Olympia vor Augen, Verträge im Hinterkopf

Blog3. Februar 2014, 08:42
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Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür, für die Hälfte der österreichischen Nationalspieler wird sich in den kommenden Wochen jedoch auch die persönliche Zukunft entscheiden.

Wenn die 25 auserwählten Repräsentanten des Team Austria (Kaderliste) in zehn Tagen in das olympische Turnier einsteigen, betreten sie die größte aller möglichen Bühnen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit der Eishockeywelt werden die rot-weiß-roten Eishackler Zeugnis über den Entwicklungsstand des österreichischen Kufensports ablegen, gleichzeitig eröffnet sich jedem von ihnen aber auch die Möglichkeit, sich selbst in den Vordergrund zu spielen und für höhere Aufgaben zu empfehlen. Denn bei mehr als der Hälfte der Spieler im Olympiakader läuft der Kontrakt mit ihrem aktuellen Arbeitgeber zum Saisonende aus. Sie alle werden während der Spiele von Sotschi und in den Wochen danach Entscheidungen über ihren weiteren Karriereverlauf zu treffen haben. Im Folgenden ein Überblick über die Zukunftsaussichten der Nationalspieler mit auslaufenden Verträgen.

Zwei Szenarien für Vanek

Seit neun Jahren spielt Thomas Vanek in der NHL, 675 Mal stand er bisher in der besten Liga der Welt am Eis. Österreichs Topstar hat viel gesehen und erlebt, versagt blieb ihm bisher die Erfahrung, als Free Agent seinen eigenen Marktwert testen zu können. Im Sommer ist es soweit, dann läuft sein 2007 in Kraft getretener und mit 50 Millionen Dollar dotierter Vertrag aus, Vanek könnte sich am Transfermarkt erstmals völlig frei bewegen. Sein aktueller Klub will das verhindern, die New York Islanders haben dem 30jährigen ein Angebot zur Verlängerung der Zusammenarbeit vorgelegt. Während der Kapitän der Nationalmannschaft in Sotschi am Eis steht, wird sein Agent Stephen Bartlett weiter mit den Islanders verhandeln, spätestens an den ersten Märztagen wird es eine Entscheidung geben. Einigt man sich nicht, wechselt Vanek wohl noch in der laufenden Saison das Team, denn die von nur noch vagen Hoffnungen auf eine Play-Off-Qualifikation begleiteten Islanders würden dann vermutlich versuchen, ihn noch vor dem Transferschluss am 5. März gegen personelle Zukunftsaktien einzutauschen. Für den rot-weiß-roten Ausnahmespieler zeichnen sich also zwei mögliche Szenarien ab: Erstens, er unterschreibt innerhalb der nächsten knapp fünf Wochen einen (über mehrere Jahre laufenden) Vertrag auf Long Island. Zweitens, er tut dies nicht und wird damit zu einem der gefragtesten Spieler am sommerlichen Markt der Free Agents - unabhängig davon, ob er Anfang März den Klub wechselt (bzw. wechseln muss) oder nicht.

Michael Raffl winkt guter Vertrag

Als sich Österreich vor zwölf Monaten für die Olympischen Spiele 2014 qualifizierte, spielte Michael Raffl noch im beschaulichen Leksand in Schwedens zweiter Liga. Ein für ihn märchenhaftes Jahr später gehört der 25jährige zum Stammpersonal bei den Philadelphia Flyers und hat sich in der NHL etabliert. Sein durch das Regelwerk auf eine Laufzeit von einer Saison beschränkter Vertrag läuft im Sommer aus, der gebürtige Villacher wird zu einem Restricted Free Agent. Analog zur Situation Thomas Vaneks in Buffalo im Jahr 2007 behält Philadelphia also eine Art Vorkaufsrecht auf Raffl, alles deutet darauf hin, dass das Team dieses auch geltend machen wird. Dem jüngsten der rot-weiß-roten NHL-Exporte winkt bei den Flyers ein mehrjähriger Vertrag zu deutlich verbesserten Konditionen.

Kontinuität in der Defensive

Von jenen acht Cracks, die in Sotschi Österreichs Verteidigung bilden werden, verfügen fünf über Verträge, die sie über den kommenden Sommer hinaus an ihre aktuellen Arbeitgeber binden. Lediglich die Vereinbarungen von André Lakos (Vienna Capitals), Robert Lukas (EHC Linz) und Florian Iberer (Klagenfurter AC) laufen mit Saisonende aus, in allen drei Fällen ist davon auszugehen, dass ihnen von ihren Vereinen Angebote zur Vertragsverlängerung unterbreitet werden und sie diese auch annehmen. KAC-Defender Iberer, aktuell im optionalen Jahr eines "1+1"-Deals, darf dabei mit einer spürbaren Gehaltserhöhung rechnen.

Ähnlich stabil stellt sich die Situation bei den Torhütern im Olympiakader dar. René Swette ist noch längerfristig an den Rekordmeister aus Klagenfurt gebunden, die beiden Goalie-Legionäre Bernhard Starkbaum und Mathias Lange werden weiterhin im Ausland bleiben. Während Lange am vergangenen Freitag seine Unterschrift unter einen neuen, bis 2015 laufenden Kontrakt mit DEL-Klub Iserlohn setzte, lässt eine offizielle Bestätigung aus Schweden die weitere Zusammenarbeit zwischen Starkbaum und Brynäs betreffend noch auf sich warten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es dem Team aus Gävle gelingen wird, Österreichs Nummer eins für zwei weitere Jahre zu verpflichten.

Setzinger vor Rückkehr nach Österreich

Die heißeste Transferaktie unter den in Europa tätigen Nationalspielern ist Oliver Setzinger, bei dem sich nach sieben Jahren in Nordamerika und in der Schweiz eine Rückkehr nach Österreich abzeichnet. Am 157-fachen Teamspieler waren in den vergangenen Saisonen immer wieder EBEL-Klubs interessiert, speziell die Vienna Capitals trachteten danach, Setzinger in seine Heimatstadt zurückzuholen. Entgegen standen diesem Bestreben primär finanzielle Gründe: Alleine die durch den im Vorjahr geschafften Aufstieg in die NLA realisierte Gehaltserhöhung bei Lausanne war größer als das Jahresgehalt des aktuell bestverdienenden Österreichers im Kader der Wiener.

Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen geändert, aus familiären Motiven zieht es Setzinger zurück in seine Heimat, deutliche finanzielle Abstriche würde er dabei in Kauf nehmen. Insgesamt ist es als wahrscheinlich einzustufen, dass der 30jährige, der weniger als 20 Prozent der Spiele seiner Profilaufbahn in der heimischen Meisterschaft absolvierte, im Sommer in die Erste Bank Eishockey Liga zurückkehrt.

Salzburg will Trio halten

Das größte Kontingent an Stürmern im Olympiakader stellt mit dem EC Salzburg der aktuelle Tabellenführer der EBEL. Während Daniel Welser noch über die laufende Spielzeit hinaus an die Bullen gebunden ist, enden die Vereinbarungen mit Thomas Raffl, Manuel Latusa und Andreas Nödl allesamt im Sommer. Der Verein ist bestrebt, das Trio mit längerfristigen Verträgen auszustatten, und hat dabei durchaus gute Karten: Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des Klubs, der fixe Champions League-Startplatz und das im Vergleich zur Vergangenheit deutlich verbesserte Betriebsklima sind maßgebliche Argumente, die Salzburg zu einer der attraktivsten Adressen in der Liga machen.

Bescheiden erfolgreiches Auslandsabenteuer

Zu seinen Wurzeln zurückkehren könnte im Sommer Thomas Hundertpfund. Mit einer starken Weltmeisterschaft empfahl sich der Klagenfurter im Vorjahr für ein Auslandsengagement, traf mit Timrå in Schwedens zweiter Liga jedoch keine glückliche Wahl. Über weite Strecken der Saison wurde er in den hinteren Linien eingesetzt, erst in den vergangenen Wochen bekam er vermehrt Eiszeit in den offensiveren Formationen. Dieses Upgrade ließ vorerst auch eine mögliche Rückkehr zum KAC platzen, denn dem Vernehmen nach diskutierten Hundertpfund und Teamchef Viveiros, gleichzeitig Sportdirektor beim Rekordmeister, zuletzt nicht nur über das bevorstehende Olympiaturnier. Da Timrå kaum realistische Chancen auf den Aufstieg in die SHL hat, scheint es unwahrscheinlich, dass der 24jährige über das Saisonende hinaus beim Klub bleibt.

Offene Zukunft für Mittelstürmer

Thomas Koch, nomineller Erstliniencenter der Olympiamannschaft, steht aktuell im dritten Jahr seines sich über fünf Spielzeiten erstreckenden Vertrags in Klagenfurt, der allerdings Ausstiegsoptionen beinhaltet. Sah es vergangenen Sommer danach aus, als würde der 30jährige 2014 noch einmal den Sprung ins Ausland wagen, dürfte nach der eher durchwachsenen laufenden Spielzeit die Anzahl der lukrativen Angebote recht beschränkt sein. Als Kapitän seines Teams fokussierte sich Koch in den letzten Wochen vor allem auf das Finden eines Weges aus der gegenwärtig prekären sportlichen Situation, stellte seine persönliche Zukunft hinten an.

Im dritten und letzten Jahr seines derzeitigen Vertrags befindet sich Kochs Center-Kollege Daniel Oberkofler. Nach acht Saisonen im Trikot des EHC Linz böte sich ein Tapetenwechsel an, doch Coach Rob Daum, gleichzeitig Co-Trainer im Nationalteam, hält große Stücke auf den 25jährigen. Eine Verlängerung bei den Black Wings scheint daher wahrscheinlich, Oberkofler dürfte jedoch auch ein Angebot seines Stammvereins ins Haus flattern: Den Graz 99ers steht erneut ein personeller Umbruch bevor, der Center könnte dabei eine prominentere Rolle einnehmen als er sie in Linz innehat. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 3.2.2014)

  • Wichtige Wochen für Thomas Vanek: Kapitän bei Olympia, parallel laufen die Verhandlungen mit den New York Islanders.
    foto: apa/fohringer

    Wichtige Wochen für Thomas Vanek: Kapitän bei Olympia, parallel laufen die Verhandlungen mit den New York Islanders.

  • Nationaltorhüter Bernhard Starkbaum wird seinen auslaufenden Vertrag in Schweden um zwei Jahre verlängern.
    foto: reuters/dukor

    Nationaltorhüter Bernhard Starkbaum wird seinen auslaufenden Vertrag in Schweden um zwei Jahre verlängern.

  • Sein WM-Einsatz gegen Russland öffnete Michael Raffl die Tür in die NHL. In Philadelphia hat er sich durchgesetzt, ihm winkt ein neuer Kontrakt.
    foto: ap/nukari

    Sein WM-Einsatz gegen Russland öffnete Michael Raffl die Tür in die NHL. In Philadelphia hat er sich durchgesetzt, ihm winkt ein neuer Kontrakt.

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