Niederösterreichische Feuerwehren helfen Slowenien

2. Februar 2014, 12:21
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Zehn Prozent aller Haushalte betroffen - Nachbarländer um Hilfe gebeten - Bahnverkehr zusammengebrochen

Ljubljana/St. Pölten - Das Winterwetter hat am Sonntag neben Österreich auch Slowenien und Norditalien weiterhin fest im Griff gehabt. Die Lage mit der Stromversorgung spitzte sich zu. Zehntausende Haushalte - und damit 200.000 Menschen - quer durch Slowenien waren ohne Elektrizität, wegen Glatteis gab es zudem massive Behinderungen im Verkehr. Das Land, in dem alle verfügbaren Hilfskräfte im Einsatz standen, bat seine Nachbarländer um Hilfe. Niederösterreich wird am Montag Feuerwehreinheiten entsenden.

Praktisch befindet sich ganz Slowenien unter Eis, der Schaden an den Stromleitungen ist wegen Eisbrüchen enorm. Nach Angaben von Verteidigungsminister Roman Jakic waren insgesamt 88.000 bzw. zehn Prozent aller slowenischen Haushalte ohne Elektrizität. "Alle sind im Einsatz: Zivilschutzbehörde, Feuerwehr, Armee. Slowenien wird bei den Nachbarländern um Hilfe ansuchen", schrieb der Minister am Sonntagvormittag auf Twitter.

Länderübergreifender Hilfseinsatz

In einer Reaktion gab Sonntagabend der Niederösterreichische Landesfeuerwehrverband bekannt, Slowenien zu unterstützen. 120 Feuerwehrmitglieder werden Montagfrüh zu einem Hilfseinsatz nach Slowenien ausrücken. Noch in den Nachtstunden brach ein Erkundungskommando mit vier Offizieren des Landesverbandes aus Tulln nach Ljubljana auf, um mit den örtlichen Behörden die notwendigen Einsatzstrategien zu entwickeln. Fest stehe, so Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, dass vor allem der Südwesten Sloweniens, die Region Notranjska, schwer unter den gigantischen Schneemassen leide.

Die niederösterreichischen Helfer wollen am Montag um 6.00 Uhr vom Autobahnparkplatz Steinfeld (Bezirk Neunkirchen) mit 23 leistungsstarken Stromgeneratoren zum länderübergreifenden Hilfseinsatz aufbrechen. Zwei 500 KVA-Aggregate sind dem Feuerwehrsprecher zufolge in der Lage, Spitäler mit 300 bis 500 Patienten oder etwa 1.000 Haushalte mit elektrischer Energie zu versorgen. Die restlichen 21 Generatoren verfügen über eine Leistung von jeweils 150 KVA. Sie sollen überwiegend zur Versorgung von kritischer Infrastruktur (Pflegeheime, behördliche Einsatzleitungen, etc.) eingesetzt werden.

Regen trotz Minustemperaturen

Berichte von Ausnahmezuständen durch Stromausfälle gab es auch aus anderen Teilen Sloweniens. In Orten rund um die Hauptstadt Ljubljana waren nach Angaben des dortigen Energieversorgers mehr als 30.000 Haushalte ohne Strom. Im Nordosten des Landes hatten rund 12.000 Haushalte keine Stromversorgung, ähnliches berichteten Medien aus dem Süden und dem Norden Sloweniens. Die Armee half seit Samstag mit Notfallstromaggregaten aus, diese reichten jedoch nicht aus.

Im ganzen Land regnete es laut Wetterdienst trotz Minustemperaturen. Wegen Glatteis kam es zu massiven Behinderungen im Verkehr. Zahlreiche regionale und lokale Straßen waren gesperrt, der Bahnverkehr brach fast komplett zusammen. Die Bahnverbindungen in Richtung Küste (Ljubljana-Koper) sowie in Richtung Österreich (Ljubljana-Jesenice) waren nach Angaben der slowenischen Bahngesellschaft wegen Eis und umgefallener Bäume gesperrt. Der Verkehr in Richtung Nordosten Sloweniens funktionierte noch, jedoch mit großen Einschränkungen. Die Situation auf dieser Strecke verschlechtere sich jedoch zusehends, hieß es am Vormittag.

Wie die slowenische Ministerpräsidentin am Sonntag betonte, sei noch nie ein so breites Gebiet durch Stromausfall betroffen gewesen. Etwa 200.000 Menschen in ganz Slowenien seien ohne Elektrizität. Die slowenische Regierung hat laut Bratusek bereits um Hilfe angesucht, am meisten würden derzeit Notstromaggregate benötigt. 

Hunderte in Serbien eingeschneit

Über 400 Personen waren in Serbien stundenlang in ihren Autos eingeschneit. Sie mussten am Samstag unter anderem mit Hilfe von Panzern und Hubschraubern befreit werden. "Wir haben Schneeverwehungen von fünf, sechs Metern, wie sie seit 50 Jahren nicht vorgekommen sind", sagte der stellvertretende Regierungschef Aleksandar Vucic beim Besuch der Rettungskräfte.

Der Schwerpunkt der Helfer lag bei den Gemeinden Subotica und Feketic nördlich der Stadt Novi Sad. Polizei und Soldaten sperrten einige Transitrouten. Der ungewöhnlich stürmische Kosava-Wind war nach Auskunft der Meteorologen für die extremen Schneeberge verantwortlich.

Bahnverkehr auch in Italien lahmgelegt

Inzwischen blieb die Lage in Norditalien schwierig. Die Bahnlinie Venedig-Triest war nach heftigen Niederschlägen unterbrochen. Dies führte zu erheblichen Problemen im Bahnverkehr. Wegen eines Erdrutsches in Mugello bei Florenz mussten sieben Familien ihre Wohnungen verlassen. Mit einer schwierigen Wetterlage rechneten Meteorologen bis Donnerstag.

Mit Unwettern müssen auch die Bewohner Süditaliens kämpfen. Auf Sizilien wurden drei Todesopfer gemeldet. Zwei Frauen und ein siebenjähriges Mädchen, die mit vier anderen Personen in der sizilianischen Provinz Syrakus in einem Auto unterwegs waren, wurden von einem nach heftigen Niederschlägen angeschwollenen Bach mitgerissen. Vier Passagiere konnten das Auto verlassen und sich retten. Den anderen zwei Frauen und dem Kind gelang das nicht. Ermittlungen sollten die Hintergründe des Vorfalls klären. (APA/red, derStandard.at, 2.2.2014)

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