Prozess in Wien: Das Trinkexperiment der Gebrüder F.

3. Februar 2014, 15:11
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Auf den Sport folgten neun Stunden Zechtour und ein Filmriss - nun sitzen zwei bisher unbescholtene Männer vor dem Richter

Wien – Verteidiger Werner Tomanek fasst die Sachlage recht gut zusammen: "Der 23. September war nicht der brillanteste Tag im Leben der Gebrüder F., das experimentelle Trinken ist gescheitert." Die Brüder F. heißen mit Vornamen Johann und Karl und sitzen wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung vor Richter Stefan Romstorfer im Wiener Straflandesgericht. Genauer, sie kauern fast, so zerknirscht sind die beiden Unbescholtenen.

"Schildern Sie mir, was an diesem Tag los war", fordert der Richter den 47-jährigen Erstangeklagten auf. "Ich kann mich an die Tat selbst nicht mehr erinnern. In der Früh bin ich ins Fitnessstudio gegangen und zum Badminton." Gegen 10 Uhr Vormittags hatte er fertig gesportelt. "Dann sind wir dort in die Kantine gegangen und in einer Runde gesessen. Dann ist es losgegangen." Der Alkoholkonsum nämlich. Der 44-jährige Bruder, ein Beamter, stieß dazu, es ging promillemäßig dahin.

Erinnerung nach Polizeibericht

"Trinken Sie sonst auch viel?", fragt Romstorfer. "Nein, gar nicht", schüttelt der Angestellte betrübt den Kopf. "Gab es irgendein Ereignis, dass das ausgelöst hat?" "Nein." Am Tattag sorgte er also rund neun Stunden lang ohne Grund dafür, dass die Leber kaum mit der Arbeit nachkam. Schließlich endete die Tour in TonChicken‘s in Wien-Floridsdorf. "Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern. Erst nachher, als ich die Polizeiberichte gelesen habe, hat es mir gedämmert, dass dort irgendetwas los war."

Zeuge Michael C. kann es präzisieren. "Ich bin bei einem Achterl Wein gesessen, da ist von hinten jemanden gekommen und hat mir mit der Faust auf den Kopf und dann ins Gesicht gehaut. Dabei ist meine Brille kaputt gegangen", erzählt der Pensionist.

Ob es einer der beiden Geständigen war, weiß er nicht. Aber: "Der Mann hat mir dann noch eine Bierflasche über den Kopf gehalten und gesagt, ich soll mich schleichen, sonst daschlogt a mi." Schmerzensgeld will er nicht, betont er mit Nachdruck, aber seine Brille ersetzt.

Kellnerin bedroht

Die Kellnerin schildert, wie sie vom zunächst noch freundlichen Duo ebenso bedroht wurde und nach den Schlägen für "Herrn Michael" die Polizei kam. Die nahm Johann zunächst mit, von der Polizeiinspektion ging er schnurstracks zurück.

Romstorfer folgt, nicht rechtskräftig, Tomaneks Bitte um Diversion. Johann F. muss 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, Karl 500 Euro zahlen. "Sie haben sich eine zweite Chance verdient", sagt der Richter, und meint damit eher keine neuen Experimente mehr. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 04.02.2014)

  • Dann ging es promillemäßig dahin.
    foto: christian fischer/der standard

    Dann ging es promillemäßig dahin.

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