Juncker soll EU-Spitzenkandidat der Konservativen werden

2. Februar 2014, 09:50
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"Welt am Sonntag": Entscheidung soll bereits gefallen sein - Für die Liberalen tritt der ehemalige belgische Ministerpräsident Verhofstadt an

Straßburg/Brüssel - Der frühere luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker wird nach einem Medienbericht Spitzenkandidat der europäischen Konservativen für die EU-Wahl im Mai. Damit hätte der 59-Jährige gute Chancen auf das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Die "Welt am Sonntag" ("WamS") berichtet unter Berufung auf Kreise in Brüssel und Berlin, dass die Entscheidung für Juncker bereits gefallen sei.

Laut Zeitung unterstützt auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Juncker. Offiziell will die Europäische Volkspartei (EVP) ihren Spitzenkandidaten bei einem Kongress am 6. März in Dublin nominieren. Einen Gegenkandidaten für den Luxemburger erwartet die EVP-Spitze bei dem Kongress laut "Welt am Sonntag" nicht.

Juncker sei besonders geeignet, weil er vielen Europäern bereits bekannt sei, politische Erfahrung habe und neben Deutsch auch Französisch und Englisch spreche. Zudem verfüge er über einen starken Rückhalt im EU-Parlament, das bei der Ernennung des Kommissionspräsidenten erstmals eine wichtige Rolle spielen wird. Juncker hat schon einige Male seine Bereitschaft bekundet. "Klinken putzen tu ich nicht", hatte der frühere Eurogruppen-Chef allerdings Ende Jänner in einem Ö1-Radiointerview gesagt. Er gehe davon aus, dass er die Unterstützung der meisten EVP-Regierungschefs habe.

Interesse an dem Posten des Kommissionspräsidenten hatte vonseiten der EVP auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bekundet. Zudem hatte es Spekulationen gegeben, dass die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, interessiert sein könnte. 

Verhofstadt ist Spitzenkandidat der Liberalen

Der belgische Ex-Ministerpräsident Guy Verhofstadt ist nun auch offiziell Spitzenkandidat der Liberalen für die Europawahl im Mai. Bei einem Kongress bestätigte die Fraktion der Liberalen und Demokraten (ALDE) im Europaparlament am Samstag in Brüssel die Kandidatenkür von Mitte Jänner mit großer Mehrheit.

Der 60-Jährige sei der Bewerber für das Amt des künftigen Präsidenten der EU-Kommission, teilte die ALDE mit.

Im Wahlkampf setzt die Fraktion auf eine Doppelspitze: EU-Währungskommissar Olli Rehn (51) soll Verhofstadt unterstützen. Die ALDE-Fraktion, der auch die deutsche FDP angehört, ist mit 85 Abgeordneten nach Christdemokraten und Sozialdemokraten die drittgrößte politische Kraft im Europäischen Parlament. Verhofstadt führt zurzeit die liberale Fraktion. Der Jurist war unter anderem von 1999 bis 2008 Ministerpräsident Belgiens und ist seit 2009 Mitglied des Europaparlaments. Die FDP führt Alexander Graf Lambsdorff als Spitzenkandidat in die Europawahl.

Nach den diesjährigen Europawahlen soll der Präsident der EU-Kommission im Lichte des Wahlergebnisses von den Staats- und Regierungschefs ernannt werden. (APA, 2.2.2014)

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