Präsidentschafts-Wahlkampf in Afghanistan beginnt

2. Februar 2014, 12:51
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Tödliches Attentat auf Unterstützer von Ex-Außenminister Abdullah - Tausende Besucher bei Auftaktreden der Kandidaten

Kabul - In Afghanistan hat der Präsidentschaftswahlkampf und die Suche nach einem Nachfolger für Staatschef Hamid Karzai offiziell begonnen. In der Hauptstadt Kabul strömten am Sonntag tausende Menschen zu den Auftaktreden der Kandidaten, die von der Armee streng bewacht wurden.

Trotz strikter Sicherheitsvorkehrungen waren zuvor zwei Mitarbeiter des Präsidentschaftsbewerbers Abdullah Abdullah erschossen worden. Der frühere Außenminister Abdullah ist einer von insgesamt elf Kandidaten für die Nachfolge von Karzai. Der langjährige Staatschef darf bei der Abstimmung am 5. April nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, dafür bewirbt sich sein älterer Bruder Kajum Karzai. Die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte des Landes gilt als wichtiger Test für die Fortschritte beim politischen Aufbau am Hindukusch - kurz vor dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes, der 2014 ausläuft.

Wie labil die Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin ist, zeigte sich am Samstagabend: Bewaffnete Männer töteten den Leiter von Abdullahs Wahlkampfteam in der Stadt Herat sowie einen weiteren Kampagnen-Mitarbeiter, wie der Sprecher des Präsidentschaftskandidaten und die Polizei bestätigten. "Wenn das noch schlimmer wird, können ich und viele andere Leute nicht wählen gehen", sagte eine verängstigte Anhängerin Abdullahs nach dem Attentat.

Wahrscheinlich Stichwahl nötig

Es gilt als wahrscheinlich, dass nach dem ersten Wahlgang im April eine Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten Ende Mai nötig wird. Abdullahs Teilnahme an der zweiten Runde wird weithin erwartet, er landete schon bei der chaotischen Präsidentschaftsabstimmung 2009 auf Rang zwei hinter Karzai. Ebenfalls gute Aussichten werden neben Karzais Bruder auch Ex-Finanzminister Ashraf Ghani und dem Karzai-Unterstützer Salmai Rassul eingeräumt.

Streit um Abkommen mit den USA

Ein zentraler Streitpunkt im Wahlkampf ist das geplante Sicherheitsabkommen zwischen den USA und Afghanistan, das auch Voraussetzung für finanzielle Hilfen des Westens ist. Dabei geht es um die Frage, ob nach 2014 rund 10.000 US-Soldaten am Hindukusch bleiben, um die einheimischen Sicherheitskräfte weiter auszubilden und zu beraten - und zu welchen Bedingungen dies geschieht. Karzai will das Sicherheitsabkommen erst von seinem Nachfolger unterzeichnen lassen, die US-Regierung pochte bisher erfolglos auf eine raschere Unterschrift.

Darüber hinaus belasten auch der wiederholte Tod von Zivilisten bei US-Luftangriffen und Kampfeinsätze in Wohngebieten die bilateralen Beziehungen. "Wir haben großen Respekt für das Leben gefallener NATO-Soldaten in Afghanistan - und erhebliche Meinungsverschiedenheiten, was das Verhalten der USA in Afghanistan angeht", sagte Karzai der britischen Zeitung "The Sunday Times". Was die Sicherheitslage angehe, sei die US-geführte NATO-Mission jedenfalls "nicht erfolgreich" gewesen.

Im selben Interview nannte bezeichnete Karzai die radikalislamischen Taliban als "Brüder", die USA hingegen als "Rivalen". Dabei hatten die Taliban mit Anschlägen auf Präsidentschaftskandidaten gedroht und Stammesvertretern Rache geschworen, falls diese dem bilateralen Sicherheitsabkommen zustimmen sollten. (APA, 2.2.2014)

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