Fischer plädiert für Ortswechsel des Akademikerballs

2. Februar 2014, 09:28
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Standortdebatte hat aber "nichts mit juristischen Kriterien zu tun" - FPÖ lehnt Verlegung des Balls an anderen Ort ab

Wien - Bundespräsident Heinz Fischer hielte einen "Neustart" des Akademikerballs an anderem Ort für "weise". Vorschreiben könne man das der FPÖ nach den Regeln des Rechtsstaats aber nicht. Am "Vertrauensvorschuss" für die Regierung hält Fischer weiter fest und weist Kritik am Steuerpaket zurück: Gespart werde auch ausgabenseitig.

Die Diskussion über den Standort des Akademikerballs "hat nur wenig mit rechtlichen oder juristischen Kriterien zu tun", unterstreicht Fischer. "Mir hat dieser frühere WKR-Ball und jetzige Akademikerball in der Vergangenheit auch oft Sorgen gemacht oder ein gewisses Unbehagen bereitet. Wenn die Veranstalter zu dem Entschluss kommen, diese Tradition zu beenden und einen Neustart an einem anderen Ort unter einem anderen Namen zu machen, würde ich das für eine weise Entscheidung halten. Aber rechtlich gesehen gibt es keine Art von Bannmeile um die Amtsräume des Bundespräsidenten."

Die betreffenden Räumlichkeiten der Hofburg würden "von einer GmbH verwaltet und vermietet, und diese Gesellschaft hat sich einerseits an Gesetze zu halten, andererseits an kaufmännische Überlegungen. Aber sie kann nicht sagen: SPÖ, ÖVP und Grüne dürfen in der Hofburg Veranstaltungen abhalten, aber die Freiheitliche Partei darf der Präsidentschaftskanzlei nicht zu nahe kommen."

FPÖ: Akademikerball bleibt, wo er ist

Die FPÖ reagiert gereizt auf den Wunsch des Bundespräsidenten. Der "Akademikerball bleibt, wo er ist", so Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung: "Daran ändern auch die völlig unnötigen pseudomoralischen Fleißaufgaben des Bundespräsidenten nicht das Mindeste." Heinz Fischer schlage das "Pfauenrad der sozialistischen Scheinmoral" nur, wenn es gegen die FPÖ gehe.

"Ich lehne jede Gewalt dieser Art ab"

Zu den Ausschreitungen bei den Gegen-Demonstrationen am Freitag vor einer Woche findet Fischer "sieben klare Worte: Ich lehne jede Gewalt dieser Art ab. Ich habe als Student an vielen Demos teilgenommen. Aber Auslagenscheiben wahllos und sinnlos einzuschlagen oder Autos umzuschmeißen, das sind Gewaltszenen, die ich in Wien nicht sehen möchte." Die Sicherheitsbehörden stünden in solchen Situationen indes stets "im Kreuzfeuer von zwei entgegengesetzten Ausgangspositionen. Den einen ist die Polizei zu rigoros, den anderen zu wenig energisch." Gibt es Lehren aus den Szenen in der Wiener Innenstadt zu ziehen? "Wahr ist, dass der Ball und die Besucher des Balles ohne Gefährdungen und ohne Verletzungen davongekommen sind", so der Bundespräsident. "Wahr ist aber andererseits, dass Auslagen und damit Geschäftsleute zu Schaden gekommen sind. Im Idealfall müsste man beides verhindern können."

In seiner Neujahrsansprache hatte Fischer um einen "Vertrauensvorschuss" für die von Kritikern schon zu ihrem Antritt gescholtene Regierung gebeten. Daran hält er auch fest: Bei aller Kritik brauche Österreich auch den Blick auf Positives. Er sehe in der Regierung ernsthafte Bemühungen um ein ausgeglichenes Budget. Dies werde sowohl ausgaben- als auch einnahmenseitig in Angriff genommen, will er Kritik am von der Regierung eilig beschlossenen Steuerpaket, nicht gelten lassen.

Denn "die allererste Maßnahme der neuen Regierung war, die Regierung zu verkleinern. Und die erste fundamentale Maßnahme war, die Ermessensausgaben in allen Ressorts um rund sechs Prozent zu kürzen." Abgesehen von der Entwicklungszusammenarbeit sieht Fischer auch nicht viele Möglichkeiten, bestimmte Bereiche wie etwa die Bildung von diesem Spardruck auszunehmen. In Sachen Wissenschaft oder Verteidigung bereiten ihm die Einsparungen zwar "große Sorge". Doch die Regierung habe ein Signal für eine "zentrale Kraftanstrengung" ausgesendet: "Alle Ministerien sind bereit, einzusparen. Wir tragen das gemeinsam." Denn die erste größere Ausnahme würde unweigerlich eine zweite und dritte Ausnahme zur Folge haben. (APA, 2.2.2014)

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