Michael Bloomberg: Ein streitbarer Milliardär in neuer Mission

2. Februar 2014, 18:34
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Der frühere Bürgermeister wird neuer UN-Sondergesandter für Klimafragen

An seinem letzten Arbeitstag als Bürgermeister von New York witzelte Michael Bloomberg, er habe jetzt endlich Zeit, seinen Bibliotheksausweis zu verwenden und wieder im Freien laufen zu gehen. Auf die Frage, wie er den nächsten Tag verbringen werde, antwortete er: "Ein bisschen länger schlafen."

Man kann es dem 71-jährigen Multimilliardär nur wünschen, dass er sich ordentlich ausgeschlafen hat. Einen Monat nach seinem Abtritt vom New Yorker Spitzenamt steht er vor einer neuen, schwierigen Aufgabe: Als UN-Sonderbeauftragter für Städte und Klimawandel soll er in Metropolen für Klimabewusstsein sorgen und Umweltmaßnahmen anstoßen. Weltweit.

Schillernde Figur

Für die Uno ist Bloomberg ein Glücksgriff. Die Klimaverhandlungen haben an Dynamik verloren. Bloomberg ist eine schillernde Figur, findet Gehör und geht keinem Konflikt aus dem Wege. Das hat er als Bürgermeister in Streitfragen oft genug bewiesen. So sprach er sich etwa für Abtreibung, für mehr Einwanderung und für eine strengere Waffenkontrolle aus.

Der streitbare Geschäftsmann und Politiker, der sein Vermögen als Wall-Street-Händler und mit dem nach ihm benannten Medienunternehmen für Nachrichten- und Finanzdatenanbieter machte, setzt sich seit Jahren für den Klimaschutz ein. Der Stadt New York verordnete er im Rahmen eines Langzeitplans für mehr Umweltfreundlichkeit und weniger Treibhausgas-Emissionen eine Pkw- und Lkw-Maut, Taxis mit Hybrid-Antrieb, die Begrünung aller Flachdächer sowie Radwege und mehr Parks.

Obama-Unterstützer

Nach dem Hurrikan Sandy sprach er sich wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl 2012 für eine Wiederwahl Barack Obamas aus - Begründung: Obama sei im Kampf gegen den Klimawandel der bessere Kandidat. Bereits 2011 tat sich Bloomberg mit Ex-Präsident Bill Clinton zusammen, um im Rahmen der C40, einer Gruppe von Weltstädten, gegen Treibhausgas-Emissionen zu kämpfen. Noch leitet er die Gruppe, die er mit jährlich sechs Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen unterstützte.

Bloomberg, der in Boston in eine jüdische Familie geboren wurde und Ingenieurswissenschaften studierte, war Mitglied der Demokraten und wechselte dann zu den Republikanern. Seine dritte Amtszeit bestritt er als Unabhängiger, selbst Kritiker bescheinigen ihm eine gute Bilanz. Sein Vermögen wird auf über 25 Milliarden Dollar geschätzt - das er verschenken will, bevor er stirbt. (Julia Raabe, DER STANDARD, 3.2.2014)

  • Der 71-jährige Michael Bloomberg berät künftig Ban Ki Moon.
    foto: reuters/stapleton

    Der 71-jährige Michael Bloomberg berät künftig Ban Ki Moon.

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