Griechische Rechtsextreme gründen Ausweichpartei

2. Februar 2014, 15:02
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Rechtsextreme "Goldene Morgenröte" will einem Verbot ausweichen - Zugleich wächst in Athen die Furcht vor dem Linksterrorismus - Polizei fand ein imposantes Waffenlager

Athen - Griechische Rechtsradikale haben am Samstag eine neue Partei gegründet, um ein drohendes Verbot der Partei Goldene Morgenröte zu unterlaufen. Die neue Nationale Morgenröte soll zu den Kommunal- und Europawahlen im Mai antreten, wenn bis dahin die Goldene Morgenröte (Chryssi Avgi) verboten wird. Parteisprecher Ilias Kassidiaris gab die Gründung am Samstagabend auf einer Kundgebung in Athen bekannt.

"Die "Nationale Morgenröte" kann an allen Wahlen teilnehmen, sollte die Partei "Völkischer Bund - Goldene Morgenröte" verboten werden" hieß es dazu auf der Internetseite der Partei. Nach der Ermordung eines linken Musikers durch einen Anhänger der Partei im September ist die als neonazistisch eingestufte Goldene Morgenröte in Bedrängnis. Die Justiz verfolgt sie als kriminelle Vereinigung; Parteichef Nikos Michaloliakos, fünf weitere Abgeordnete sowie andere Funktionäre sitzen in Untersuchungshaft. Zudem kappte ihr das Parlament die Parteienzuschüsse.

Der Beliebtheit der Partei, die vor allem vom wachsenden Unmut der Griechen über die etablierten Politiker und die Wirtschaftskrise profitiert, tut dies keinen Abbruch. Sie liegt in allen Umfragen weiter auf dem dritten Platz, zum Teil mit zweistelligen Werten.

Waffenlager entdeckt

Am Samstag wurde in einem Athener Vorort ein umfangreiches Waffenlager entdeckt. In einem Auto fanden die Fahnder unter anderem Handgranaten, drei Sturmgewehre und Panzerabwehrgeschosse (RPG). Der Wagen war Neujahr bei Athen gestohlen worden und wurde schon länger von der Polizei observiert.

Wie die ballistischen Untersuchungen laut Medienberichten ergaben, wurden die Kalaschnikow-Sturmgewehre bisher nicht zu einer Straftat benutzt - auch nicht bei dem Anschlag auf die deutsche Botschafterresidenz Ende Dezember. Die Polizei vermute nun, dass die Waffen für einen neuen Anschlag bestimmt waren, hieß es.

Die griechischen Behörden sind in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem Anfang Jänner ein sechsmal zu lebenslanger Haft verurteilter Top-Terrorist bei einem Hafturlaub untergetaucht war. Der heute 55-jährige Christodoulos Xiros war einer der "Killer" der linksradikalen Untergrundorganisation "17. November", die sich von 1975 bis zu ihrer Zerschlagung 2002 zu 23 Morden und zahlreichen weiteren Anschlägen bekannt hatte. Aus dem Untergrund ruft er nun zu einem neuen "Partisanenkampf mit der Waffe in der Hand" auf. (APA, 2.2.2014)

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