So schlecht ist Windows 8.1 auch nicht

Ansichtssache2. Februar 2014, 09:46
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Kaum einen Nutzer lässt Windows 8 kalt. Microsoft hat sich allerdings die Kritik vieler Windows-8-Anwender zu Herzen genommen: Das Update auf Windows 8.1 beseitigt viele Ärgernisse, die Windows 8 einen schlechten Ruf eingebracht hatten. Perfekt ist das Betriebssystem allerdings nicht, wie der WebStandard-Test zeigt.

Tipps für die Nutzung

Nach dem Start kann Windows 8.1 automatisch statt der viel kritisierten Kacheln die gewohnte Desktop-Umgebung von Windows 7 auf dem Monitor anzeigen. Der wieder eingeführte Startbutton allerdings führt lediglich zur Windows-8-typischen Kachelansicht. Weitere Optionen oder Hintergründe erschließen sich erst, wenn man sich mit dem System etwas beschäftigt. Der WebStandard hat bei  Microsoft Österreich nachgefragt und folgenden Tipps für die Nutzung des Systems bekommen.

Der Desktop, die Kacheln und weitere Monitore

Je nach persönlicher Präferenz freut man sich über eingebaute Apps, wie den PDF Reader, oder installiert weitere Programme (z.B. FoxIt oder Adobe Reader). Hier meldet sich Windows dann beim nächsten Klick auf eine entsprechende Datei und bietet das neue Programm als Standard an. Aber auch nachher oder für bestehende Dateitypen kann man die Zuordnung schnell ändern. Dazu sucht man nach "Standardprogramme" vom Startscreen und wählt das Programm aus, das von nun an z.B. alle Bilder öffnen soll.

Das kann man auch einzeln für bestimmte Dateitypen machen, wenn man über das Kontextmenü der Datei "Öffnen mit" und "Standardprogramm auswählen" klickt. Bei Nicht-Touch Geräten, wo man die Vollbildanwendungen nicht verwenden möchte, ist das somit schnell umgestellt.

Reaktion

Microsoft hat außerdem auf das Feedback reagiert, wonach der Wechsel zwischen dem Startscreen und dem Desktop für einige BenutzerInnen zu hart erscheint. So ist die Suche nicht mehr nur über den Vollbild-Startscreen zu erreichen sondern mittels WINDOWS+S auch als Überblendung ohne den Kontext zu verlieren. Für weitere Optionen lohnt sich ein Rechtsklick auf die Taskleiste - Einstellungen – Navigation. Dort verbergen sich die Einstellungen für „Boot to Desktop" oder dass man den Desktop-Hintergrund auch als Startscreen-Hintergrund wählen kann, wodurch der Wechsel zum Startscreen weicher ausfällt. Außerdem lässt sich hier der Eintrag für die Eingabeaufforderung im Rechtsklick-Menü des Startbuttons auf die mächtigere PowerShell ändern.

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Zudem ist hier auch eine wichtige Einstellung für Multimonitor-Setups zu finden. Hier kann festgelegt werden, wo das Startmenü bei Druck auf die Windows-Taste auftaucht – am primären Monitor oder der derzeit aktiven Anzeige. Das kann praktisch sein, wenn nur ein Gerät Touch-fähig ist.

Bereits von Android bekannt

Stichwort Multimonitor: Neu in Windows 8.1 ist auch die native Unterstützung von Miracast, wie man sie bereits von Android her kennt. Hier baut Windows 8.1 eine Direct-WiFi Verbindung parallel zu einer eventuell bestehenden WLAN-Verbindung auf und nutzt den Empfänger als zweiten Monitor. Der kann wie bei Windows üblich das Bild spiegeln oder den Desktop erweitern. Anders als bei Chromecast müssen hier keine speziellen Applikationen angepasst oder Formate verwendet werden – es wird der gesamte Bildschirminhalt an das Ausgabegerät übertragen und das in Full-HD mit 5.1 Surround Sound. Vor allem TV-Geräte neueren Datums haben Miracast bereits eingebaut, alternativ nutzt man einen Empfänger wie z.B. den Netgear Push2TV. Allerdings, und das ist die Einschränkung, nur wenn Hard- und Software mitspielen. Wie bei Android heißt Miracast-Unterstützung leider noch nicht, dass es auch wirklich mit den vorhandenen Geräten oder deren Kombination geht. Ein Versuch schadet nicht.

Hinter den Kulissen

Ein paar Hintergründe zum Energie- und Speichermanagement, wenn man als IT-affine LeserIn mehr wissen will, was hinter den Kacheln abgeht. Zum Beispiel beim Bootvorgang, der unter Windows 8 und 8.1 deutlich flotter zu sein scheint als unter Windows 7. Tatsächlich trickst Microsoft hier, denn wenn selbst wenn man den Rechner herunterfährt, speichert Windows verschiedene Dateien und Treiber und muss diese dann beim Booten nur aus einer Datei auslesen, was eben schneller geht, als wenn alles neu zu initialisieren ist („Schnellstart" bzw. „Hybrid Boot"). Damit ist aber ein Herunterfahren eben kein Herunterfahren mehr. Nur ein Neustart, startet tatsächlich alles neu.

Mit Windows 8.1 gibt es allerdings auch ein „echtes" Herunterfahren aus dem Rechtsklick-Menü des Startbuttons – das fährt den Rechner komplett herunter, während das Herunterfahren aus dem Charm auf der rechten Seite den Rechner in den Hybrid-Modus schickt.

Konfigurieren lässt sich das über die Systemsteuerung\Hardware und Sound\Energieoptionen\Systemeinstellungen Dort findet sich unter Einstellungen für das herunterfahren die Checkbox für „Schnellstart aktivieren".

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Ähnlich verhält sich das auch mit den Apps. Zieht man mit Maus von oben nach unten (oder bei Touch-Geräten mit Wischgeste vom oberen Bildschirmrand) um eine App zu beenden, dann behält Windows die App dennoch startbereit im Speicher. Das ist eine Änderung bei 8.1 zu Windows 8, denn da war die App wirklich geschlossen. Um die App unter 8.1 zu beenden kann man die App an den Bildschirmrand nach unten ziehen, bis nach kurzer Haltedauer die Ansicht auf das Logo wechselt – dann Maus oder Finger loslassen -oder wieder nach oben ziehen, dann hat man die App neu gestartet. Für alte Tastaturhasen: ALT+F4 beendet die App auch wirklich – wie gehabt.

Generalüberholt

Nachprüfen kann man das übrigens im generalüberholten Taskmanager, wenn man sich unter Ansicht-Statuswerte den "Anhaltestatus anzeigen" lässt. Apps, die nicht im Vordergrund laufen (mit der Ausnahme von Medien-Apps) werden angehalten, sind aber immer noch im Speicher. Sollte der Speicher benötigt werden, gibt das Betriebssystem den belegten Platz frei, wobei die "geschlossenen" Apps zuerst beendet werden.

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All das muss man als BenutzerIn nicht wirklich wissen, Speichermanagement muss ein modernes Betriebssystem gemäß den zur Verfügung stehenden Ressourcen selbst vornehmen – aber es freut einen, wenn alles flott von der Hand geht.

Bildschirmfotos

Seit vielen Windows Versionen schon befördert die Druck-Taste den aktuellen Bildschirminhalt in die Zwischenablage, von wo dann das Bild in beliebige Programme eingefügt werden kann. Vista brachte dann das Werkzeug Snipping Tool, mit dem sich Ausschnitte anfertigen und versenden lassen.

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Mit Windows 8 macht es Microsoft nun einen Schritt schneller, die Tastenkombination WINDOWS+DRUCK-Taste speichert das Bild direkt als Datei in Bilder/Screenshots. Auf Tablets ohne Tastatur können die Hardware-Tasten WINDOWS + Lautstärke Runter gedrückt werden, um ebenfalls den Bildschirm zu speichern – das ist etwas inkonsequent, denn auf Windows Phone ist es die Tastenkombination WINDOWS und die POWER-Taste. Auf der Surface-Tastatur, die keine DRUCK-Taste hat, übernimmt die Kombination FN/Funktion-Taste + UMSCHALT+LEERTASTE die Aufgabe.

Babylonische Sprachenvielfalt

Anders als die Vorgängerversionen sind die Sprachpakete in Windows 8 nun nicht mehr speziellen Editionen („Ultimate" oder „Enterprise") vorbehalten, sondern sie stehen jedem Benutzer zur Verfügung. So kann man das komplette Betriebssystem den jeweiligen Präferenzen anpassen, inklusive Spracherkennung oder Autokorrektur.

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Mit dem Tastenkürzel WINDOWS + LEERTASTE springt man zwischen den Sprachen und kann so schnell die Eingabesprache samt Wörterbuch ändern. Selbstverständlich ist es auch möglich als Eingabesprache EN-US mit einem deutschen Tastaturlayout zu wählen, wenn die physische Tastatur eine deutsche Tastenanordnung aufweist.

Nutzt man zudem ein Microsoft Konto zur Synchronisation, so stehen die verschiedenen Keyboards auch auf den anderen PCs zur Verfügung.

Sprachen

Stichwort Sprache: manchmal sind Apps nur für bestimmte Länder veröffentlicht, aber Microsoft macht es nicht schwer, hier ein wenig zu tricksen. Um einen Store eines anderen Landes zu sehen und Apps zu beziehen, die in Österreich nicht erhältlich wären, reicht es in den Regionseinstellungen kurz mal auf das gewünschte Land (z.B. Vereinigte Staaten oder Deutschland) zu stellen, die App herunterzuladen und nachher wieder nach Österreich zurückzukehren. Das funktioniert zumindest bei kostenlosen Apps zuverlässig, als Beispiel kann die BING Maps 3D Preview dienen, die sonst in Österreich nicht auftauchen würde.

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Apps entfernenNicht jeder mag die Touch-optimierten Apps. Bis auf wenige Apps, die das Betriebssystem benötigt (SkyDrive, den Store selbst und die Kamera-App) können diese und alle anderen auf einen Rutsch von der Platte getilgt werden. Dazu öffnet man eine Windows PowerShell als Administrator und tippt

Get-AppxPackage -Publisher *Microsoft* | Remove-AppxPackage

Damit werden alle Microsoft Applikationen aus dem aktiven Benutzerkonto gelöscht. Will man alle Apps für alle Benutzer löschen, dann nimmt man:Get-AppxPackage -AllUsers | Remove-AppxPackage. (red, 2.2. 2014)

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