Klitschko: "Präsident muss Kompromiss mit dem Volk finden"

Interview1. Februar 2014, 21:01
248 Postings

Oppositionsführer Klitschko und Außenminister Kozhara liefern sich einen harten Schlagabtausch - Hinter den Kulissen wird mit Moskau um eine Lösung verhandelt - Ein Technikerkabinett könnte ein Ausweg sein

Vitali Klitschko hängt in den Seilen. "Ich habe hohes Fieber und ich fühle mich wirklich lausig", sagt er vor dem Interview mit dem STANDARD. Dennoch gibt er es. Es gibt kein besseres Podium als die Sicherheitskonferenz in München, um Werbung für die Sache der ukrainischen Opposition zu machen. Dort ist an diesem Samstagabend die außenpolitische Aufmerksamkeit der Welt fokussiert.

Zuvor hat der ehemalige Profiboxer sich einen Kampf der Worte mit dem ukrainischen Außenminister Leonid Kozhara auf einem Panel der Konferenz geliefert. Er forderte, dass alle "politischen Gefangenen" (es sind mehr als 300 nach Klitschkos Angaben, dazu kämen 27 Vermisste) sofort freigelassen würden. Weiters müsse das Land umgehend zur Verfassung von 2004 zurückkehren und danach Wahlen, sowohl des Parlaments als auch des Präsidenten, abgehalten werden.

"Kein friedlicher Protest"

Kozhara konterte mit einer Beschreibung der Unterschiedlichkeit der Ukraine: Es gebe drei Landesteile, die zu drei verschiedenen Reichen (Russland, Österreich-Ungarn und den Osmanen) gehört hätten und auch heute noch wenig miteinander zu tun hätten. Neun Millionen ethnische Russen lebten im Land. Die Opposition spreche lange nicht für alle und schlage außerdem antisemitische Töne an. "Terroristengruppen" griffen mit Molotowcocktails Polizisten an und besetzten öffentliche Gebäude. Was in der Ukraine geschehe, sei "kein friedlicher Protest mehr". Die Opposition müsse endlich Verantwortung übernehmen.

Sowohl der Außenminister als auch Klitschko trafen bei der Konferenz mit EU-Außenministern und Außenbeauftragter Lady Ashton zusammen. Als Erfolg konnte vermeldet werden, dass die ukrainischen Behörden den offenbar schwer misshandelten Oppositionellen Dimitro Bulatow ausreisen lassen wollen. Debatten gab es EU-intern darüber, ob Sanktionen gegen ukrainische Führer wirksam seien oder nicht. Österreichs Chefdiplomat Sebastian Kurz lehnte diese ab: "Öl ins Feuer zu gießen, wäre schlecht."

Hinter den Kulissen der Sicherheitskonferenz liefen zudem intensive Verhandlungen der Amerikaner mit der Ukraine und den Russen. Aus amerikanischen Diplomatenkreisen war zu hören, dass ein Techniker-Kabinett ein Ausweg sein könnte. Die harte Position, die US-Außenminister John Kerry auf der Sicherheitskonferenz zugunsten der Opposition vertreten habe, sei auch als Signal an Moskau zu werten gewesen. Die USA, hieß es, seien nicht gewillt zuzusehen wie die Bewegung niederkartäscht werde.

--> Zum Interview mit Vitali Klitschko

  • Ex-Boxer Klitschko hofft, dass es nicht noch mehr Gewalt geben wird.
    foto: apa/epa/hase

    Ex-Boxer Klitschko hofft, dass es nicht noch mehr Gewalt geben wird.

Share if you care.