Familienzuwachs aus der Millionenstadt

2. Februar 2014, 18:09
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Peter-Michael Reichel hat den Fußball in Österreich überstanden und expandiert im Tennis nach China

Linz/Wien - Peter-Michael Reichel ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Sein Baum war und ist eben das Tennis, speziell das Damentennis. "Eine gewachsene Geschichte." 14 Jahre lang versuchte sich der 61-jährige Oberösterreicher zusätzlich im Fußball. 2000 hatte er den damals kaputten LASK übernommen, die totale Pleite verhindert. Vor ein paar Wochen ist er den Linzer Traditionsverein (Meister 1965!) wieder losgeworden. Ein Konsortium hat zugeschlagen beziehungsweise Erbarmen gezeigt. "Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen. Verteilt man die Verluste über den gesamten Zeitraum, war es nicht so schlimm."

Aus dem LASK ist immerhin eine Macht in der Regionalliga Mitte geworden. Reichel musste erfahren, "dass der Fußball nicht nach normalen Geschäftsbedingungen und -regeln funktioniert. Man kann nicht in Ruhe und kontinuierlich arbeiten und planen, das verhindert die Medienwelt. Es wird täglich alles infrage gestellt." Zudem habe er nie das Gefühl gehabt, "dass die Landes- und Stadtpolitik einen Spitzenklub in Linz haben will. Es gab nie ein klares Bekenntnis, die Infrastruktur ist indiskutabel. Dass die Bundesliga 2012 die Lizenz verweigert hat, ist für mich nach wie vor nicht nachvollziehbar. Ich habe das Ganze unterschätzt, mein Fehler."

Seit ein paar Tagen besitzt Reichel bzw. seine Firma MatchMaker ein viertes Tennisturnier. Linz war das erste, quasi die Mutter, sie wird bald 25 Jahre alt. Bad Gastein und Nürnberg sind die Nummern zwei und drei, die Töchter. Jetzt haben sie eine Schwester bekommen, die Tianjin Open in China.

Männer sind eine Utopie

Die Spielerinnenvereinigung WTA bietet im Jahr global 54 Veranstaltungen an. Vier davon richtet nun Reichel aus. Er zählt somit zu den "Topplayern". Octagon hat acht Turniere, IMG sechs, die sind freilich riesige Agenturen und zudem im Herrentennis engagiert. Davon träumt Reichel maximal. "Es gibt keine Lizenzen, außerdem sind sie doppelt so teuer." Die Startgelder bei den Männern seien nahezu utopisch, Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Roger Federer heben das Telefon erst bei einer Summe von rund einer Million Dollar ab. Maria Scharapowa verlangt höchstens halb so viel. Serena Williams muss in erster Linie Lust haben, überhaupt in ein Flugzeug zu steigen.

Reichels vier Turniere sind mit je 250.000 Dollar dotiert, gehören der niedrigsten Kategorie an. "Das macht Sinn, man hat Reserven für die Verpflichtung von Stars." Eine WTA-Lizenz kostet zwei bis vier Millionen Dollar, diese Summen werden offiziell nicht dementiert, sie stimmen nämlich.

Tianjin vs. Linz

"China", sagt Reichel, "ist ein absoluter Coup und eine Investition in die Zukunft." Tennis boome weltweit. "Es gibt maximal regionale Probleme. Zum Beispiel in Österreich. Es wäre gut, würde eine junge Athletin den Durchbruch schaffen. Ich sehe leider keine." China liegt diesbezüglich auf der Sonnenseite. Li Na hat unlängst die Australian Open gewonnen, sie ist in ihrer Heimat ein Superstar. Die Einschaltquoten erreichen olympische Dimensionen. Reichel hofft, "dass sie die Tianjin Open spielt". Die finden ab 6. Oktober statt. Man konkurrenziert sich, Linz hat denselben Termin. Egal, Tochter Sandra schupft den Laden daheim.

Die Verhandlungen mit den Chinesen seien, so Reichel, gar nicht zäh gewesen. "Die Bonzen und Funktionäre spielen und lieben Tennis. Es ist so, als würde Bürgermeister Michael Häupl in Wien eine eigene Halle haben."

Die Hafenstadt Tianjin hat rund acht Millionen Einwohner, das Tennisstadion lässt keine Wünsche offen. 7000 Zuschauer haben darin Platz. Reichel sagt: "Wir werden alles in Ruhe vorbereiten." Den Lärm beim LASK werde er künftig ignorieren. "Das ist überstanden. Ich wünsche dem Fußball aber nur das Beste." (Christian Hackl, 03.02.2014)

  • Reichel hat nun vier Tennisturniere und genau null Fußballklubs.
    foto: apa/rubra

    Reichel hat nun vier Tennisturniere und genau null Fußballklubs.

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