St. Pölten liegt zwischen Vancouver und Sotschi

31. Jänner 2014, 17:19
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Gewinnen Kanadas Eishockeydamen in Sotschi zum vierten Mal in Folge Olympia-Gold, darf man sich in St. Pölten freuen

St. Pölten - Dutzende Pucks fliegen in den Rink der Eishalle St. Pölten. Drei Torhüterinnen folgen, werden abwechselnd von zwei Spielerinnen warm geschossen. Auf der anderen Eishälfte beginnt es zu wuseln. Eine Horde von Spielerinnen in weißen, schwarzen und roten Dressen dreht Runden. Ein Pfiff. 10 Uhr. Trainingsbeginn.

"Wir hätten keinen besseren Ort für unsere Olympia-Vorbereitung finden können", sagt Kevin Dineen. Dineen, 50, dunkelbraunes kurzes Haar, Narbe am Kinn, ehemaliger kanadischer Nationalspieler, ehemaliger Trainer der Florida Panthers in der National Hockey League, spricht von St. Pölten. Seit Dezember ist er Trainer der kanadischen Damen. Und der Weg zur angestrebten vierten olympischen Goldmedaille führt eben über Niederösterreichs Landeshauptstadt. Hier hat die in Penticton, British Columbia, beheimatete Okanagan Hockey School nämlich eine Außenstelle.

"Wir haben hier Weltklasse-Bedingungen", sagt Dineen. Zehn Tage, bis Samstag, verbrachten Kanadas Nationalspielerinnen in St. Pölten, ehe sie Richtung Sotschi abhoben. Als Trainingspartner dienten Nachwuchsspieler der Eishockeyschule. Von St. Pölten hatte Dineen vorher noch nie gehört, von Österreich wohl. "Ich habe ganz vergessen, wie schön es hier ist." 1987 war er schon in Wien, spielte bei der WM im Team Canada, unter anderem legendär wie torlos gegen die UdSSR. Sightseeing führte ihn nun neben dem Training nach Salzburg und in die Bundeshauptstadt.

Schön war es auch vor vier Jahren bei den Heimspielen in Vancouver. Kanada holte Gold. Nichts anderes war erwartet worden. Nichts anderes wird für Sotschi erwartet. Dineen: "Wir sind daran gewöhnt, das ist normal."

Erste unter Gleichen

Im Unterschied zum Männerteam um Superstar Sidney Crosby, das in Russland ebenfalls den Olympiasieg wiederholen will, gehe es bei den Damen mehr ums Team. Nur eine ragt heraus: Hayley Wickenheiser, 35. Sie ist der weibliche Star schlechthin, war 2003 die erste Frau, die ein Tor in einer Männer-Profiliga (dritte finnische Liga) erzielte. In Sotschi nimmt sie ihre fünften Olympischen Spiele in Angriff. Ob es ihre letzten werden, will sie danach entscheiden. "Gold wird von uns erwartet", sagt die siebenfache Weltmeisterin. "Wir haben so viel trainiert wie kein anderes Team." Einzig den US-Amerikanerinnen, mit denen eine lange Rivalität besteht, ist es zuzutrauen, den Erfolg Kanadas zu verhindern. Wenngleich die anderen Teams näher gerückt seien, wie Coach Dineen konstatiert. Vor vier Jahren war olympisches Frauen-Eishockey wegen der Überlegenheit der nordamerikanischen Teams in die Kritik geraten. "Es ist jetzt ausgeglichener", sagt Dineen.

Kritik hatte es in Vancouver auch nach der ausgelassenen Siegesfeier der Kanadierinnen auf dem Eis gegeben. Die Bilder mit den Zigarren rauchenden und Champagner und Bier trinkenden Spielerinnen waren um die Welt gegangen. "Das ist nicht das, was wir sehen wollen", hatte IOC-Exekutivdirektor Gilbert Felli gesagt. "Diese Art zu feiern ist in vielen Sportarten üblich", sagt Wickenheiser, "bei Männern hätte niemand etwas gesagt." Dass in Sotschi im Fall des Falles ähnlich gefeiert werden könnte, schließt die 35-Jährige nicht aus. "In Vancouver hat sich das spontan ergeben."

Fix ist, dass Wickenheiser vier Jahre nachdem sie bei den Heimspielen den olympischen Eid gesprochen hat, heuer bei der Eröffnungsfeier Kanadas Fahne tragen darf. "Eine große Ehre", auf die sie sich auch entsprechend vorbereitet. "Ich werde noch ein paar Youtube-Videos studieren, um zu sehen, ob es eine besondere Technik fürs Fahnentragen gibt." Sagt es und verschwindet wieder in der Kabine der Eishalle von St. Pölten. Sotschi könne kommen. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 1.2.2014)

  • Superstar Hayley Wickenheiser mit der kanadischen Flagge nach dem Olympia-Gold in Vancouver 2010. Die Fahne wird sie auch in Sotschi bei der Eröffnungsfeier tragen.
    foto: reuters / scott audette

    Superstar Hayley Wickenheiser mit der kanadischen Flagge nach dem Olympia-Gold in Vancouver 2010. Die Fahne wird sie auch in Sotschi bei der Eröffnungsfeier tragen.

  • Die kanadischen Eishockey-Damen in St. Pölten.
    foto: okanagan hockey school europe

    Die kanadischen Eishockey-Damen in St. Pölten.

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