Großübernahme zahlt sich für Julius Bär aus

3. Februar 2014, 10:43
posten

Die Privatbank verwaltet 254 Milliarden Franken, der Gewinn steigt um ein Fünftel, doch der Aktienkurs fällt

Zürich - Die Übernahme des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch zahlt sich für die Schweizer Privatbank Julius Bär aus. Der Zukauf bescherte Bär im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Kundengelder. Die verwalteten Vermögen stiegen um 34 Prozent auf 254 Mrd. Franken (207,9 Mrd. Euro), wie der größte börsennotierte reine Vermögensverwalter des Landes am Montag mitteilte.

Der bereits übernommene Teil des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America/Merrill Lynch steuerte 53 Mrd. Franken bei. In den kommenden Monaten sollen schrittweise weitere Teile integriert werden, allerdings weniger schnell als geplant: Bär hatte ursprünglich in Aussicht gestellt, dass bis zum Abschluss der Integration Anfang 2015 Vermögen von insgesamt 57 Mrd. bis 72 Mrd. Franken zufließen. Das Institut geht nun davon aus, lediglich das untere Ende der Spanne zu erreichen. "Die Akquisition läuft nicht so gut wie erhofft", erklärte ein Analyst.

Börsianer hatten sich von Bär im vergangenen Jahr mehr erhofft. Analysten hatten mit einem bereinigten Gewinn von 495 Mio. Franken gerechnet, Bär erreichte aber nur 480 Mio. Franken - immerhin ein Plus von 19 Prozent. Das half der Aktie aber nicht, die im frühen Handel um 2,7 Prozent auf 42,83 Franken fiel.

300 Stellen abgebaut

2013 habe Bär rund 300 Stellen abgebaut, um Überlappungen aus der Übernahme aufzuheben. Im laufenden Jahr sollen weitere rund 400 Stellen gestrichen und das Geschäft von Merrill Lynch in die Gewinnzone geführt werden. Bär bestätigte auch die übrigen mittelfristigen Ziele. So will die Bank jedes Jahr neues Geld im Umfang von vier bis sechs Prozent des Bestandes einsammeln. 2013 lag dieser Wert am unteren Rand der Spanne. Kunden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern legten ihre in der Schweiz geparkten Vermögen den Steuerbehörden offen und müssten dafür Zahlungen leisten - Geld, dass sie bei Bär abziehen.

Für den US-Steuerstreit verbuchte Bär 2013 Ausgaben und Rückstellungen von 35 Millionen Franken. Dies deckt die Kosten für Juristen, nicht aber für eine Buße ab, die Experten zufolge mehrere Hundert Millionen Franken erreichen könnte. "Wir sind immer noch nicht in der Lage zu sagen, wie hoch der Betrag eines Vergleichs schließlich ausfallen wird", erklärte Konzernchef Boris Collardi in einer Telefonkonferenz. Der Zeitpunkt einer Einigung hänge praktisch ausschließlich vom US-Justizministerium ab. "Wann immer sie an uns herantreten, sind wir bereit." Die Amerikaner werfen der Bank vor, eine regelrechtes Geschäftsmodell entwickelt zu haben, mit dem reiche Amerikaner Schwarzgeld bei der Bank verstecken konnten. Bär ist eines der 14 Schweizer Institute, gegen die das amerikanische Justizministerium Verfahren wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung eingeleitet hat. (APA/Reuters, 3.2.2014)

  • Artikelbild
    foto: reuters/michael buhozler
Share if you care.