Vorwärts in die ÖBB-Modernisierung

31. Jänner 2014, 18:22
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Weil es in der ÖBB so gut läuft, setzt Doris Bures die "Erfolgsgeschichte" fort. Bis 2018 werden weitere 12,7 Milliarden investiert

Wien - Wiewohl staatliche Investitionen laut Regierungsprogramm vorbehaltlich der Konjunkturentwicklung stattfinden: Weltraumministerin Doris Bures (SPÖ) betoniert die Bahnausbaupläne in astronomischer Höhe vorsorglich ein: 12,7 Milliarden Euro buttert die Republik allein bis 2018 in Koralm-, Semmering- und Brennerbasistunnel, Hauptbahnhof Wien sowie Aufrüstungen von Strecken und Bahnhöfen.

Wie viel die EU in das einmal mehr als konjunkturbelebend und zukunftssichernd gepriesene Milliardenprogramm zur Ertüchtigung der Bahnkorridore durch Österreich einspeisen wird, steht hingegen noch nicht fest. Das Feilschen um die für Transeuropäissche Netze (TEN) insgesamt reservierten 13,8 Milliarden Euro steht noch aus, heuer soll die Ausschreibung stattfinden, 2015 der Verteilungskampf beendet sein.

Auch bei den Annuitätenzuschüssen, die die ÖBB in den nächsten fünf Jahren braucht, um Zinsen- und Schuldendienst für die für den Bahnausbau aufgenommenen Anleihen bedienen zu können, hielt man sich bedeckt. Dass Verkehrsprognosen bisher nicht eingetroffen sind und Österreich bei Schienengütertransporten zunehmend im Osten umfahren wird, weil in den ehemaligen Reformländern weniger "Schienenmaut" (Infrastrukturbenützungsentgelt; IBE) verlangt wird, ficht Bures nicht an: "Die Prognosen sagen einen Anstieg voraus. Am Brenner ist 98 Prozent des Güterverkehrs Transit und den verlagern wir auf die Schiene. "Ich bin überzeugt, dass die Verlagerung gelingt, wenn wir diese Korridore anbieten."

Prognosen nicht eingetroffen

Die Prognosen der vergangenen fünf Jahre seien wegen der Wirtschaftskrise nicht eingetroffen, assistierte ÖBB-Holding-Chef Christian Kern. Im Personenverkehr seien sie hingegen "bei weitem übertroffen" worden. Kern, dessen bis 2015 laufender Vorstandsvertrag heuer vorzeitig um fünf Jahre verlängert wird, räumte immerhin ein: "Wir brauchen eine Strategie, um mehr Verkehre nach Österreich zu holen."

Der bisherige "Erfolgskurs auf Schiene", so der Titel der Pressekonferenz, sei dafür eine gute Basis. Der Konzern lieferte 2013 rund 90 Mio. Euro an Vorsteuerergebnis (EBT) ab und der 2010 noch in tiefroten Zahlen und mit negativem Eigenkapital kurvende Güterverkehr ein EBT von 30 Mio. Euro. Was nicht erwähnt wurde: Zu schwarzen Zahlen trug neben Konsolidierungsmaßen auch bei, dass der RCA Verlustbringer wie Logistikcenters, Güterterminals, Kontraktlogistik (Stückgut) und Güterwagen konzernintern abgenommen wurden. 2014 soll das Konzern-EBT auf 150 Mio. steigen. Bis 2018 will Bures die Gütertonnage um zehn Prozent und Personentransporte um 15 Prozent erhöht sehen. Ziel sei ein integrierter Taktfahrplan mit Taktknoten für Schiene und Bus. Nächste Stationen sind Wien, Wiener Neustadt und Eisenstadt.

Verkleinert wird der ÖBB-Holding-Vorstand. Vorstand Franz Seiser wird in die ÖBB-Infrastruktur verschoben, deren Betriebsvorstand Siegfried Stumpf koordiniert künftig die betrieblichen Agenden von Güter- und ÖBB-Personenverkehr. Alles natürlich vorbehaltlich öffentlicher Ausschreibungen. Deren "Ergebnis können Sie sich vorstellen", bekennt ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker ein, "aber es ist ein offener Bewerb". (ung, DER STANDARD; 1.2.104)

  • Sehen es als ihre Aufgabe, "die sich rechnenden Investitionen in die Bahn zu verteidigen": Verkehrsministerin Doris Bures, ÖBB-Holding-Aufsichtsrat Horst Pöchhacker und ÖBB-Chef Christian Kern.
    foto: reuters/bader

    Sehen es als ihre Aufgabe, "die sich rechnenden Investitionen in die Bahn zu verteidigen": Verkehrsministerin Doris Bures, ÖBB-Holding-Aufsichtsrat Horst Pöchhacker und ÖBB-Chef Christian Kern.

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