Internationale Studenten nutzen Wirtschaft des Gastlandes

3. Februar 2014, 12:12
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Durch Konsumausgaben, Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte - In Österreich wären Ausgaben bei Verbleib von 20 Prozent der Absolventen am Arbeitsmarkt in sieben Jahren wieder gedeckt

Wien - Mehr als ein Drittel der knapp 221.000 Studenten an Österreichs Unis kommt aus dem Ausland, die größte Gruppe (13 Prozent) davon aus Deutschland. Eine Studie zeigt nun, dass internationale Studenten nicht nur Kosten erzeugen, sondern der Wirtschaft des Gastlandes auch nutzen.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat darin die finanziellen Auswirkungen studentischer Mobilität auf das Gastland - darunter auch das Fallbeispiel Österreich - untersucht. Die wesentlichen Ergebnisse der vom Prognos-Institut durchgeführten Studie: Schon während des Studiums erzeugen die Studenten nicht nur (durch Nutzung von zum Großteil durch die öffentliche Hand finanzierten Studienplätzen) Kosten. Durch deren Ausgaben für Wohnen, Essen und sonstigen Konsum werden auch Erträge für die öffentlichen Haushalte und "beträchtliche Bruttowertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte" generiert. Die Effekte steigen weiter an, wenn internationale Absolventen nach dem Abschluss im Gastland bleiben und dort arbeiten.

2900 Euro Steuereinnahmen

In Österreich beschert ein internationaler Student dem Staat pro Jahr Steuereinnahmen von knapp 2.900 Euro, über die Wertschöpfung sichern knapp sieben internationale Studenten einen Arbeitsplatz. Bei einer angenommenen vierjährigen Studienzeit bedeutet das für alle internationalen Studenten Konsumausgaben von 683 Millionen Euro.

Dem gegenüber stehen zwar (inklusive Stipendien) Kosten von knapp 11.400 Euro pro Kopf bzw. bei vierjähriger Studienzeit (inklusive Stipendien) Gesamtkosten von knapp 2,7 Milliarden Euro. Allerdings: Bleiben 20 Prozent nach Abschluss des Studiums in Österreich und arbeiten hier, sind die Kosten durch deren Konsumaus- und Steuerabgaben innerhalb von knapp sieben Jahren gedeckt. Bleiben 30 Prozent, sind die Kosten in viereinhalb Jahren wieder herinnen.

Österreich ist damit - auch dank der vergleichsweise hohen Steuersätze - jenes der in der Studie untersuchten Länder, in dem sich laut Prognos die Ausgaben für internationale Studenten am schnellsten amortisieren. Zum Vergleich: In Deutschland dauert es siebeneinhalb Jahre (bei 20 Prozent Verbleibquote) bzw. fünf Jahre (30 Prozent), bis die Ausgaben wieder gedeckt sind; in der Schweiz - aufgrund der vergleichsweise geringen Steuersätze - sogar knapp 25 bzw. knapp 17 Jahre.

Datentechnisch "auf wackeligen Beinen"

Aus Sicht von Martin Unger vom Institut für höhere Studien (IHS) ist die Grundaussage der Studie, wonach die Gastländer von internationalen Studenten und vor allem den im Land bleibenden hoch qualifizierten Absolventen profitieren, auf jeden Fall korrekt. Die entscheidende Frage ist dabei aus seiner Sicht, wie viele Absolventen tatsächlich zum Arbeiten im Land bleiben.

Datentechnisch stehe die Prognos-Untersuchung allerdings "auf wackeligen Beinen", wie er betont. In Österreich würden Forschungsleistungen, die in den Vergleichsländern stärker an außeruniversitären Einrichtungen erbracht werden, eingerechnet und damit die Kosten tendenziell zu hoch angesetzt. Andererseits seien die Kosten für Studienplätze wiederum unterschätzt, da internationale Studenten vor allem in teuren Fächern wie Kunst, Musik und Technik zu finden, in den günstigeren Buchwissenschaften - mit Ausnahme von Psychologie oder Publizistik - aber unterrepräsentiert seien. Außerdem sei die durchschnittliche Studiendauer mit vier Jahren zu gering angenommen. "Für das Endergebnis macht das aber relativ wenig Unterschied, weil Absolventen dieser Fächer auch mehr verdienen und mehr Steuern bezahlen." (APA, 3.2.2014)

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