Sorge vor Al-Kaida-Staat in Syrien

31. Jänner 2014, 19:18
63 Postings

US-Politologe Nasr: Syrien richtungsweisend für Nahost

Wien – Was mit dem Arabischen Frühling einst als hoffnungsvoller Prozess begann, ist mittlerweile einem sunnitisch-schiitischen Pulverfass mit ungewissem Ausgang gewichen. Der amerikanische Nahostexperte Vali Nasr skizzierte bei einer "Wiener Vorlesung", veranstaltet von der Akademie der Wissenschaften, dem Institut für Internationale Politik in Kooperation mit dem Standard, die Dynamiken in der Region.

Vom Arabischen Frühling sei nur dessen Anlass, die wirtschaftlich prekäre Lage, geblieben. Hingegen sorge nun in den arabischen Ländern die Schwächung und mancherorts der Kollaps von politischen Institutionen für ein Wiedererstarken des Terrorismus. "Die Büchse der Pandora für religiös motivierte Gewalt wurde geöffnet" , sagt Nasr.

Im syrischen Bürgerkrieg würden diese Probleme geballt zum Tragen kommen. Im syrisch-irakischen Grenzgebiet habe sich mittlerweile ein Al-Kaida-Staat eta­bliert. Gleichzeitig sei die Rivalität zwischen Sunniten und Schiiten, indirekt also zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, explodiert. Der Ausgang des Konflikts werde deshalb entscheidend für die geopolitischen Machtverhältnisse im Nahen Osten sein.

Iran als Player der Region

Die humanitäre Krise in Syrien hat sich laut Nasr mittlerweile zu einer Sicherheitskrise für die Nachbarstaaten weiterentwickelt. Schätzungen zufolge werden bis Ende des Jahres 40 Prozent der Menschen im Libanon syrische Flüchtlinge sein. Verhandlungen mit unbewaffneten Gruppen, wie bei der Friedenskonferenz in Genf, die am Freitag ohne Ergebnisse zu Ende ging, würden die Kämpfe nicht stoppen können.

In einer unerwartet guten Ausgangsposition befinde sich der Iran, so Nasr. Sollten die Atomverhandlungen mit dem Westen weiter fortschreiten, sei es gut möglich, dass der Iran innerhalb von zwei Jahren zum großen Player der Region aufsteige und damit auch die Zukunft Syriens in den Händen halte. (tee/DERSTANDARD, 1.2.2014)

Share if you care.