Türken horten Dollar aus Angst vor Lira-Verfall

29. Jänner 2014, 18:08
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Moody's rechnet mit anhaltenden Druck auf die Währung, Konsumenten und Unternehmen glauben nicht an eine Erholung

Istanbul/Wien – In der Nacht vom Dienstag hat die türkische Notenbank bekanntlich den Leitzins von 4,5 auf zehn Prozent hochgeschraubt. Die Lira hatte 2013 17 Prozent an Wert verloren. Wie andere Währungen zuletzt aufstrebender Schwellenländer beschleunigte sie ihren Kursrutsch zu Jahresbeginn sogar noch. Das Außenhandelsdefizit der Türkei ist im vergangenen Jahr auf fast 100 Milliarden US-Dollar angewachsen. Das Defizit habe verglichen mit 2012 um 18,7 Prozent auf 99,78 Mrd. Dollar (73,2 Mrd Euro) zugenommen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag unter Berufung auf das nationale Statistikamt.

Wirtschaft unter Druck

Das Land importiert deutlich mehr als es exportiert. Im Dezember 2013 habe der Wert verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sogar ein Plus von 37,3 Prozent auf 9,91 Mrd. Dollar verzeichnet. Die Wirtschaft in der Türkei steht - wie die in anderen Schwellenländern auch - derzeit unter Druck. Konsumenten und Unternehmen ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse: Aus Furcht vor einem weiteren Verfall der Landeswährung horten sie Dollar. Allein in der Woche bis zum 24. Jänner stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent auf 122 Milliarden an, wie aus jüngsten Daten der Zentralbank hervorgeht. Experten sehen das als Zeichen, dass viele Verbraucher auch nach der jüngsten Zinserhöhung nicht an eine Erholung glauben.

Druck auf die Währung

Auch die Ratingagentur Moody's rechnet mit einem anhaltenden Druck auf die Währung. Zumal durch die kräftige Zinserhöhung Risiken für die Konjunktur drohten, erklärte Moody's am Freitag. Der Ökonom Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) schätzt die Lage so ein: "In der Türkei besteht in der Tat die Gefahr, dass es sogar zu einer Finanzkrise kommen könnte". Für die globale Wirtschaft sieht er keine Bedrohung. Die Türkei zähle zu den Einzelfällen mit speziellen Ursachenpaketen. "Die Türkei ist kein 'game-changer' für die Weltwirtschaft". (Reuters/red, derStandard.at, 31.1.2014)

  • Die türkische Zentralbank hat die Währung Lira nur kurz stützen können – trotz einer Verdoppelung derLeitzinsen.
    foto: ap/emrah gurel

    Die türkische Zentralbank hat die Währung Lira nur kurz stützen können – trotz einer Verdoppelung der
    Leitzinsen.

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