"Lehrer brauchen einen Leistungsanreiz"

Interview2. Februar 2014, 17:01
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Der Bildungssprecher des Teams Stronach, Robert Lugar, fordert mehr Schulautonomie. Aus Direktoren sollen Manager werden, die Lehrer auswählen dürfen

STANDARD: Sie fordern eine verstärkte Schulautonomie. Was wolle Sie hier verändern?

Lugar: Wir wollen eine Komplettautonomie der Schulen. Der Direktor soll dann als Manager fungieren und wird gewählt - entweder von den Eltern oder einem größeren Gremium. Entscheidend ist, dass er sich seine Lehrer selbst aussuchen und auch kündigen kann. Er soll die Möglichkeit haben, das Gehalt individuell festzusetzen.

STANDARD: Wie soll das finanziert werden?

Lugar: Abgerechnet wird das je nach Standort, da nicht jede Schule die gleichen finanziellen Bedürfnisse hat. Die Finanzierung soll unterschiedlich aufgerollt werden, je nachdem ob beispielsweise sonderpädagogischer Förderbedarf an der Schule notwendig ist oder nicht. Von außen sollen nur die Bildungsziele vorgegeben werden. Die Schule hat die Verpflichtung an die Bildungsziele heranzukommen. Passiert das nicht, muss man mit mehr Geld nachsteuern bzw. muss der Direktor in die Pflicht genommen werden. Schafft es der Direktor trotzdem nicht, muss ein neuer gewählt werden. In Summe würde das neue System nicht mehr als das alte kosten, aber viel effektiver sein.

STANDARD: Soll der Direktor ein Lehrer sein, oder kann es auch jemand sein, der sich mit Verwaltung auskennt?

Lugar: Grundsätzlich muss es nicht zwingend ein Lehrer sein, aber er muss die Lehrkräfte auswählen und sollte deshalb über Erfahrung im Schulbereich verfügen.

STANDARD: Der Direktor steht in Ihrem System unter einem enormen Druck. Er ist direkt von den Eltern abhängig.

Lugar: Natürlich, das ist auch gut so. Die Eltern haben ein vorrangiges Interesse: dass das Kind das lernt, was es fürs spätere Leben braucht. Wenn der Direktor das leisten kann, werden die Eltern zufrieden sein. Ich glaube, es ist gerade gut, wenn Eltern hier Druck ausüben können.

STANDARD: Wenn nur mehr Ziele vorgegeben werden, entsteht da nicht ein enormer Druck auf die Lehrer?

Lugar: Prinzipiell ist das schon gut so, dass sie, wie in der Wirtschaft auch üblich, eine gewisse Leistung erbringen müssen. Entscheidend ist, dass man jene auswählt, die geeignet sind. Und jenen, die es nicht sind, die Möglichkeit gibt, sich umzuorientieren. Konservative Schätzungen gehen von 6000 sogenannten Problemlehrern aus, die hier betroffen sein könnten.

STANDARD: Sollen Schulen auch den Lehrplan selbst bestimmen können?

Lugar: Natürlich, entscheidend sind nur die Bildungsziele. Wie die Schulen dort hinkommen, ist ihnen vorbehalten.

STANDARD: Würden Sie das Lehrergehalt nach Schulfächern staffeln?

Lugar: Das Gehalt entscheidet der Direktor. Er hat im Rahmen gewisser Spannbreiten die Möglichkeit, die Bezahlung an die Erfordernisse anzupassen. Er kann auch in Problemregionen, in denen Lehrer nicht gerne unterrichten, mehr zahlen. Das ist auch wichtig, damit es nicht zu einer geografischen Verlagerung der Qualität kommt und die guten Lehrer in den Ballungsräumen bleiben. Die Schulkompetenz sollte generell aus den Händen der Länder in den Bund übertragen werden, und der Bund macht drei Dinge: Er überprüft - mindestens zweimal im Jahr - die Leistungsziele. Er macht die Feinsteuerung im finanziellen Bereich und er gibt die Leistungsziele vor, die überall in Österreich gleich sein müssen.

STANDARD: Verdienen Lehrer heute angemessen, zu viel oder zu wenig?

Lugar: Lehrer, die auch in der Lage sind, mit schwierigen Kindern so umzugehen, dass sie die Leistungsziele erreichen, sind besser zu bezahlen. Da gibt es große Unterschiede. Da muss ein Leistungsanreiz her.

STANDARD: Sie würden die Schulkompetenz gern in Bundeshand sehen, also auch keine Landes- oder Bezirksschulbehörde?

Lugar: Genau! Mir fällt nichts ein, was die Länder dazu beitragen könnten. Es gibt für alle einheitliche Bildungsziele, es kann hier keine regionale Varianz geben. Mir fällt nichts ein, was das Land dazu beitragen könnte, dass der Unterricht im Waldviertel besser gelingt als in der Oststeiermark.

STANDARD: Sie begründen Ihre Forderung nach Autonomie mit einem Parteieneinfluss. Warum soll dieser durch mehr Schulautonomie weniger werden?

Lugar: Zurzeit werden die Schulen nach parteipolitischen Überlegungen geführt. Wir wollen diesen Einfluss zurückdrängen und die Entscheidungen dorthin verlagern, wo sie im Interesse der Schüler und Eltern getroffen werden können. Das ist schon lange überfällig!

STANDARD: Wie stehen Sie zu der Einrichtung von Modellregionen für Gesamtschulen, die derzeit diskutiert wird?

Lugar: Langfristig wird der Trend in Richtung Gesamtschule gehen. Derzeit haben wir aber ein sehr niedriges Niveau in den Hauptschulen und ein hohes in den Gymnasien. Wenn wir, ohne die Struktur zu verändern, die Gesamtschule einführen, ist die Gefahr, dass das Niveau nach unten nivelliert wird. Deswegen bin ich bei der Einführung der Gesamtschule skeptisch. Mit unserem System der Autonomie und der Leistungsziele könnten wir das Niveau in allen Schulen stark anheben.

STANDARD: Am Ende der Reform sollte eine gemeinsame Schule stehen?

Lugar: Wenn die Schulautonomie umgesetzt wird, gibt es keine externe Differenzierung mehr. Die Schule wäre dann autonom - und muss die Bildungsziele erreichen. In diesem System soll es dann eine innere Differenzierung geben, welche nach dem Grundsatz gestaltet sein muss: niemanden zurücklassen und Spitzenleistungen fördern.

STANDARD: Bei der neuen Lehrerausbildung wurden die Kinderpädagogen nicht inkludiert. Wie sehen Sie das?

Lugar: Man hatte die Angst, dass durch eine Einbeziehung weniger Kinderpädagogen nachkommen und dadurch der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze erschwert wird. Ich teile diese Befürchtung nicht!

STANDARD: Soll der Besuch des Kindergartens kostenlos sein?

Lugar: Absolut, es ist ganz wichtig, dass hier nicht aus finanziellen Gründen Kindern der Start ins Leben erschwert wird. Gerade die Kindergartenjahre sind, was den sozialen Kontakt und den Spracherwerb betrifft, wichtig. Ich bin nicht für Zwang, sondern für ein Anreizsystem.

STANDARD: Frank Stronach ist am Mittwoch das letzte Mal im Parlament aufgetreten. Was bedeutet das für Ihre Partei?

Lugar: Das hat keine Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir werden im Sinne von Frank Stronach die Themen auch weiterhin vorantreiben. (Sebastian Pumberger, DER STANDARD, 3.2.2014)


Robert Lugar (43) war zunächst Abgeordneter des BZÖ, dann Klubobmann des Teams Stronach, für das er heute unter anderem Bildungssprecher ist.

  • "Konservative Schätzungen gehen von 6000 Problemlehrern aus", sagt Lugar. Die Betroffenen sollen sich umorientieren.
    foto: dapd/zak

    "Konservative Schätzungen gehen von 6000 Problemlehrern aus", sagt Lugar. Die Betroffenen sollen sich umorientieren.

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