Sony Xperia Z1 Compact im Test: Kleines Smartphone, große Leistung

12. Februar 2014, 12:22
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Outdoor-Androide mit 4,3-Zoll-Display und starker Hardware - langlebiger Akku, Defizite bei der Kamera

Mit dem Xperia Z hat der Elektronikhersteller Sony im Frühjahr 2013 ein gelungenes Comeback in den Bereich der High-End-Smartphones gegeben. Von kleinen Schwächen abgesehen lieferte das Gerät durchwegs gute Performance und ansprechende Features, insbesondere für jene Leute, die auch bei Wind und Wetter nicht auf ihr Mobilgerät verzichten wollen.

Mit dem Z1 setzte Sony das Konzept fort und lieferte im Herbst eine aufgebohrte Variante des neuen Flaggschiffs. Mit dem Z1 Compact (in Japan kennt man das Gerät in einer leicht unterschiedlichen Ausführung schon etwas länger als Z1F) folgt man nun auch dem Trend, Spitzengeräte in handlicherer Form anzubieten. Der WebStandard hat das Android-Phone getestet.

Gleiche Liga

Samsung hat es mit dem S4 mini getan, HTC mit dem One Mini. Auch das Z1 hat nun einen "kleinen Bruder". Während die beiden Erstgenannten allerdings einige Abstriche im Vergleich zur "großen" Ausgabe hinnehmen musste, soll das Z1 Compact in der gleichen Liga spielen wie das Z1.

So liest sich dann auch die Hardwarezusammenstellung. Als Basis werkt Qualcomms MSM8974 Snapdragon-800-Chip, der gleiche wie im Z1. Die vierkernige CPU taktet mit 2,2 GHz und kann auf zwei GB RAM zurückgreifen, der Onboardspeicher beträgt 16 GB und kann dank microSD-Slot um bis zu 64 GB erweitert werden.

Kamera und Konnektivität

Neben leistungsstarker Hardware, der Staub- und Wasserfestigkeit (ein Meter Tiefe bis zu 30 Minuten) nach IP58-Definition zählte die 20,7-Megapixel-Hauptkamera beim Z1 zu den wesentlichsten Features. Auch die Kompaktvariante liefert eine solche Auflösung, unterscheidet sich allerdings trotzem merklich – doch dazu später. Die Kamera auf der Frontseite liefert zwei Megapixel.

Darüber hinaus sind alle Standardfeatures (WLAN – inkl 802.11ac, GPS, Bluetooth, NFC, 3G) vorhanden, darüberhinaus kann das Gerät zwecks Navigation auch GLONASS nutzen und beherrscht außerdem LTE mit bis zu 150 Megabit an Downloadbandbreite.

Kleinerer Akku, tolles Display

Eine größenbedingte Reduktion musste das Z1 Compact dann aber doch hinnehmen. Anstatt einer Akkukapazität von 3.000 mAh werden hier 2.300 mAh geliefert. Der Akku ist fix verbaut.

Kleiner ist wie bereits erwähnt auch das Display. Auf einer Diagonale von 4,3 Zoll (10,92 cm) stellt es 1.280 x 720 Pixel dar, was sich auf etwa 342 PPI umrechnen lässt und absolut ausreichend ist.

In Sachen Farben und Kontrasten hat Sony, vor allem im Vergleich mit dem etwas blassen Schirm des Xperia Z, klar dazugelernt. Foto- und Videodarstellung sollen softwareseitig durch die X-Reality-Engine besser aussehen. In der Praxis war der Unterschied zwischen an- und abgedrehtem X-Reality allerdings kaum bis gar nicht feststellbar.

Android 4.3 im Sony-Stil

Als Betriebssystem kommt Android 4.3 zum Einsatz. Das System hebt sich grafisch deutlich von Stock Android ab und bringt Sony-eigene Varianten einiger Standard-Apps mit, am Bedienkonzept an sich hat sich aber nur sehr wenig geändert. Einer der größeren Unterschiede ist der Verzicht auf eine zweite Seite mit Einstellungen in der Notification Area. Stattdessen findet sich am oberen Bildschirmrand eine Leiste mit Umschaltmöglichkeiten.

Ein nettes Gimmick ist der Handschuhmodus. Dieser erhöht die Empfindlichkeit des Displays und erlaubt, wie der Name es schon verrät, die Bedienung selbigen mit Handschuhen. Dies ist auch intelligent umgesetzt. Zur Hilfe blendet das System hier rund um die gerade berührte Stelle einen größeren Kreis ein und erleichtert es damit, auch wirklich zu treffen, was man möchte.

Gut verarbeitet

In ästhetischer Hinsicht liefert Sony Bekanntes, aber eben in kleiner. Sowohl die Vorderseite mit ihrem 4,3-Zoll-Display, als auch die Rückseite sind verglast. Das lässt das tadellos verarbeitete Gerät zwar edel aussehen, macht es aber auch zum Fingerabdruckmagneten.

Mit Maßen von 127 x 64,9 x 9,5 mm liegt das Gerät angenehm in der Hand. Der Ein-/Aus-Schalter liegt wie bei der großen Variante in der Mitte der rechten Seite. Unmittelbar darunter ist die Lautstärkewippe platziert, was eine eher unübliche Entscheidung ist – ebenso wie der eigenständige Kamera-Knopf, den man heute nicht mehr auf vielen Phones findet. Ein Problem ist das allerdings nicht, da die Tasten alle gut erreichbar sind .Auf der Oberseite ist der Kopfhörerausgang.

Taucher

microSIM-Slot, microSD-Steckplatz und microUSB-Anschluss wurden am linken Rand platziert. Sie sind jeweils von gummierte Abdeckungen geschützt, welche die Wasserdichtigkeit gewährleisten sollen. Die beiden Pins des Dockanschlusses hingegen liegen frei.

Freilich ist von hohem Interesse, ob das Versprechen der Wasserdichtigkeit erfüllt wird. Nach 20 Minuten in einer tieferen Schüssel lässt sich sagen: Ja. Wer alle Abdeckungen ordentlich verschließt, muss sich nicht davor fürchten, das Handy mal kurz zu "versenken". Regen stellt folglich überhaupt kein Problem dar. 

Stark in Benchmarks und Praxis

In Benchmarks liefert die Hardware wenig überraschend Spitzenwerte. Beim Allround-Test mit Antutu stehen rund 33.400 Zähler zu Buche, ein Wert wie ihn etwa das LG G2 erreicht. Im HTML5-Benchmark mit Vellamo setzt sich das Gerät mit knapp 3.000 Punkten an die Spitze des Feldes, noch vor dem Xperia Z Ultra oder Samsungs Galaxy Note 3. Mit einem Schnitt von 58,4 Bildern pro Sekunde gibt sich das Smartphone auch im 3D-Testlauf mit Epic Citadel keine Blöße.

In der Praxis übersetzen sich die Ergebnisse in ein ruckelfreies, flüssiges Bedienerlebnis. Sowohl bei einfachem Medienkonsum, beim Browsern und aufwändigeren Spielen lässt das Z1 Compact brav die Muskeln spielen. Dank der kompakten Form des Smartphones lässt sich fast alles einhändig erledigen.

Kamera-Defizite

Kritik muss sich Sony allerdings bei der Kamera gefallen lassen. Dass diese die gleiche Auflösung liefert, wie das Modul am normalen Z1, könnte zu der Annahme führen, dass gleiche Bildqualität zu erwarten ist. Dem ist jedoch nicht so.

Die Kamera des Z1 Compact liefert erheblich geringere Schärfe und auch spürbar weniger Details als ihr Gegenstück. Bei schwindendem Echtlicht lässt die Bildqualität dramatisch nach. Auch bei der Farbdarstellung scheint sie etwas weniger differenzierte Ergebnisse zu produzieren. Auf den ersten Blick sehen die Bilder immer noch "gut" aus, bei detaillierter Betrachtung fallen sie aber schnell auf.

Gut nachvollziehen lässt sich dies etwa an Vergleichsaufnahmen bei GSM Arena. Immerhin, die Kamera ist schnell einsatzbereit und löst flott aus. Ein Schwachpunkt ist die Frontkamera, die bestenfalls unterdurchschnittliche Schnappschüsse produziert.

Marathon-Akku

In Sachen Akku hat Sony allerlei Optimierungsfunktionen ins System implementiert, die man bereits aus den Vorgänger-Smartphones kennt. Die radikalste Variante ist wohl der "Stamina"-Modus, in welchem die Übertragung von Hintergrunddaten bei ausgeschaltetem Display gänzlich gekappt wird. Standardmäßig aktiviert ist, dass Hintergrunddaten in eine Warteschleife eingereiht und erst in festgelegten Intervallen verschickt bzw. abgeglichen werden.

Bereits in dieser Einstellung erweist sich der Akku als ausgesprochen langlebig. Innerhalb eines Tages gelegentlicher Nutzung sank der Stand von 100 Prozent auf gerade einmal 90 Prozent. User, die nur ab und an auf ihrem Telefon surfen und Gespräche führen, dürften wohl einige Tage ohne Wiederaufladen auskommen.

Gute Telefonieeigenschaften, mäßiger Lautsprecher

Dem wasserfesten Verbau zum Opfer gefallen ist die Qualität des externen Lautsprechers. Dessen Klang wirkt schon bei mittlerer Lautstärke dumpf und verzerrt. Der Audio-Output über den Kopfhöreranschluss ist dafür von guter Qualität, auch beim Telefonieren gibt es keine Probleme mit der Sprachqualität auf beiden Enden der Leitung. Die GSM- und WLAN-Empfangsstärke des Geräts ist gut.

Fazit: Klein, aber oho

Sony liefert mit dem Xperia Z1 Compact ein schönes Beispiel dafür, dass "kleiner" nicht immer "schwächer" bedeuten muss. Es nutzt die gleiche Basis wie das "Z1", bleibt dabei aber wesentlich handlicher.

Zwar zeigt das Trendbarometer (speziell auf asiatischen Märkten) nach wie vor in Richtung größere Displays, zunehmende erhören die Hersteller aber auch den Ruf nach Geräten, die bequem mit einer Hand steuerbar sind. Unter diesen ist das Z1 Compact ein Meisterstück, das besonders Outdoor-Freunde ansprechen dürfte.

Abstriche gibt es beim (trotzdem sehr langlebigen) Akku und vor allem der Kamera, was etwas schade ist. Zu haben ist das Android-Phone ab etwa 470 Euro, was das Gerät teurer macht als andere "Mini"-Varianten. Defacto liegt es preislich damit am Niveau des normalen Z1. Welches der beiden Geräte man bevorzugt ist damit primär eine Frage des Formfaktors. Freunde kleinerer Handys machen mit dem Z1 Compact einen guten Kauf.

In Österreich wird das Telefon derzeit von A1 und "3" als Vertragsgerät angeboten. (Georg Pichler, derStandard.at, 12.02.2014)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion für einen begrenzten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

  • Im gewohnten Design liefert Sony mit dem Xperia Z1 Compact eine handlichere Version des Z1.
    foto: derstandard.at/pichler

    Im gewohnten Design liefert Sony mit dem Xperia Z1 Compact eine handlichere Version des Z1.

  • Die Rückseite ist verglast und daher leider anfällig für Fingerabdrücke.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Rückseite ist verglast und daher leider anfällig für Fingerabdrücke.

  • Gummierte Verschlusskappen schützen das Telefon vor Wasserkontakt über die verschiedenen Anschlüsse.
    foto: derstandard.at/pichler

    Gummierte Verschlusskappen schützen das Telefon vor Wasserkontakt über die verschiedenen Anschlüsse.

  • Mit dabei ist auch ein Kamera-Button. Ein Feature, das nur noch die wenigsten Smartphones mitbringen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Mit dabei ist auch ein Kamera-Button. Ein Feature, das nur noch die wenigsten Smartphones mitbringen.

  • Das Display liefert kräftige Farben und schöne Kontraste.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Display liefert kräftige Farben und schöne Kontraste.

  • Sony liefert einige interessante Einstellungen, darunter den Handschuhmodus fürs Display oder verschiedene Möglichkeiten, Strom zu sparen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Sony liefert einige interessante Einstellungen, darunter den Handschuhmodus fürs Display oder verschiedene Möglichkeiten, Strom zu sparen.

  • Wie schon beim Z1 bietet die Kamera diverse Modi und Einstellungsmöglichkeiten an.
    foto: derstandard.at/pichler

    Wie schon beim Z1 bietet die Kamera diverse Modi und Einstellungsmöglichkeiten an.

  • Sie liefert zwar "gute" Bilder, spielt aber zumindest eine Klasse unter jener des Z1 (Testbild Tageslicht).
    foto: derstandard.at/pichler

    Sie liefert zwar "gute" Bilder, spielt aber zumindest eine Klasse unter jener des Z1 (Testbild Tageslicht).

  • Testbild Kunstlicht.
    foto: derstandard.at/pichler

    Testbild Kunstlicht.

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