Volle Zimmer im Hotel Airbnb

3. Februar 2014, 11:48
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Airbnb, Wimdu oder 9flats sind ernste Konkurrenten für Hotelerie geworden

Einfach, schnell, unkompliziert. Das sei der Grund, warum er so darauf abfahre, sagt Helmut Brunner. Es sind Online-Plattformen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats, die es dem Ingenieur aus Wels angetan haben. Diese versprechen Urlaubserlebnisse der anderen Art und haben offensichtlich einen Nerv getroffen. Anfangs belächelt, sind sie inzwischen zum Schrecken des klassischen Beherbergungsgewerbes geworden. Immer mehr Gäste organisieren sich ihren Urlaub per Mausklick - und lassen Hotels links liegen.

Wohnen wie die Londoner

"Ich brauche keinen Zimmerservice und keine Rezeption. Was ich brauche, ist ein sauberes Zimmer, eine gute Matratze und nette Leute zum Reden", sagt der Mittvierziger. Am liebsten fliege er nach London, das nächste Mal zu Ostern. "Da kommt auch meine Frau mit. Die war bisher skeptisch und will sich's einmal anschauen."

Die Brunners wollen so wohnen wie die alteingesessenen Londoner, in einem Ziegelhaus mit einem Tesco und einem Pub ums Eck. "Ein Hotelzimmer in Shoreditch - das wäre zu teuer und weniger prickelnd", sagt Brunner.

Was der Ingenieur aus Wels macht, tun inzwischen Hunderttausende: Sie treffen Vereinbarungen mit Privatleuten, die ein oder zwei Zimmer, fallweise ein ganzes Haus für ein paar Tage oder Wochen gegen Bares abtreten. Damit Gastgeber und Gäste zueinanderfinden, hat sich dank Internet ein ganz neuer Geschäftszweig entwickelt: Online-Portale, die sich über Provisionszahlungen pro abgeschlossener Buchung finanzieren. Die erste und größte Plattform ist Airbnb.

Begonnen hat alles 2007

Drei Studenten, darunter Brian Chesky, stellten aus Geldnot ein leerstehendes Zimmer in ihrer Wohnung in San Francisco ins Internet - mit einer Luftmatratze als Bett und Frühstück. Airbnb, der spätere vollständige Name des Unternehmens, das 2008 aus der Taufe gehoben wurde, leitet sich von "airbed and breakfast" ab. Inzwischen steht Airbnb für die größte Plattform-Vermittlung von teils extravaganten Privatquartieren weltweit. Mit gut 550.000 Unterkünften in 192 Ländern, davon etwa 3500 in Österreich, und einer Gesamtgästeanzahl von gut zehn Millionen ist Airbnb ein gewichtiger Player im Tourismus. Das ärgert zunehmend die Hotellerie.

"Wir wollen und können diese Entwicklung nicht rückgängig machen. Was wir fordern, ist Fair Play." Maria Wottawa hat den Aufstieg der einschlägigen Online-Portale hautnah verfolgt und beobachtet für die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) die Entwicklung noch immer mit Argusaugen. "Es kann nicht sein, dass jemand touristisch agiert, aber nicht wie ein Tourismusbetrieb behandelt wird", sagt sie.

Das fange bei Steuern und Abgaben an und höre bei der Betriebsbewilligung auf. "Nach jedem Besuch einer Aufsichtsbehörde ist eine Latte von Dingen neu zu machen, Filter, Stiegengeländer und vieles mehr, alles im Interesse der Sicherheit der Gäste, wie es heißt. Und der Private? Der muss gar nichts machen", ärgert sich Wottawa.

"Wir vergrößern den Markt"

Ins selbe Horn stoßen die Hoteliers in Deutschland und der Schweiz. Bei den Online-Plattformen ist man naturgemäß anderer Ansicht. "Wir sagen unseren Partnern, dass sie sich nach den Gesetzen des jeweiligen Landes zu richten haben. Ich wundere mich nur", sagt beispielsweise Brian Chesky, Mitgründer und CEO des Branchenprimus Airbnb. Er sieht sein Unternehmen nicht als Konkurrenz für die klassischen Hotels, sondern als Ergänzung: "Wir vergrößern den Markt."

Tatsächlich hat Airbnb neben hunderttausenden Unterkünften rund um den Globus auch 17.000 Villen, 4000 Hütten, 640 Schlösser, 1400 Hausboote und 300 Baumhäuser im Programm.

"Diese extravaganten Sachen, die stören auch gar nicht so, wiewohl sich auch hier die Frage der abgaberechtlichen und sicherheitstechnischen Gleichbehandlung stellt", sagt ÖHV-Frau Wottawa. "Der Großteil des Geschäfts wird in Stadtwohnungen gemacht. Das sind Objekte, die Wohnungssuchenden vorenthalten werden."

Besonders akut ist die Situation in Berlin, wo mit Wimdu und 9flats gleich zwei Vermittlungsportale ihren Sitz haben. Nach einem Beschluss der Stadtregierung müssen gewerbsmäßige Betreiber von Ferienwohnungen dort seit neuestem eine Genehmigung beim Bezirksamt einholen. Nach Schätzung der Berliner Stadtregierung handelt es sich bereits um 15.000 Wohnungen, die auf dem Mietmarkt fehlen.

Harte Zahlen fehlen

In Österreich, wo 9flats mit rund 10.000 gelisteten Unterkünften vor Wimdu (7500) und Airbnb (3500) liegt, beschränkt sich das Phänomen im Wesentlichen auf Wien und - mit Abstrichen - auf Salzburg. "Wir profitieren von diesen Plattformen, sie treiben die Nächtigungsstatistik nach oben", sagt Norbert Kettner, Chef von Wien Tourismus. Harte Zahlen, die das beweisen, hat er freilich keine bei der Hand. Er versteht die Klagen der Hotellerie und meint: "Da ist die Politik gefragt, die muss ordnungspolitische Maßnahmen setzen."

Das sieht auch Markus Kroner, Rechtsanwalt in Salzburg und Berater der ÖHV, so. "Das Mietrechtsgesetz und die Gewerbeordnung haben mit den jüngsten Entwicklungen nicht Schritt gehalten. Da gibt es zum Teil rechtsfreie Räume. Die sollten im Sinne aller Beteiligten gefüllt werden." (Günther Strobl, DER STANDARD, 1.2.2014)

  • Damit Gastgeber und Gäste zueinanderfinden, hat sich dank Internet ein ganz neuer Geschäftszweig entwickelt: Online-Portale, die sich über Provisionszahlungen pro abgeschlossener Buchung finanzieren. Die erste und größte Plattform ist Airbnb.
    screenshot: red

    Damit Gastgeber und Gäste zueinanderfinden, hat sich dank Internet ein ganz neuer Geschäftszweig entwickelt: Online-Portale, die sich über Provisionszahlungen pro abgeschlossener Buchung finanzieren. Die erste und größte Plattform ist Airbnb.

  • Privatquartieranbieter im Vergleich
    illustration: fatih aydogdu

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