Wie ein Ibanograf die Bankkunden retten soll

3. Februar 2014, 14:37
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Stempel gehören eigentlich der Vergangenheit an. IBAN, die 20-stellige Kontonummer, erschreckt viele und beflügelte so manchen Erfinder

"IBAN der Schreckliche" kommt später, aber er kommt. Die 20-stellige Kontonummer (International Bank Account Number) sollte ab 1. Februar bei allen Überweisungen und Lastschriften die alten Kontonummern und Bankleitzahlen ersetzen. Grundsätzlich soll sie eine "Vereinfachung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs" darstellen. EU-Kommissar Michel Barnier hat allerdings jüngst die Notbremse gezogen und die Einführung auf 1. August verschoben. Die Umstellungsrate in vielen Ländern sei einfach nicht hoch genug, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Es könne zu Zahlungsverzögerungen kommen.

Gedanken über die IBAN und ihren Einsatz im Alltag machten sich auch zwei Kärntner. Hermann Zernatto und Karl Dabringer hatten eine Idee: Eine Ausfüllhilfe für "die schier unendliche Zahlenwurst" schwebte ihnen vor. Eine Art Stempel, der so klein ist, dass er in die Handtasche passt, gleichzeitig aber auch von Maschinen lesbar sein soll. Sein Name: Ibanograf. Erleichterung ist das Ziel der beiden Erfinder. Die Zielgruppe: ältere und ungewandte Menschen, die sich mit der Eintragung der langen alphanumerischen Reihung schwertun.

So weit, so unkompliziert. Allein, bei der Oesterreichischen Nationalbank beziehungsweise "ihrem zuständigen Organ", der Stuzza (Studiengesellschaft für die Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr GmbH), sprang der Funke nicht über, sagt Hermann Zernatto im Gespräch mit derStandard.at. Ganz im Gegenteil: Als er sich erkundigen wollte, wie genau so ein Stempel auszuschauen habe, hätte die zuständige Stuzza-Sachbearbeiterin den Erfindern gegenüber kundgetan: "Das erlauben wir nicht. Keine Bank wird Ihnen einen solchen Stempel abkaufen."

Bitte kein Stempel

Anfangs hätte er dieser Auskunft Glauben geschenkt, sagt Zernatto. Erst allmählich sei ihm der "Irrwitz" der Feststellung bewusst geworden. Und so hätte er einen zweiten Anlauf unternommen. Da hätte man ihm seitens der Stuzza klargemacht, dass von Verbot keine Rede sei, sondern man die Kunden sinngemäß ermutigen wolle, via Computer ihre Bankgeschäfte zu erledigen. Wörtlich hieß es da: "Vertreter von Wirtschaftskammer, Pensionistenverbänden, Konsumentenschutz sehen keinen Bedarf am IBAN-Stempel, daher unsere Empfehlung: Bitte keine Stempel für die Anbringung der IBAN auf Zahlungsanweisungen."

Hermann Zernatto ist fuchsteufelswild. Vor allem deswegen, weil  er gerade bei den Pensionistenverbänden eine völlig falsche Einschätzung der Lage ortet: "Bei uns am Land ist das noch nicht bei den Menschen angekommen. Da sagen die Leute, den IBAN brauche ich nicht, ich hab eh mein Konto." Gerade in ländlichen Gebieten seien vor allem ältere Menschen seiner Erfahrung nach keineswegs mit Telebanking vertraut. Für den Kärntner dienen IBAN und Co vor allem einem: "Von den Bankkunden wird Telebanking eingefordert, damit dem Abbau von Schalterbeamten in Banken nichts im Wege steht. Die Bank wird zum Computer, der Kunde zur IBAN."

Kleine Banken interessiert

Aus der Nationalbank heißt es auf Anfrage, man wolle niemandem einen Stein in den Weg legen. Auch gegen einen Stempel wie den Ibanograf hätte man nichts einzuwenden. Allerdings, so OeNB-Sprecher Christian Gutlederer: "Zwei bis drei Überweisungen pro Monat erfolgen via Beleg. Die Frage ist also, ob das sinnvoll ist." Hermann Zernatto lässt sich aber ohnedies nicht beirren. Nicht nur, dass es auch andere gäbe, die vergleichbare Produkte anböten, Interessenten an seinem Ibanografen gäbe es genug, sagt er. Vor allem kleinere Banken aus dem ländlichen Raum sind bei ihm vorstellig geworden. (rebu, derStandard.at, 3.2.2014)

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  • Und so schaut der Ibanograf aus.
    foto: ibanograf

    Und so schaut der Ibanograf aus.

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