hälfte nicht mehr.

In der "Endabrechnung" nach 78 Wochen stellte sich heraus, dass bei 70 Prozent der Patienten mit der echten Kombitherapie die Erkrankung weitestgehend unter Kontrolle war. Mit Methotrexat allein war das bei 54 Prozent der Fall. Bei jenen Patienten aus der Kombinationsgruppe, die schon nach 26 Wochen ein sehr gutes Ansprechen gezeigt und im darauf folgenden Jahr das Biotech-Medikament nicht mehr erhalten hatten, blieb der Zustand zumeist weitgehend stabil.

"Diese Resultate deuten darauf hin, dass eine kurze, anfängliche Behandlungsphase mit einem Biotech-Medikament in Kombination mit Methotrexat ausreichen könnte, um dann auch mit Methotrexat allein eine Aufrechterhaltung eines Zustands mit wenig Krankheitsaktivität oder gar einer Remission zu ermöglichen", folgerte der Wissenschaftler. Dieses Resultat könnte auch die finanziellen Aufwendungen für die Gelenksrheuma-Therapie begrenzen helfen. Biologika sind hoch wirksam, aber auch kostenaufwendig. (APA/red, derStandard.at, 3.2.2014)

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